Beinbruch in Silverstone

Schumachers schlimmster Formel-1-Unfall

Foto: Twitter/@paulcadmanuk
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SILVERSTONE (dpa) - Nur einen wirklich schweren Unfall erlebt Michael Schumacher in seiner Formel-1-Karriere. In Silverstone rast der Ferrari-Star 1999 frontal in einen Reifenstapel und bricht sich das Bein. Der Crash, der ihn lange beschäftigte, passierte am Donnerstag vor 20 Jahren.

In seiner Rennfahrer-Karriere wirkte Michael Schumacher fast unverwundbar. Der 11. Juli 1999 machte den Rekordweltmeister der Formel 1 aber nachdenklich. «Nach dem Unfall, da glaubst du an ein Zeichen, du solltest mit dem Motorsport Schluss machen», sagte Schumacher damals - mit etwas Abstand.

Am diesem Donnerstag jährt sich der Tag zum 20. Mal, an dem der gebürtige Kerpener beim Großen Preis von Großbritannien seinen schwersten Crash im Rennwagen hatte. In Silverstone bohrte sich sein Ferrari frontal in einen Reifenstapel. Schumacher erlitt eine Fraktur des rechten Schien- und Wadenbeins. «Im ersten Moment habe ich sofort an Ayrton Senna gedacht und geglaubt, Michael hätte sein Leben gelassen», sagte damals der Motorrad-Star Ralf Waldmann.

Schumacher fuhr in seinem Ferrari F399 306 Stundenkilometer schnell, ehe er vor der nahenden Kurve bremste, aber einfach weiter geradeaus raste. 107 Stundenkilometer betrug seine Geschwindigkeit noch, als er in der Streckenbegrenzung einschlug. Die Front seines Autos wurde völlig zerstört. Schumacher war anschließend zu 14 Wochen Rennpause gezwungen, ehe er nach drei gescheiterten Versuchen im Oktober des gleichen Jahres in Malaysia doch noch auf die Rennstrecke zurückkehrte.

Schumacher gab später offen zu, dass ihn der 11. Juli 1999 verändert hatte. Zehn Jahre später in der Talkshow Johannes B. Kerner sagte er, er habe gespürt, wie «mein Herzschlag immer weniger wird und plötzlich komplett aufhört. Lichter gehen aus. Und dann denke ich, so fühlt es sich wohl an, wenn du dann auf dem Weg nach oben bist.»

In seinem Wagen war Schumacher nur noch Passagier. Hilflos, nachdem seine Bremsen wegen einer gelockerten Entwicklungsschraube versagt hatten. Wie es genau dazu kommen konnte, blieb ungeklärt. «Fakt ist: Wir haben Mist gebaut», sagte der frühere Ferrari-Technikchef Ross Brawn, der auch von menschlichem Versagen bei den Mechanikern sprach. Spekulationen um möglicherweise vertuschte Unfall-Ursachen wie eine defekte Lenkung oder ein kaputtes Gaspedal wies Brawn zurück.

Schumacher wurde im nahen General Hospital in Northampton operiert, nach nur 42 Stunden in einer filmreifen Geheimaktion inklusive Ablenkungsmanövern und Täuschungen aber schon wieder aus der von Fans und Medien umlagerten Klinik entlassen. Die Bilder um das Krankenhaus glichen dabei auf erschreckende Weise den Szenen aus dem Dezember 2013, als Schumacher nach seinem furchtbaren Ski-Unfall in den Alpen in Grenoble versorgt werden musste.

Zwar ließ Schumachers einziger schlimmer Crash in rund 20 Jahren Formel 1 ihn grübeln, Spätfolgen gab es jedoch nicht. Ganz anders als beim verheerenden Sturz im Skigebiet von Méribel vor gut fünfeinhalb Jahren, der das Leben der Motorsport-Legende für immer verändern sollte. Bis heute ist kaum etwas über den genauen Gesundheitszustand Schumachers bekannt. Der mittlerweile 50 Jahre alte Rheinländer wird konsequent von der Öffentlichkeit abgeschirmt.

Noch unerreichte 91 Grand-Prix-Siege feierte Schumacher, der 2009 auch einmal mit dem Motorrad schwer gestürzt war. Er wurde siebenmal Weltmeister und zum Vorbild einer ganzen Generation. Der heutige Ferrari-Star Sebastian Vettel gab schon mehrfach offen zu, den Rat Schumachers, der sein großes Kindheitsidol war, zu vermissen. Ganz verschwunden ist der Name Schumacher aus dem Formel-1-Kosmos aber nicht - auch nicht an diesem Wochenende beim zehnten Saisonlauf in Silverstone. Schumachers 20 Jahre alter Sohn Mick fährt im Rahmenprogramm erstmals in der Formel 2 auf dem Traditionskurs.

In gut zwei Wochen wird Mick beim deutschen Heim-Grand-Prix in Hockenheim sogar erstmals den Weltmeister-Ferrari seines Vaters aus dem Jahr 2004 steuern. «Es wird ein emotionaler Moment, Mick in einem Wagen zu sehen, mit dem man so viele großartige Erinnerungen verbindet», sagte Brawn, der mittlerweile Formel-1-Direktor ist. 2004 war Schumacher letztmals Weltmeister geworden, fünf seiner Titel holte der Ausnahmekönner nach dem Silverstone-Crash noch.

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