Blitzkanone mit deutschen Laser

​Pilotprojekt in der Schweiz

CHRISTIAN MERZ
CHRISTIAN MERZ

BERN: Können Laser Blitzeinschläge bei sensiblen Einrichtungen wie Atomkraftwerken oder Flughäfen verhindern? Der Genfer Physiker Jean-Pierre Wolf glaubt: ja. In einem Feldversuch wird in der Schweiz eine in Deutschland entwickelte neun Meter lange Blitzkanone getestet. Die letzten Komponenten des Superlasers werden in dieser Woche per Gondel und Hubschrauber zur Wetterstation auf dem 2501 Meter hohen Säntis gebracht, wie das Hochtechnologieunternehmen Trumpf mit Sitz in Ditzingen bei Stuttgart am Dienstag mitteilte. Der Berg liegt rund 80 Kilometer südwestlich von Lindau am Bodensee. Wolf rechnet mit dem ersten Laserflash Anfang Juni, wenn das Wetter mitspielt. Am Säntis schlagen im Jahr bis zu 400 Blitze ein.

Die Blitzkanone ist als Alternative zu dem im 18. Jahrhundert von Benjamin Franklin erfundenen herkömmlichen Blitzableiter gedacht. Ein zehn Meter hoher Blitzableiter könne zwar ein Haus schützen, bei größeren Anlagen sei der Schutz aber schwierig, sagte Wolf. Weltweit entstünden an Hochspannungsleitungen, Wolkenkratzern, Flughäfen und in Wäldern durch Blitzeinschläge Schäden in Milliardenhöhe. An Flughäfen werde zudem bei nahen Gewitterwolken oft der Betrieb unterbrochen. Eine Einflugschneise oder Landebahn könne mit mehreren Lasern geschützt werden, ist Wolf überzeugt.

Nach seinen Forschungen können Laser die Luft verändern und Blitze in einer Gewitterwolke so auslösen, dass sie den Boden nicht erreichen. Die Blitze könnten auch gezielt auf einen herkömmlichen Blitzableiter gelenkt werden, der umstehende Gebäude und Einrichtungen schützt. Mit dem Verfahren könnten Blitze praktisch in einen vorgegebenen Kanal gezwungen werden, sagte Laser-Entwickler Clemens Herkommer.

Der Laser sei für Flugzeuge nicht gefährlich, aber man dürfe natürlich nicht in den Strahl schauen, sagte Wolf. An Flughäfen könnten Maschinen problemlos um die Laser herumgeleitet werden. Vögel seien nicht gefährdet. Sie hielten sich von den grünen Laserstrahlen fern. Der Strombedarf für einen Laser sei mit dem von ein paar Ladestationen für E-Autos vergleichbar, sagte Herkommer. Entwicklung und Experiment werden vom EU-Projekt «Laser Lightning Rod» («Laserblitzableiter») gefördert.

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