«Furchtlose Kämpferin» Kamala Harris - Bidens historische Wahl

Die demokratische Vize-Präsidentschaftskandidatin und Senatorin Kamala Harris hält eine Rede in Los Angeles, Kalifornien. Foto: epa/Etienne Laurent
Die demokratische Vize-Präsidentschaftskandidatin und Senatorin Kamala Harris hält eine Rede in Los Angeles, Kalifornien. Foto: epa/Etienne Laurent

WASHINGTON: Joe Biden hat sich entschieden: Kamala Harris soll seine Vize werden. Wer ist die Frau?

Es ist nicht allzu lange her, da waren Joe Biden und seine Kandidatin für den Vizepräsidentenposten Kamala Harris noch Konkurrenten. Und sie war es, die Biden in einer TV-Debatte im Rennen um die Kandidatur der Demokraten fürs Weiße Haus den wohl unangenehmsten Moment bescherte.

Harris kritisierte Biden dafür, dass er in den 70er Jahren dagegen gewesen sei, dass Kinder mit Bussen zu Schulen in anderen Bezirken gefahren wurden, um die Trennung von Schwarzen und Weißen aufzuheben. Und sie sprach von einem kleinen Mädchen, das jeden Tag in einem solchen Bus saß: «Das kleine Mädchen war ich.» Mitschnitte des Moments werden heute noch von Fox News, dem Haussender von Präsident Donald Trump, rauf und runter gespielt. Die Attacke zeigte aber auch, wie geschickt die frühere Staatsanwältin Harris angreifen kann - und das dürfte Bidens Wahlkampf zugute kommen.

Ein Wahlsieg von Harris mit Biden wäre historisch - noch nie war eine Frau US-Vizepräsidentin. Es ist das erste Mal, dass eine Schwarze für eine der beiden großen Parteien als Vize-Kandidatin ins Rennen zieht.

Harris wurde am 20. Oktober 1964 in Oakland, Kalifornien, geboren. Ihre Mutter hatte Wurzeln in Indien, ihr Vater in Jamaika. Sie wuchs in einer afroamerikanischen Community in Oakland auf und sang unter anderem in einem Kirchenchor. Ihre Mutter war nicht nur Krebsforscherin, sondern auch Bürgerrechtlerin - Harris sagt immer wieder von ihr, dass sie den größten Einfluss auf ihr Leben gehabt habe. Die Haltung Ihrer Mutter sei der Auslöser dafür gewesen, dass sie Anwältin geworden sei, sagte Harris in ihrem am Mittwoch veröffentlichten ersten Wahlkampfvideo.

Harris studierte in der Hauptstadt Washington Politikwissenschaft und Wirtschaft, in Kalifornien Rechtswissenschaft. 2003 wurde sie zur Bezirksstaatsanwältin von San Francisco gewählt. Dort traf sie umstrittene Entscheidungen: Im Wahlkampf versprach sie, als Staatsanwältin niemals die Todesstrafe anzustreben. Sie hielt sich daran, zog nach der Tötung eines Polizisten aber Protest auf sich.

Als sie sich als Attorney General - was in den USA die Positionen der Justizministerin und der Generalstaatsanwältin verbindet - in Kalifornien bewarb, versprach sie, trotz ihrer persönlichen Opposition die Todesstrafe im neuen Amt vollstrecken zu lassen - und wieder hielt sie sich daran.

International wurde Harris' Name einer breiteren Öffentlichkeit wohl zum ersten Mal bekannt, als sich Barack Obama entschuldigte. Er hatte Harris 2013 als brillante und zähe Juristin gelobt - und als die mit Abstand bestaussehende Generalstaatsanwältin bezeichnet. Obama handelte sich den Vorwurf des Sexismus ein.

2016 wurde Harris als zweite Afroamerikanerin überhaupt in den US-Senat gewählt. Ihr Auftrag sei wie früher: Für die Rechte aller Menschen in Kalifornien zu kämpfen, sagte sie. Anfang 2019 gab sie bekannt, dass sie sich für die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten bewerbe. Zu Beginn galt sie als aussichtsreiche Bewerberin.

Ihre Gegner versuchten, die Law-and-Order-Vergangenheit gegen sie zu verwenden. Einige ihrer Entscheidungen wurden von Kritikern nicht im Einklang mit ihrem Versprechen nach Reformen eines «kaputten» Strafjustizsystems gesehen. Im Dezember beendete sie ihre Kampagne.

