Corona-Infektionen: Neue Höchstwerte seit April

​Deutschland stuft Rumänien und Tunesien als Risikogebiete ein

Foto: Pixabay/Frauke Riether
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Mehr als 2800 Corona-Neuinfektionen - Neuer Höchstwert seit April

BERLIN: Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Deutschland hat wieder einen Höchstwert seit der zweiten Aprilhälfte erreicht. Innerhalb eines Tages meldeten die Gesundheitsämter 2828 neue Corona-Infektionen, wie das Robert Koch-Institut (RKI) am Mittwoch bekanntgab. Das sind über 150 mehr als am Freitagmorgen, als mit 2673 Neuinfektionen innerhalb eines Tages der zuvor geltende Höchstwert seit der zweiten Aprilhälfte gemeldet worden war.

Seit Beginn der Corona-Krise haben sich nach Angaben des RKI mindestens 306.086 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert (Datenstand 7.10., 0.00 Uhr). Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion liegt nach RKI-Angaben bei 9562. Das sind 16 mehr als am Vortag. Rund 267.700 Menschen haben die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden.

Die Rate der positiven Tests stieg stark an und lag in der 40. Kalenderwochen (28.9.- 2.10.) bei 1,64 Prozent. In der Woche zuvor waren es 1,22 und davor 1,16 Prozent. Die Anzahl der Tests sank dagegen leicht auf rund 1.096 000 in der 40. Woche. Zuvor waren es rund 1.168 000 gewesen.

Ein Anstieg zeichnet sich weiterhin bei den intensivmedizinisch behandelten Covid-19-Patienten ab. Laut aktuellem RKI-Lagebericht werden derzeit (7.10.2020, 12:15 Uhr) 470 Corona-Infizierte intensivmedizinisch behandelt, 233 davon werden beatmet. Vor einer Woche (30.9.) hatte der Wert noch bei 355 (195 beatmet) gelegen, in der Woche davor (23.9.) bei 293 (159 beatmet). Rund 8500 Intensivbetten sind in den deutschen Kliniken derzeit noch frei.

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Schätzungen in Deutschland laut Lagebericht vom Mittwoch bei 1,10 (Vortag: 1,15). Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel mehr als einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab.

Zudem gibt das RKI in seinem aktuellen Lagebericht ein sogenanntes Sieben-Tage-R an. Der Wert bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen lag dieser Wert bei 1,11 (Vortag: ebenfalls 1,08). Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor 8 bis 16 Tagen.


Neuer Höchststand bei Corona-Neuinfektionen in Frankreich

SAINT-MARTIN-VÉSUBIE: Frankreich hat mit 18.746 Corona-Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden einen Tages-Höchststand erzielt. Wie die Behörden am Mittwochabend mitteilten, wurde damit der bisherige höchste Wert von 16.972 neuen Fällen vom vergangenen Wochenende deutlich überschritten.

Die Corona-Lage in Frankreich ist sehr angespannt. Bis auf die an Deutschland grenzende Region Grand Est und die Insel Korsika gilt für Frankreich eine Reisewarnung des Auswärtigen Amts.

Gesundheitsminister Olivier Véran will am diesem Donnerstag über die aktuelle Lage berichten. Staatschef Emmanuel Macron stimmte die Franzosen bei einem TV-Interview am Abend bereits auf zusätzliche Einschränkungen ein, wie es sie in den Metropolen Paris und Marseille bereits gibt. Ins Detail ging der 42-Jährige dabei aber nicht.

«Das Virus zirkuliert seit einigen Wochen schneller», sagte der Staatschef den Fernsehsendern TF1 und France2 im dem südfranzösischen Ort Saint-Martin-Vésubie, der am vergangenen Freitag stark von Unwettern und Überschwemmungen getroffen worden war. «Wir müssen uns auf den Weg zu zusätzlichen Einschränkungen machen.»

