BVB-Chef Watzke gegen Reform-Blockade

«Deutscher Fußball dann tot»

Foto: epa/Sascha Steinbach
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DORTMUND (dpa) - Die Champions-League-Reform ist nicht mehr zu verhindern. Diese Einsicht bewegt BVB-Chef Watzke zur Forderung nach einer klugen Strategie der Bundesligisten bei einem Spitzentreffen mit Juve-Boss Agnelli. Sonst könnte es für den deutschen Fußball ernst werden.

Mit markigen Worten hat BVB-Chef Hans-Joachim Watzke vor einer deutschen Blockade-Haltung in der Diskussion um die umstrittene Reform der Champions League gewarnt. «Aber zu glauben, dass die sich zu 90 Prozent auf uns einlassen, dann musst du am Ende des Tages damit rechnen, dass sie sagen, wenn alles, was wir bisher geplant haben scheiße ist, dann macht doch euren Kram allein und wir machen unsere Liga ohne euch», sagte Watzke am Dienstag in Dortmund.

Ein Scheitern der Verhandlungen hätte laut Watzke für die Bundesliga fatale Konsequenzen: «Und wenn das ein Konsensmodell ist, was überhaupt nicht unseres ist, dann muss man die ganz harte Entscheidung treffen, wir machen da nicht mit. Der deutsche Fußball ist aber dann tot», sagte der Geschäftsführer von Borussia Dortmund.

Aufzuhalten seien die Pläne für eine dreistufige Königsklasse ohnehin nicht mehr. «Diese Reform der Champions League oder Super League kommt so oder so. Wir müssen nun versuchen, da möglichst viel von unseren deutschen Interessen reinzupacken, was dem deutschen Gefühlen entspricht», sagte Watzke vor einem Treffen der deutschen Mitglieder der European Club Association mit ECA-Chef Andrea Agnelli am Mittwoch in München.

Juventus-Chef Agnelli treibt als ECA-Präsident unterstützt von spanischen und französischen Spitzenclubs eine Reform der Fußball-Königsklasse von 2024 an voran. Der FC Bayern München und Dortmund sehen sich seit Wochen zwischen den Fronten. Die deutschen Branchenführer fühlen sich der Bundesliga verpflichtet, wollen aber von der europäischen Konkurrenz nicht ökonomisch abgehängt werden.

Der ECA-Ehrenvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge bemüht sich daher um Konsensgespräche mit dem Agnelli-Lager. «Wir sind nicht pro. Es wird aber die eine oder andere Kröte geben, die man schlucken muss, um das Ganze zusammenzuhalten», sagte der Bayern-Chef im April bei Sky. Rudi Völler von Bayer Leverkusen will in das Gespräch am Mittwoch «ergebnisoffen» gehen, sagte ein Vereinssprecher. 1899 Hoffenheim - eins von 13 deutschen ECA-Mitgliedern - ist nach Club-Infos in München hingegen nicht vertreten.

Der Italiener Agnelli - mit Juve in Italien seit Jahren praktisch ohne nationale Konkurrenz - hatte seine ökonomischem Kalkül unterliegende Sichtweise klar gemacht: «Wir sind diejenigen, die planen müssen, wir sind die, die investieren. Um ein Unternehmen führen zu können, benötigt man die komplette Übersicht.»

Die Kritik aus Deutschland und auch England richtet sich primär gegen die Idee einer dreiteiligen Champions League mit nur noch begrenzter Möglichkeit der Qualifikation über die nationalen Ligen. «Es muss mehr Qualifikationsmöglichkeiten über die Liga geben. Es wird aus meiner Sicht aber nicht mehr kommen, wie wir das gern hätten. Man muss etwas evaluieren, was irgendwo dazwischen liegt. Ein Teil der Starter über die Liga und einen Teil über die Fünf-Jahreswertung der UEFA, komplett über die Liga wird es nicht mehr geben», sagte Watzke.

Die Idee einer reformierten Königsklasse sieht bislang vor, dass in fünf Jahren, wenn der neue Vermarktungszyklus beginnt, 96 Teams in einer dreistufigen Champions League spielen. Der Zugang zur lukrativen Top-Liga erfolgt aber nicht mehr über die Platzierung in der nationalen Liga. 24 Mannschaften bleiben durch ihr Abschneiden im Vorjahr in der höchsten Königsklasse, vier Teams steigen aus der B-Staffel auf und nur vier Plätze gibt es über das Liga-Abschneiden.

Dagegen hatten sich in der Vorwoche alle Bundesliga-Clubs ausgesprochen. Die Vereinigung der europäischen Profi-Ligen befindet sich seit Wochen im Clinch mit der ECA und der UEFA, deren Exekutivkomitee die Reform letztlich beschließen muss.

UEFA-Präsident Aleksander Ceferin hatte ein Ende der öffentlichen Debatte gefordert. Immerhin eine Beruhigung hatte er parat: Internationale Wochenendspiele in direkter zeitlicher Konkurrenz zu Bundesliga-Partien werde es definitiv nicht geben. DFL-Chef Christian Seifert setzte seine Hoffnungen auch auf den Slowenen: «Ich bin zuversichtlich, dass der UEFA-Präsident die Diskussion in die richtige Richtung lenkt», sagte er.

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