Nun wird Harris zugetraut, besonders gut afroamerikanische Wähler mobilisieren zu können. Sie ist moderat, gesetzt, ihre Auftritte durchchoreographiert. Im Senat hat sie bewiesen, hartnäckig Fragen stellen zu können und eine Problemlöserin zu sein. Kritisiert wird häufiger, dass sie sich ideologisch nicht verorten lasse.

Harris spielte schon früher mit dem Gedanken, im Duo mit Biden gegen Trump anzutreten. Biden wäre ein großartiger «Running Mate», sagte sie im Mai 2019 - damals hatte sie ihn allerdings noch als ihren Vize-Kandidaten im Sinn. Biden bezeichnete Harris, die eng mit dessen verstorbenem Sohn Beau befreundet war, bei der Bekanntgabe seiner Entscheidung als eine «furchtlose Kämpferin».


Trump schießt sich auf Kamala Harris ein

WASHINGTON: US-Präsident Donald Trump hat die Kandidatin der Demokraten für den Vizepräsidenten-Posten, Kamala Harris, auf breiter Front angegriffen. «Sie hat gelogen. Sie hat Dinge gesagt, die nicht wahr waren», sagte Trump am Dienstag (Ortszeit), ohne genauer darauf einzugehen. Harris wolle die Steuern erhöhen, die Militärausgaben senken und sei gegen die Erdgas-Förderung per Fracking, zählte er auf. Das alles sind Ansichten, mit denen Trump versuchen könnte, seine republikanische Kern-Wählerschaft gegen Harris zu mobilisieren.

Außerdem hielt der Präsident der 55-Jährigen vor, sie sei gegenüber seinem Kandidaten für das Oberste Gericht der USA, Brett Kavanaugh, bei der Anhörung im Senat ganz besonders «bösartig» gewesen. «Das werde ich nicht so schnell vergessen», sagte Trump bei seiner Pressekonferenz im Weißen Haus. Der Bestätigungsprozess von Kavanaugh im Senat war 2018 extrem kontrovers, nachdem mehrere Frauen ihn sexueller Übergriffe beschuldigt hatten. Er wurde am Ende knapp mit den Stimmen der Republikaner ernannt.

Trump ergänzte, sein Vizepräsident Mike Pence gefalle ihm viel besser. Unter anderem werde er von allen religiösen Gruppen respektiert.


Obama: Harris richtige Partnerin für Kampf ums Weiße Haus

WASHINGTON: Der ehemalige US-Präsident Barack Obama hat die Entscheidung von Joe Biden für Kamala Harris als Kandidatin der Demokraten für den Vizepräsidenten-Posten ausdrücklich begrüßt. Die 55-Jährige sei «mehr als bereit für die Aufgabe», erklärte Obama am Mittwoch.

«Wenn du im Oval Office bist, die schwersten Probleme abwägst, und eine Entscheidung, die du triffst, die Leben und Existenzen eines ganzen Landes beeinflusst - da brauchst du jemanden bei dir, der das Urteilsvermögen und den Charakter hat, um die richtige Entscheidung zu treffen», betonte Obama. Sein ehemaliger Vize Biden habe die richtige Wahl getroffen: «Das ist ein guter Tag für unser Land. Jetzt lasst uns das Ding gewinnen.»


Harris: Eine «Ehre» als Vize-Kandidatin anzutreten

WASHINGTON: US-Senatorin Kamala Harris hat ihre Verkündung als Vize des designierten demokratischen Präsidentschaftsbewerbers Joe Biden als «Ehre» bezeichnet. Sie werde alles dafür tun, um Biden bei der Wahl im November zum Oberbefehlshaber zu machen, schrieb Harris auf Twitter. «Joe Biden kann das amerikanische Volk einen, weil er sein Leben damit verbracht hat, für uns zu kämpfen. Und als Präsident wird er ein Amerika aufbauen, das unseren Idealen gerecht wird.»

Biden, der bei der Wahl am 3. November gegen den republikanischen Amtsinhaber Donald Trump antreten soll, hatte Harris zuvor als seine «Running Mate» verkündet. Die 55-Jährige könnte nicht nur die erste schwarze Vize-Präsidentin in der Geschichte der Vereinigten Staaten werden, sondern auch die erste Frau in dieser Position.

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Ingo Kerp 12.08.20 13:07
Kamala Harris wird running mate. Eine Überraschung, die keine ist.