Britische Ex-Premierministerin May kritisiert Cummings

Ehemalige britische Premierministerin Theresa May. Foto: epa/Simon Dawson
Ehemalige britische Premierministerin Theresa May. Foto: epa/Simon Dawson

MAIDENHEAD/LONDON: Dem Chefberater des amtierenden Premiers Johnson wird vorgeworfen, gegen die Lockdown-Regeln des Landes verstoßen zu haben. Der öffentliche Druck, ihn zu entlassen, hatte in den vergangenen Tagen etwas nachgelassen. Doch noch scheint die Sache nicht vom Tisch.

Die ehemalige britische Premierministerin Theresa May hat sich Berichten zufolge den Kritikern von Regierungsberater Dominic Cummings angeschlossen. Cummings wird vorgeworfen, mit einer Reise von London ins ungefähr 430 Kilometer entfernte Durham zu Verwandten Ende März sowie einem weiteren Trip gegen die Lockdown-Regeln des Landes verstoßen zu haben. Cummings sei dem Geiste der Richtlinien nicht gefolgt, schrieb May in einem Brief an Bürger in ihrem Wahlkreis Maidenhead, wie unter anderem die Zeitung «The Telegraph» am Samstag berichtete. Sie habe daher Verständnis für den Ärger in der Bevölkerung.

Der stellvertretende medizinische Chefberater der Regierung, Professor Jonathan Van Tam, machte seine Haltung zu den Vorgängen am Samstag bei einer Pressekonferenz ebenfalls deutlich. «Meiner Meinung nach sind die (Lockdown-)Regeln klar und sie waren immer klar. Meiner Meinung nach sind sie zum Nutzen aller. Und meiner Meinung nach gelten sie für alle», sagte Van Tam.

Der amtierende Premierminister Boris Johnson hatte sich demonstrativ hinter seinen Berater gestellt. In einer ausführlichen Pressekonferenz wehrte sich Cummings gegen Rücktrittsforderungen, die auch von Dutzenden Abgeordneten der konservativen Regierungspartei kamen. Der Wahlkampfstratege besteht darauf, im Rahmen der Regeln gehandelt zu haben. Er behauptet, keine andere Möglichkeit gehabt zu haben, die Betreuung seines vier Jahre alten Sohns sicherzustellen, weil sowohl er als auch seine Frau mit einer Coronavirus-Infektion rechnen mussten.

Die Polizei in der Grafschaft Durham teilte am Donnerstag mit, Cummings habe zwar nicht mit der Reise nach Durham die Lockdown-Regeln verletzt, aber womöglich mit einer weiteren Fahrt. Cummings war am Ostersonntag nach überstandener Covid-19-Erkrankung von Durham ins rund 40 Kilometer entfernte Dorf Barnard Castle gefahren. Angeblich wollte er testen, ob er für die Rückreise nach London fit genug war und ob sich sein durch die Erkrankung eingeschränktes Sehvermögen wieder ausreichend verbessert hatte. Ein Anwohner hatte ihn dort gesehen und angezeigt. Mit Konsequenzen habe Cummings nicht zu rechnen, teilte die Polizei mit.

Eine Online-Petition für den Rauswurf Cummings erreichte unterdessen mehr als eine Million Unterschriften.

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Wolfgang Traugott 31.05.20 15:43
Ein Hoch auf die Demokratie
England gilt als Mutter der Demokratie und die USA halten sich für die weltweiten Wächter derselben. Wenn ich mir anschaue, wie es da derzeit zugeht, bin ich mit der oft als undemokratisch verspotteten Regierung Thailands hoch zufrieden! Verbesserungspotential gibt es in jeder von Menschen geführten Organisation. Gut gemacht, Thailand!