Bundesregierung bestürzt über aufflammende Gefechte in Äthiopien

Foto: Pixabay
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BERLIN/ADDIS ABEBA: Seit dem Frühjahr haben die Waffen im Norden Äthiopiens geschwiegen - seit dieser Woche gibt es wieder Gefechte zwischen der Armee und der Volksbefreiungsfront von Tigray. Diese fordert in dem seit 2020 schwelenden Konflikt mehr Autonomie für ihre ethnische Gruppe.

Die Bundesregierung hat sich bestürzt darüber geäußert, dass im Norden Äthiopiens nach fünf Monaten Waffenruhe nun wieder gekämpft wird. Die Konfliktparteien müssten ihre Waffen sofort wieder zum Schweigen bringen, forderte am Donnerstag ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin. Die Menschen in Tigray, Amhara und Afar hätten genug gelitten. «Der Konflikt wird sich nur am Verhandlungstisch lösen lassen», betonte er.

Seit Dienstag kommt es in dem Vielvölkerstaat am Horn von Afrika mit seinen 115 Millionen Einwohnern erneut zu Kampfhandlungen zwischen äthiopischen Regierungstruppen und der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF). In dem seit November 2020 anhaltenden Konflikt fordert die TPLF mehr Autonomie für ihre ethnische Gruppe.

Die Bundesregierung unterstützt der Mitteilung zufolge weiter die Vermittlungsbemühungen der Afrikanischen Union, die jetzt intensiviert werden müssten. Zu viele unschuldige Zivilisten, darunter Frauen und Kinder, hätten bereits ihr Leben lassen müssen oder seien Opfer schwerer Menschenrechtsverletzungen geworden. «Seit Beginn des Konflikts wurden darüber hinaus Hunderttausende Menschen vertrieben und Millionen Menschen leiden Hunger.»

Als «besonders niederträchtig» verurteilte der Außenamtssprecher, dass die TPLF zuletzt Treibstoff beschlagnahmt habe, der dringend für die Verteilung lebensrettender Hilfe benötigt werde. Er bezog sich damit auf eine Mitteilung des Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP), die nach dem Diebstahl mehrerer Kraftstofftanks vor einer Verschärfung der humanitären Lage in Tigray warnt. Die mehr als eine halbe Million Liter Sprit waren erst wenige Tage zuvor in die Regionalhauptstadt Mek'ele geliefert worden.

Die Volksbefreiungsfront TPLF erklärte, sie habe nichts gestohlen, sondern sich schlichtweg Sprit zurückgeholt, den sie zuvor dem WFP «geliehen» habe. Der Treibstoff werde unter anderem für den Betrieb von Kliniken und anderen medizinischen Einrichtungen in Tigray verwendet, die während der «Invasion» von Regierungstruppen geplündert und beschädigt worden seien.

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Thomas Sylten 26.08.22 13:50
Die TPLF vertritt keineswegs die Interessen der Tigrayer, sondern nur ihre eigenen als Partei: Sie war der Träger des vormaligen autoritären äthiopischen Regimes, die erst unter dem demokratischen Hoffnungsträger Abiy Achmed zurückgedrängt werden konnte und nun mit Gewalt verlorenes Terrain zurückerobern möchte. Also keineswegs eine "Befreiungsfront", sondern eine echte Terrororganisation.