Bisher starben in der Covid-19-Pandemie rund 32.500 Menschen. In vielen Städten Frankreichs gilt die Maskenpflicht auch unter freiem Himmel. Im Kampf gegen das Coronavirus mussten in Paris und Umgebung Bars und Cafés für zwei Wochen schließen. Wegen der ernsten Corona-Lage hatte Frankreichs Regierung zu Wochenbeginn die «maximale Alarmstufe» in der Hauptstadtregion ausgerufen.


Conte wirbt für Italien als Urlaubsziel - Corona-Zahlen steigen stark

ROM: Ungeachtet der steigenden Zahl von Corona-Neuinfektionen hält der italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte sein Land für ein geeignetes Urlaubsziel. «Gerade die angemessen strengen Maßnahmen, die wir soeben beschlossenen haben, zeigen, dass wir im Umgang mit dem Virus nicht nachlässig werden», sagte Conte der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (F.A.Z.) auf die Frage, ob Italien für Touristen aus Deutschland ein sicheres Reiseland sei. Einreisende aus Risikogebieten würden an den Flughäfen einem Schnelltest unterzogen, dessen Ergebnis nach 15 Minuten vorliege. Das Interview in Rom führten neben der «F.A.Z.» auch mehrere internationale Zeitungen.

Im Kampf gegen wieder steigende Corona-Infektionszahlen hatte Italiens Regierung am Mittwoch eine landesweite Maskenpflicht im Freien ab Donnerstag beschlossen. Bisher mussten die Schutzmasken hauptsächlich in geschlossenen Räumen sowie in öffentlichen Verkehrsmitteln aufgesetzt werden. Die Behörden verzeichneten in den jüngsten Wochen einen erheblichen Anstieg der Infektionszahlen. Obwohl die Pandemie bisher als unter Kontrolle gilt, wuchs die Angst vor einer zweiten Welle deutlich.

Conte sagte der «F.A.Z.», der mitunter als «italienisches Wunder» bezeichnete Umstand, dass die zweite Welle der Infektionen in seinem Land bisher flacher verlaufen sei als etwa in Spanien oder Frankreich, sei das Ergebnis der «Opferbereitschaft der gesamten Nation». «In der Erinnerung an die schlimme Frühphase der Pandemie stellen wir uns jetzt im Geist der Verantwortlichkeit und der Vorsicht der aktuellen Phase.»

Mit dem Ende Juli beschlossenen EU-Wiederaufbauplan im Umfang von 750 Milliarden Euro, von dem Italien und andere stark von der Pandemie betroffene Länder besonders profitieren werden, hätten die 27 EU-Staaten gezeigt, dass man eine Herausforderung wie die Überwindung der Pandemie-Folgen nur gemeinsam bewältigen könne, sagte Conte. Die umfassende Hilfe für Italien sei nicht nur ein «Zeichen konkreter Solidarität» gewesen, sondern auch «ein großer Vertrauensvorschuss» für sein Land.

Die Zahl der täglichen Coronavirus-Infektionen stieg am Mittwoch laut offiziellen Daten sprunghaft auf 3678 an - das waren rund 1000 mehr als am Vortag und damit der höchste Stand seit fast sechs Monaten. Die Zahl der Toten in Italien übersprang bereits die Marke von 36.000. Rund 334.000 Menschen infizierten sich bisher mit Sars-CoV-2.


Deutschland stuft Rumänien und Tunesien als Risikogebiete ein

BERLIN: Jede Woche kommen neue Corona-Risikogebiete im Ausland hinzu. Diesmal sind insgesamt elf Länder betroffen. Inzwischen gibt es kaum noch Länder, für die das Auswärtige Amt weder vor Urlaubsreisen warnt noch davon abrät.

