Bolsonaro über das Coronavirus: «Wovor haben Sie Angst?»

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro. Foto: epa/Andre Sousa Borges
Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro. Foto: epa/Andre Sousa Borges

PORTO ALEGRE: Auch nach seiner eigenen Coronavirus-Infektion sorgt Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro mit Äußerungen in der Corona-Krise für Aufsehen. «Ich wusste, dass ich sie (die Krankheit) eines Tages bekommen würde. Leider denke ich, dass fast alle von Ihnen diese eines Tages bekommen werden. Wovor haben Sie Angst?», sagte Bolsonaro nach einem Bericht der Zeitung «Folha de S. Paulo» während eines Besuchs in der Stadt Bagé im Süden des Landes auf einer Pressekonferenz zu Journalisten. Dem müsse man ins Auge sehen.

Der Staatschef übergab in Bagé die Schlüssel für staatliche Sozialwohnungen und eröffnete eine zivil-militärische Schule. Nachdem er bei der Ankunft zunächst noch eine Schutzmaske getragen hatte, als er Menschenansammlungen auslöste, nahm Bolsonaro die Maske später ab und grüßte Anhänger.

Bolsonaro hatte vor mehr als drei Wochen bekanntgegeben, dass er sich mit dem Coronavirus infiziert habe. Danach führte er die Amtsgeschäfte aus der Quarantäne in der Präsidentenresidenz in Brasília. Mehrere Tests fielen positiv aus, am vergangenen Samstag twitterte er dann, ein neuer Test bei ihm sei negativ ausgefallen. In einer Live-Übertragung am Donnerstagabend sagte er, dass er sich nach der Corona-Ansteckung schwach gefühlt und in der Quarantäne «Schimmel in der Lunge» eingefangen habe.

Der rechtspopulistische Staatschef hatte das Coronavirus mehrfach als «leichte Grippe» abgetan. Inzwischen wurde auch Präsidentengattin Michelle positiv auf das Virus getestet. Nach den USA ist Brasilien derzeit einer der Brennpunkte der Corona-Pandemie. Bislang haben sich in dem größten Land Lateinamerikas mehr als 2,5 Millionen Menschen nachweislich mit dem Virus infiziert. Mehr als 90.000 Patienten sind im Zusammenhang mit der Lungenkrankheit Covid-19 gestorben.

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Hermann Auer 02.08.20 15:52
90000 Tote ...
... sind relativ viel im Vergleich zu anderen Ländern. Nämlich 4 Promille. In anderen Ländern sind es nur etwa ein Zehntel davon, nämlich 0.4 Promille.
Da ist wohl das Gesundheitssystem Brasiliens, das in keiner Weise mit Ländern wie Deutschland oder auch Thailand zu vergleichen ist, beteiligt.
Ob diese 90000 Personen nun "an" oder "mit" Corona verstorben sind, werden wir wohl nie erfahren und auch nicht, bei wie vielen davon die Corona-Infektion nur eben der Tropfen war, der das Fass zum Überlaufen brachte.
Markus Boos 02.08.20 13:22
So ein..
.. Tubel