Lockdown-Regeln gebrochen? 

​Rufe nach Rauswurf von Johnson-Berater

Dominic Cummings, Sonderberater des britischen Premierministers.
Dominic Cummings, Sonderberater des britischen Premierministers.

Johnson-Berater hat Lockdown-Regeln weitere Male missachtet

LONDON: Sollten die neuen Vorwürfe sich erhärten, dürfte das Eis für Dominic Cummings dünn werden. Bislang hatte sich die Regierung geschlossen hinter den Wahlkampfstrategen und Brexit-Vorkämpfer gestellt, der als rechte Hand von Premierminister Boris Johnson gilt.

Der wegen eines angeblichen Lockdown-Verstoßes in die Kritik geratene Johnson-Berater Dominic Cummings soll Berichten zufolge weitere Male die Regeln der britischen Regierung missachtet haben. Das berichteten der «Sunday Mirror» und der «Observer» am Samstagabend unter Berufung auf Augenzeugen. Premierminister Boris Johnson hatte seinem wichtigsten Berater noch am frühen Abend seine «volle Unterstützung» zugesagt. Der Fraktionschef der Schottischen Nationalpartei SNP, Ian Blackford, forderte hingegen den Rauswurf Cummings. «Es ist klar, dass Boris Johnson Dominic Cummings feuern muss», schrieb er auf Twitter.

Die Debatte, ob Cummings mit einer rund 430 Kilometer weiten Reise Ende März gegen die britischen Lockdown-Regeln zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie verstoßen hatte, dominierte am Samstag das Nachrichtengeschehen in dem Land. Der Wahlkampfstratege und Brexit-Vorkämpfer war mit seiner an Covid-19 erkrankten Frau und seinem vier Jahre alten Sohn von London in die nordostenglische Grafschaft Durham zu seinen Eltern gefahren. Angeblich, weil er die Betreuung für seinen Sohn sicherstellen wollte. Er selbst erkrankte nach eigener Darstellung kurz danach. Gemäß den Richtlinien der Regierung waren zu diesem Zeitpunkt Reisen nur aus unverzichtbaren Gründen erlaubt. Trotzdem verteidigte die Regierung das Vorgehen Cummings' als gerechtfertigt. Es sei um das Wohl des Kindes gegangen.

Den jüngsten Zeitungsberichten nach soll Cummings aber auch am 19. April in Durham gesehen worden sein. Zu diesem Zeitpunkt hatte er seine Arbeit in London nach überstandener Covid-19-Erkrankung bereits wieder aufgenommen. Auch am 12. April wurde er angeblich von einem Passanten erkannt, dieses Mal bei einem beliebten Ausflugsziel, knapp 50 Kilometer von Durham entfernt. Sollte sich die Berichte als wahr erweisen, müsste Cummings mindestens ein zweites Mal während des Lockdowns nach Durham gefahren sein.

Eine Regierungssprecherin wies die Vorwürfe am Abend als «falsch» zurück. Bereits die Berichte vom Vortag seien nicht richtig gewesen, sagte sie. «Wir werden unsere Zeit nicht damit verschwenden, einen Strom falscher Behauptungen über Mr. Cummings von politisch motivierten Zeitungen zu beantworten.» Was genau an den Berichten vom Freitag nicht gestimmt haben soll, sagte die Sprecherin nicht. Die Regierung hatte zugegeben, dass Cummings mit seiner Familie nach Durham gefahren war.

Bestritten hatte Cummings, dass seine Familie während des Aufenthalts in Durham von der Polizei kontaktiert worden sei. Dieser Darstellung widersprach jedoch die Polizei am Samstagabend. In einer Mitteilung hieß es, Cummings Vater sei von einem Polizeibeamten am 1. April wegen der Anwesenheit seines Sohnes kontaktiert worden, nachdem ein entsprechender Hinweis eingegangen sei..

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