Bedrohen chinesische Zulieferer wie Huawei die Sicherheit der Netze?

Foto: epa/Christopher Jue
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BERLIN (dpa) - Gerät Huawei zum Sicherheitsrisiko? Die Frage nach dem Umgang mit dem chinesischen Konzern wird zum Politikum. Was steckt hinter den Vorwürfen? Und gäbe es überhaupt Alternativen zu dem Tech-Riesen?

Die Telekommunikationsbranche in Deutschland bereitet sich auf die Einführung der superschnellen 5. Mobilfunkgeneration (5G) vor. Insbesondere für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft hat 5G eine zentrale Bedeutung, etwa bei autonom fahrende Autos oder der Telemedizin. Viele Provider setzen beim Aufbau der sensiblen Infrastruktur auf Technik des Marktführers Huawei. Doch gegen das chinesische Unternehmen werden immer häufiger Vorbehalte laut.

Welche konkreten Vorwürfe gegen Huawei stehen im Raum?

Die offiziell geäußerten Vorbehalte gegenüber dem chinesischen Konzern beziehen sich auf drei Bereiche. Zum einen wird befürchtet, Daten und Gespräche aus dem Mobilfunknetz könnten ausspioniert werden. Bedenken werden auch geäußert, ob Technik von Huawei in einem möglichen Cyberkonflikt Attacken aus China und anderen Regionen standhalten kann oder ob eine Hintertür für Angreifer eingebaut wurde. Schließlich steht Huawei im Verdacht der Industriespionage. Nicht offen ausgesprochen wird die Befürchtung, dass das dynamische Unternehmen aus China seine westlichen Konkurrenten technologisch und wirtschaftlich immer weiter anhängen kann.

Gibt es handfeste Beweise für diese Beschuldigungen?

Bislang haben Telekommunikationsunternehmen und Sicherheitsfirmen keine illegalen Hintertüren in den Huawei-Geräten entdeckt, obwohl insbesondere die Mobilfunkprovider die eingekaufte Ausrüstung vor dem Einsatz auf Herz und Nieren prüfen. Huawei bietet aber - wie alle anderen Hersteller auch - eine offiziell dokumentierte Schnittstelle für rechtmäßige Abhörmaßnahmen, die in Deutschland nur von einem Gericht angeordnet werden können. Solche Schnittstellen bei Geräten von Cisco und anderen westlichen Herstellern wurden auch vom US-Geheimdienst bei den Abhörmaßnahmen verwendet, die durch die Enthüllungen des Whistleblowers Edward Snowden vor rund fünf Jahren bekannt geworden waren.

Die USA warnen schon seit Monaten von einer Beteiligung des chinesischen Ausrüsters. Warum?

In den USA haben Sicherheitsbehörden Bedenken vor dem Einsatz von Infrastruktur-Technik aus China, weil befürchtet wird, dass die chinesischen Unternehmen sich in Zweifelsfall Anordnungen von Regierungsstellen in Peking unterwerfen müssen. Huawei bestreitet das. Der US-Botschafter in Berlin, Richard Grenell, sieht sogar einen Konsens in der amerikanischen und die deutschen Wirtschaft, «dass die Sicherheit von Telekommunikationsnetzen und Lieferketten gefährdet ist, wenn Lieferanten der Kontrolle oder dem Einfluss ausländischer Regierungen unterliegen». Darin liege «das Risiko eines unbefugten Zugangs und bösartiger Cyberaktivitäten».

Außerdem wurde Huawei in den USA vor vier Jahren bei einem eher kleineren Fall von Industriespionage bei T-Mobile USA erwischt. Die Vorbehalte in den USA müssen aber auch im Kontext des Handelskriegs zwischen den USA und China gesehen werden. Huawei gilt als innovativer und flexibler als US-Anbieter wie Cisco und Intel.

Und welche Rolle spielt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI)?

Das BSI hat sich im Streit um Huawei nicht eindeutig positioniert. Im vergangenen Dezember beteiligte sich das Bundesamt noch an der Eröffnungsfeier eines Huawei-Sicherheitslabors in Bonn. BSI-Präsident Arne Schönbohm sagte damals: «Wir begrüßen die Eröffnung dieses Labors, das einen weiteren und tieferen technischen Austausch zwischen Huawei und dem BSI ermöglicht, um die zukünftigen Herausforderungen der Cybersicherheit anzugehen.» Als nationale Cybersicherheitsbehörde stehe das BSI aber «regelmäßig in einem technischen Austausch mit einer Vielzahl internationaler Hersteller von Informations- und Kommunikationstechnik, deren Produkten eine hohe Relevanz in deutschen IT-Infrastrukturen von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft zukommt». Zu den Vorbehalten aus den Reihen der Geheimdienste will sich das BSI nicht äußern.

Wie positionieren sich die deutschen Kommunikationsprovider?

Die Provider wollen sich eigentlich nicht von Huawei lossagen, weil die Geräte der Chinesen technisch fortschrittlich und vergleichsweise preiswert sind. Um Bedenken aus dem Weg zu räumen, haben Telekom, Vodafone und Telefónica vorgeschlagen, die Geräte einer strengen Zertifizierung zu unterwerfen und darauf zu bestehen, dass die eingesetzte Software offen eingesehen werden kann, um mögliche Schwachstellen zu identifizieren und Sicherheitslücken zur Not auch ohne Mitarbeit des Lieferanten schließen zu können. Man verlasse sich ohnehin nicht nur auf einen Hersteller sondern setzte auch auf Geräte von Huawei-Konkurrenten. In einem Worst-Case-Szenario bereiten sich die Provider aber auch darauf vor, ohne Huawei-Technik auszukommen. Das dürfte allerdings den 5G-Ausbau verzögern und teurer zu machen, erst recht, wenn auch die bereits vorhandenen 4G-Komponenten von Huawei ausgetauscht werden müssen.

Kann man in der Zukunft überhaupt auf einen Netzwerkausrüster wie Huawei verzichten. Welche Alternativen gibt es?

Ja, die gibt es - und sogar aus Europa. Denn mit Nokia und Ericsson stünden skandinavische Alternativen bereit. Aus den USA ist Cisco auf dem Markt aktiv. Außerdem drängen der kalifornische Chiphersteller Intel, der südkoreanische Technologie-Konzern Samsung sowie taiwanesische Unternehmen wie MediaTek auf den Markt. Die Geräte von Huawei gelten aber als preiswert und innovativ. Außerdem eilt Huawei der Ruf voraus, besser auf individuelle Kundenwünsche einzugehen als seine Wettbewerber.

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