Biden: «Unglaubliche Fortschritte» beim Impfen

Im Weißen Haus spricht Präsident Biden über Impfungen. Foto: epa/Oliver Contreras
Im Weißen Haus spricht Präsident Biden über Impfungen. Foto: epa/Oliver Contreras

WASHINGTON: Von Trippelschritten kann beim Impfen in den USA keine Rede sein. US-Präsident Biden versorgt die Amerikaner weiter mit guten Nachrichten, mahnt aber zugleich Vorsicht und Geduld in der Pandemie an. In Kalifornien denkt man schon an die Zeit danach.

Impfen ohne «verwirrende Einschränkungen»: In den USA sollen alle Erwachsenen schon in weniger als zwei Wochen einen Termin für eine Corona-Impfung vereinbaren können. «Wir machen unglaubliche Fortschritte», sagte US-Präsident Joe Biden am Dienstag (Ortszeit) im Weißen Haus. «Vom 19. April an ist jeder Erwachsene in jedem Staat, jeder Erwachsene in diesem Land berechtigt, sich in die Schlange zu stellen, um eine Corona-Impfung zu bekommen.» Vom Impferfolg der Amerikaner sollen auch andere Länder profitieren, wie Biden deutlich machte. Das dürfte aber erst in einigen Monaten soweit sein. Einen verpflichtenden Impfpass auf Bundesebene schloss das Weiße Haus indes aus.

Mit der baldigen landesweiten Aufhebung der Staffelung der Impfberechtigten sendet Biden ein weiteres Zeichen an die Bevölkerung, dass die USA in der Pandemie auf dem richtigen Weg sind. Die guten Neuigkeiten verknüpfte er aber wie gewohnt mit einer Warnung. Das Virus breite sich weiter aus, weil zu viele Menschen der Annahme seien, dass man die Ziellinie schon erreicht habe.

«Lassen Sie mich todernst mit Ihnen sein: Wir sind nicht an der Ziellinie», sagte Biden. Neue Varianten des Coronavirus verbreiteten sich schnell, die Zahl der Neuinfektionen gehe wieder nach oben und auch die Zahl der Neuaufnahmen in Krankenhäusern sei nicht mehr rückläufig. Auch wenn immer mehr Impfungen verfügbar und mehr Menschen geimpft seien, brauche es Zeit, bis der komplette Schutz eintrete.

Die USA sind - gemessen an absoluten Zahlen der Infektionen und Toten - das am schwersten von der Corona-Pandemie betroffene Land. Mehr als 30,8 Millionen Ansteckungen mit dem Coronavirus wurden nachgewiesen, mehr als 556.000 damit verbundene Todesfälle sind bekannt. Am Dienstag meldeten die Behörden nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität 61.006 Neuinfektionen und 896 Tote.

Biden hat die Impfkampagne seit seinem Amtsantritt am 20. Januar erheblich beschleunigt. Nach Angaben des Weißen Hauses wurden seither mehr als 150 Millionen Impfdosen verabreicht. Insgesamt - also inklusive der Wochen vor Bidens Start - waren es landesweit nach Angaben der Gesundheitsbehörde CDC mehr als 168 Millionen.

Ursprünglich hatte Biden die Bundesstaaten angewiesen, Impfstoffe bis spätestens 1. Mai für alle Erwachsenen freigeben zu lassen. Mehrere Bundesstaaten haben die Staffelung nach Impfgruppen bereits aufgehoben oder dafür einen Termin unabhängig von der Ankündigung des Weißen Hauses bekanntgegeben. New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo sagte am Dienstag: «Heute hat jede Person im Bundesstaat New York, die älter als 16 Jahre ist, Anspruch auf den Impfstoff. Es gibt keine Entschuldigung, nicht online zu gehen und heute einen Anruf (für einen Termin) zu tätigen.»

Der Großteil der Amerikaner werde bis Ende Mai voraussichtlich mindestens einmal geimpft sein, sagte Biden. Er hoffe, vor dem Ende des Sommers ankündigen zu können, dass die USA über mehr Impfstoff verfügten als nötig, um anderen, armen Ländern zu helfen. Solange die Impfung nicht überall auf der Welt verfügbar und das Virus noch nicht in allen Ländern besiegt sei, «sind wir nicht komplett sicher», sagte Biden.

Die US-Regierung hat es zur Priorität erklärt, zunächst die eigene Bevölkerung zu impfen. Gegen Biden wurde daher schon der Vorwurf laut, die «America First»-Doktrin von seinem Vorgänger Donald Trump fortzusetzen und es insbesondere armen Ländern zu erschweren, an Impfstoffe zu kommen.

Kalifornien stellte seinen Bürgern am Dienstag in Aussicht, dass Mitte Juni die meisten Corona-Beschränkungen aufgehoben werden könnten. Als Voraussetzung für eine komplette Wiedereröffnung der Wirtschaft nannte Gouverneur Gavin Newsom, dass genügend Impfstoff für alle Kalifornier ab 16 Jahren, die geimpft werden wollen, vorhanden sein und die Zahl der Neuaufnahmen in Krankenhäusern stabil und niedrig sein müsse.

«Wir können jetzt mit der Planung für unser Leben nach der Pandemie beginnen», erklärte Newsom. «Wir werden wachsam bleiben müssen und die Maßnahmen, die uns hierher gebracht haben - Masken tragen und sich impfen lassen - beibehalten, aber das Licht am Ende des Tunnels war noch nie heller.»

Die Einführung eines verpflichtenden Impfpasses auf Bundesebene lehnte das Weiße Haus ab. «Lassen Sie mich das ganz klar sagen: Die Regierung wird weder jetzt noch in der Zukunft ein System unterstützen, das von Amerikanern verlangt, einen Nachweis bei sich zu führen», betonte Sprecherin Jen Psaki. Es werde auch keine Impfdatenbank auf Bundesebene geben. Man wolle damit den Datenschutz und andere Rechte der Amerikaner gewährleisten.

Von der Privatwirtschaft würden solche Optionen aber derzeit in Betracht gezogen, um Veranstaltungen mit großen Menschenmengen auf sichere Weise wieder zu ermöglichen. «Dort ist die Idee entstanden, und wir rechnen damit, dass sie dort zu Ende geführt wird», sagte Psaki weiter.

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