Die Bundesregierung hat ganz Rumänien, Tunesien, Georgien und Jordanien sowie einzelne Regionen in sieben EU-Ländern zu Corona-Risikogebieten erklärt. Das Robert Koch-Institut aktualisierte seine Risikoliste am Mittwochabend entsprechend. Darauf sind jetzt auch alle fünf niederländischen Provinzen zu finden, die an Deutschland grenzen. Als letzte kam am Mittwoch Limburg hinzu, Zeeland an der Nordseeküste ist die einzige der zwölf niederländischen Provinzen, die noch kein Risikogebiet ist.

Erstmals wurden Teile der Slowakei zu Risikogebieten erklärt. In Slowenien kam unter anderem die Hauptstadt Ljubljana hinzu, außerdem Regionen in Kroatien, Ungarn, Litauen und Bulgarien. Es wurde erwartet, dass das Auswärtige Amt noch am Mittwochabend für alle diese Gebiete eine Reisewarnung ausspricht.

Die Einstufung als Risikogebiet erfolgt, wenn ein Land oder eine Region den Grenzwert von 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen überschreiten. Das gilt derzeit für 127 Länder ganz und für 15 teilweise. Für etwa 50 weitere Länder wird unabhängig von der Infektionslage von Reisen abgeraten. Der Grund: Dort gelten noch Einreisebeschränkungen, Quarantäneregeln oder eine Ausreisesperre in die EU.

Die Ausweisung zum Risikogebiet und die damit automatisch verbundenen Reisewarnungen bedeuten zwar kein Reiseverbot, sollen aber eine möglichst große abschreckende Wirkung auf Touristen haben. Das Gute für den Urlauber: Er kann eine bereits gebuchte Reise stornieren, wenn sein Ziel zum Risikogebiet erklärt wird. Das Schlechte: Rückkehrer aus den Risikogebieten müssen derzeit noch für 14 Tage in Quarantäne, können sich aber durch einen Test davon vorzeitig befreien lassen.


Corona-Hotspot Tunis führt wieder nächtliche Ausgangssperre ein

TUNIS: Wegen stark steigender Coronavirus-Neuinfektionen wird es in der tunesischen Hauptstadt Tunis wieder eine nächtliche Ausgangssperre geben. Ab Donnerstag müssen die Bewohner des gesamten Verwaltungsbezirks an Wochentagen zwischen 20 und 5 Uhr (Ortszeit) zu Hause bleiben, teilte der Gouverneur von Tunis, Schadhli Bualak, am Mittwoch mit. An Wochenenden soll die Ausgangssperre schon ab 18 Uhr abends greifen. Tunis war zuletzt zu einem der Corona-Hotspots des Landes geworden.

Die Regierung hatte Mitte März nach vergleichsweise nur wenigen Fällen eine radikale landesweite Ausgangssperre verhängt und die Grenzen geschlossen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Mit Lockerung der Maßnahmen stiegen die Corona-Zahlen jedoch stetig. Mittlerweile wurden in Tunesien mehr als 24.500 Coronavirus-Infektionen registriert.

Der Krisenstab habe dem Innenministerium und dem Präsidenten zudem vorgeschlagen, Märkte und Freitagsgebete auszusetzen sowie Cafés nur noch ohne Sitzmöglichkeiten zu öffnen, teilte die staatliche Nachrichtenagentur Tap unter Berufung auf Bualak mit. In einigen Städten und Regionen des Landes gelten teils noch strengere Einschränkungen.

Die Restriktionen haben eine verheerende Auswirkung auf die Wirtschaft in dem nordafrikanischen Urlaubsland. Millionen Tunesier laufen Gefahr, im Zuge der erneuten Einschränkungen ihre Arbeitsplätze zu verlieren. Bereits vor der Corona-Pandemie steckte Tunesien in einer Wirtschaftskrise.

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Klaus Olbrich 08.10.20 12:52
Das laesst sich nicht in den Griff kriegen.
Hauptsächlich liegt das an grossen Versammlungen ohne den nötigen Abstand.!
In Berlin gehen die Menschen auf diese Versammlungen und moechten sich den Virus holen, weil sie denken, dann wären sie immun ? Hirnlos.!