Belgierin tot auf Koh Tao: Mutter sucht Zeugen

Elise Dallemagne (30) starb Ende April – Ihr Tod blieb unter Verschluss

Elise Dallemagne aus Belgien: Ihre Leiche wurde am 27. April über der Tanote Bucht auf Koh Tao gefunden.Fotos: privat
Elise Dallemagne aus Belgien: Ihre Leiche wurde am 27. April über der Tanote Bucht auf Koh Tao gefunden.Fotos: privat

KOH TAO: Weshalb besteigt eine junge Frau am 19. April auf Koh Phangan die Fähre nach Chumphon mit dem Ziel Bangkok und wird acht Tage später tot auf Koh Tao aufgefunden? Warum soll die belgische Staatsbürgerin Elise Dallemagne (30) Ende April ihrem Leben selbst ein Ende gesetzt haben, obwohl sie ihren Eltern die Heimkehr angekündigt hatte?

Die Leiche der Naturheilerin wurde bereits am 27. April im Dschungel oberhalb der Tanote-Bucht entdeckt. Von den Behörden war der grausige Fund bisher unter Verschluss gehalten worden.

Erst durch einen verzweifelten Hilfeaufruf der Mutter Michele am 20. Juni auf Facebook, geriet der mysteriöse Todesfall in die Öffentlichkeit. Obwohl nicht ausgeschlossen werden kann, dass Elise Dallemagne den Freitod gesucht haben könnte, fördert die Rekonstruktion ihrer letzten Lebenstage eine Reihe von Ungereimtheiten zutage. Kernfrage: Sucht sich eine junge Frau in den Bergen Koh Taos einen Baum aus und erhängt sich mutterseelenalleine? So lautet zumindest bis heute die Version der Polizei, die ein Foto mit einer nicht mehr erkenntlichen braunhaarigen Frau an einem Baum besitzt.

Kein Abschiedsbrief

Kein Abschiedsbrief, kein Signal an ihre Familie, dafür den Fahrtschein nach Bangkok in der Tasche mit Abreisedatum 24. April: Dieses Ticket hatte sie nachweislich im Poseidon Resort Koh Tao gekauft und zwar am 21. April 2017, zwei Tage nach ihrer Ankunft auf der Taucherinsel.

Die letzten Lebenswochen der Belgierin, die monatelang auf Koh Phangan in einem spirituellen Yoga- und Tantra-Zirkel Gleichgesinnter gelebt hatte, könnten entscheidende Hinweise für die Eltern in Belgien liefern. Die Mutter bittet alle Personen um Informationen, die sie während der vergangenen Monate bei Hin Kong auf Koh Phangan oder zwischen dem 19. und 23. April auf Koh Tao gesehen haben. Möglicherweise hat sie mit irgendjemanden gesprochen und war in Schwierigkeiten geraten.

Das Gepäck von Elise Dallemagne war später in Chumphon gefunden worden, erfuhr ihre Mutter Michele Anfang Mai von den Ermittlungsbeamten auf Koh Tao. Sie muss den bisherigen Kenntnissen zufolge ohne ihre Reisetasche die Seatran-Fähre verlassen und Koh Tao betreten haben. Der Leichnam ihrer Tochter war am 27. April hinter dem Tanote Bay Resort entdeckt worden.

Nur so kam der Fall ins Rollen: Mutter Michele bat am 20. Juni über Facebook um Hilfe möglicher Zeugen.
Nur so kam der Fall ins Rollen: Mutter Michele bat am 20. Juni über Facebook um Hilfe möglicher Zeugen.

Benzinflasche gefunden

Michele sagt, merkwürdigerweise sei ihr Oberkörper mit baumwollähnlichen Stoffen umwickelt gewesen und in einer daneben liegenden Tasche habe sich eine unbenutzte Benzinflasche befunden. Eine solche Flasche – das ergaben Recherchen des FARANG – war unweit der Fundstelle im Montalay Beach Resort entwendet worden, sagte die Besitzerin Ende April gegenüber der Polizei aus.

Rätsel gibt der Familie von Elise Dallemagne und ihren Freunden ein weiterer hochmysteriöser Tatbestand auf. Die 30 jährige war gleich nach ihrer Ankunft in Mae Haad in das Triple B Resort Koh Tao eingecheckt und hatte zwei Nächte ein Bambus-Bungalow für 250 Baht gebucht. In den frühen Abendstunden brach dort ein Großbrand aus und Elises Hütte brannte mit drei weiteren total aus. Die offensichtlich panische Frau wurde noch gesehen und von Überwachungskameras gefilmt, wie sie in Richtung Hauptstraße lief.

Der belgische Besitzer des Triple B Resorts hat Elise Dallemagne nie persönlich getroffen. Er und seine Thaiehefrau weilten am Tag ihrer Ankunft nicht auf Koh Tao und die Mitarbeiter könnten sich nicht an Details erinnern, sagte er auf Anfrage.

Elises Mutter war bei ihrem Besuch auf Koh Tao Anfang Mai aufgefallen, dass sich ihre Tochter zunächst unter ihrem richtigen Namen eingetragen hatte und diesen dann durchstrich. Danach schrieb sie anstelle von Dallemagne den belgischen Allerweltsnamen Dupuis aufs Anmeldeformular. Hatte sie Angst, dass jemand nach ihr suchen oder ihr aus Koh Phangan gefolgt sein könnte? Und falls ja, wer jagte ihr so viel Angst ein, dass sie einen falschen Namen benutzte?

Kein Obduktionsbericht

Der Leichnam der auffallend hübschen Frau muss laut Angaben des ersten Obduktionsarztes im Krankenhaus in Surat Thani mindestens drei Tage im Dschungel gelegen haben. Er war stark verwest und konnte nur anhand von Zahnabgleichen identifiziert werden, die Elises Eltern aus Belgien geschickt hatten.

Mutter Michele sagt, der Gerichtsmediziner in Surat Thani, Dr. Nanthana, habe viele Insektenstiche erwähnt und dass ihre Überreste keinerlei Schnittverletzungen aufgewiesen hätten. Danach sei der Leichnam ins Institut für Forensik des Polizeihospitals in Bangkok geschickt worden. Auf den Abschlussbericht warten Michele und der Vater von Elise Dallemagne bis heute vergeblich. Auch ein polizeiliches Ermittlungsprotokoll haben sie nie erhalten. Der Fall sei sehr wahrscheinlich als Suizid zu den Akten gelegt worden. Leitender Forensiker in Bangkok war Colonel Phawat Pratheepvisaroot.

Als ihre letzte Hoffnung verbleiben heute Zeugenhinweise: Vielleicht könnte einer aus ihrem engeren Freundeskreis auf Koh Phangan mehr über ihre letzten Lebensmonate verraten, hoffen die Angehörigen in Belgien. Sie habe dort mit einem indischen Guru deutscher Abstammung gelebt und in einer Art Ashram-Außenstelle mitgearbeitet. Koh Phangan ist bekannt als Dreh- und Angelpunkt für Yoga- und Tantra Kurse – einer indisch-stämmigen Strömung mit philosophischer und religiöser Grundauslegung.

Laut Auskunft von Mutter Michele in Brüssel wollte ihre Tochter ihre Zelte am 19. April abbrechen und zurück nach Hause kommen. Seit dem letzten Skype-Telefonat, zwei Tage zuvor, haben die Eltern und ihre beiden Brüder nie wieder ein Lebenszeichen von ihr erhalten.

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