Bayerns Topstarter eröffnen «Mission 30»

Neuer stichelt gegen BVB

Foto: epa/Philipp Guelland
Foto: epa/Philipp Guelland

MÜNCHEN (dpa) - Der Meister macht wieder den Anfang. Die 57. Bundesligasaison beginnt in München - wie üblich mit einem Bayern-Heimsieg? Eine mutige Hertha mit Bayern-Schreck Lukebakio könnte gleich aufzeigen, wie verwundbar die «gierigen Jungs» von Niko Kovac auf dem Weg zum 30. Titel sind.

Hallo Dortmund. Hier Manuel Neuer. Bitte genau hinhören. Mit einer Botschaft an die Borussia eröffnete Bayern Münchens Kapitän Manuel Neuer das programmierte neue Titelduell der nationalen Topclubs in der Fußball-Bundesliga. Vor dem Eröffnungsspiel der 57. Erstliga-Spielzeit gegen Hertha BSC sagte der Torhüter zu den Ambitionen des nach namhaften Transfers wie Mats Hummels oder Julian Brandt «in der Breite auf jeden Fall besser aufgestellten» BVB, die Regentschaft der Bayern nach sieben Titeln am Stück zu beenden: «Wie man nach außen hört, sind sie hungrig auf die deutsche Meisterschaft - aber wir sind ja auch noch da. Wir haben gierige und hungrige Jungs!»

90 Tage nach dem jüngsten Empfang der Meisterschale macht der Champion vor einem weltweiten TV-Publikum am Freitag (20.30 Uhr/ZDF und DAZN) den Anfang und startet mitten in der finalen Shopping-Phase nach 29 Meisterschaften noch ohne Neuzugang Ivan Perisic die «Mission 30». Ein Selbstläufer wird diese nicht, wie Double-Gewinner Niko Kovac vor seinem zweiten Jahr als Bayern-Coach eindringlich warnte: «Was war, ist vorüber. Wir müssen uns wieder neu beweisen.»

Und das als erstes gegen die Berliner, die mit ihrem neuen, für 20 Millionen Euro verpflichteten Vorjahres-Bayern-Schreck Dodi Lukebakio entschlossen in die Allianz Arena kommen. «Wir wollen performen und uns gut präsentieren», sagte der neue Chefcoach Ante Covic, der seit gemeinsamen Berliner Zeiten mit Kovac befreundet ist.

Covic hat eine personell aufgemotzte Hertha in der Vorbereitung eine neue Ausrichtung verpasst: offensiver, mutiger, mit viel Ballbesitz. Den neuen Hertha-Stil will der 42-jährige Covic auch gegen die aus seiner Sicht «beste Mannschaft Deutschlands» umgesetzt sehen.

Wie verwundbar sind die Bayern - national? Auf diese Preisfrage könnte es in den ersten 90 Ligaminuten gleich eine Antwort geben. «Der erste Spieltag ist immer ein komischer, weil man nicht weiß, wo man steht», meinte Neuer. Beim 0:2 im Supercup gegen Dortmund und dem 3:1 im DFB-Pokal beim Viertligisten Energie Cottbus liefen die Münchner Stars noch nicht heiß. «Es ist normal, dass am Anfang noch nicht alles funktioniert», bemerkte Torjäger Robert Lewandowski.

Das große Münchner Sommerthema war und ist der Transferstau. Kein Leroy Sané, dafür als kleinere Außenbahn-Lösung Vize-Weltmeister Perisic - mehr ist bis zum Ligastart nach der frühzeitigen Abwehrverstärkung mit Rekordeinkauf Lucas Hernández (80 Millionen Eur) und Benjamin Pavard (35 Mio) nicht passiert. Gehandelt werden etliche Kandidaten, von Barcelonas Philippe Coutinho bis zum Ex-Bayern Mario Mandzukic von Juventus Turin.

«Wir haben viele Namen durchleuchtet», verriet Kovac, der betonte: «Fakt ist, dass wir noch etwas brauchen.» Auch nach Perisic, der bei seiner Vorstellung am Mittwoch sagte: «Ich will alles geben, damit wir erfolgreich sind.» Für Kovac ist sein Landsmann ein «Topspieler».

Weitere benötigen die Bayern für die Champions League, in der es nicht wieder ein Achtelfinal-Aus geben soll. «Wir wollen ein anderes Gesicht zeigen und alles möglich machen, was geht», kündigte Neuer im Interview des vereinseigenen TV-Senders an. International sind die Bayern - anders als in der Bundesliga - in der Herausfordererrolle.

Auch wenn der Kader noch nicht komplett ist, wird es schon zum Start personelle Härtefälle geben. Nur Javi Martínez (Knie) fehlt verletzt, Perisic brummt zum Auftakt eine Gelb-Sperre noch aus der Zeit in Italien bei Inter Mailand ab. Kovac muss einige knifflige Aufstellungsfragen beantworten: Boateng oder Pavard hinten? Volle Offensive mit Lewandowski, Coman, Gnabry und Müller? «Es geht mit voller Kapelle los», sagte der Trainer zur Personalsituation.

Die Hertha ist der erste Gradmesser. Die Berliner sahen in jüngster Vergangenheit gegen die Bayern meist gut aus. Von den jüngsten fünf Partien wurde nur eine verloren. «Daraus können die Spieler Kraft saugen», meinte Manager Michael Preetz.

Covic könnte vorne mutig auf ein Startelfdebüt des pfeilschnellen Lukebakio setzen, der vor einem Jahr noch im Trikot von Fortuna Düsseldorf beim 3:3 in München alle drei Tore gegen Neuer erzielte. Auf den «Konterspieler» werde man vorbereitet sein, versicherte der Nationaltorwart. Seit 2002 eröffnet der Meister die Liga - und verloren hat er noch nie. Seit 2013 jubelten die Bayern sechsmal nacheinander. Verhindert die Hertha den siebten Streich?

Überzeugen Sie sich von unserem Online-Abo:
Die Druckausgabe als vollfarbiges PDF-Magazin weltweit herunterladen, alle Artikel vollständig lesen, im Archiv stöbern und tagesaktuelle Nachrichten per E-Mail erhalten.
Pflichtfelder

Es sind keine Kommentare zum Artikel vorhanden, bitte schreiben Sie doch den ersten Kommentar.