«Oppenheimer» räumt ab - Hüller geht leer aus

​Bafta-Filmpreise 

Christoph Nolan, Emma Thomas und Charles Roven nach der Verleihung der Preise für die beste Regie und den besten Film für Oppenheimer. Foto: epa/Andy Rain
Christoph Nolan, Emma Thomas und Charles Roven nach der Verleihung der Preise für die beste Regie und den besten Film für Oppenheimer. Foto: epa/Andy Rain

LONDON: Sieben Auszeichnungen, darunter für den besten Film: «Oppenheimer dominiert» die wichtigsten britischen Filmpreise. Für das Team eines anderen Kassenschlagers verlief der Abend hingegen enttäuschend.

Mit einer Prise britischen Humors moderierte David Tennant («Doctor Who») die diesjährigen British Academy Film Awards ab: «Come on, Barbie, let's go party.» Diese Schlussworte hatte sich der Bafta-Gastgeber offenbar vor der Preisverleihung notiert - denn einen Grund zum Feiern gab es für die «Barbie»-Filmemacher nicht. Obwohl die Stars des Publikumsfavoriten und umsatzstärksten Films des vergangenen Jahres als Großaufgebot erschienen waren und «Barbie» mit fünf Nominierungen ins Rennen ging, konnten Margot Robbie, Ryan Gosling und Regisseurin Greta Gerwig keinen einzigen Bafta mit nach Hause nehmen.

Die wichtigsten britischen Filmpreise wurden am Sonntag in London verliehen - und zum großen Sieger des Abends avancierte «Oppenheimer», der im Juli 2023 am selben Wochenende in den Kinos angelaufen war wie «Barbie». Der 13 Mal nominierte biografische Historienfilm über den «Vater der Atombombe», den Physiker J. Robert Oppenheimer, bekam sieben Bafta-Auszeichnungen. Unter anderem erhielt er den wichtigsten Preis für den besten Film. Unter Ovationen überreichte der an Parkinson erkrankte Schauspieler Michael J. Fox («Zurück in die Zukunft») den Award in Form einer goldenen Maske an Produzentin Emma Thomas und ihren Mann, Regisseur Christopher Nolan.

Wie für «Barbie» gab es auch für Sandra Hüller keinen denkwürdigen Erfolgsmoment bei den Baftas. Die 45-Jährige war als erste deutsche Schauspielerin nominiert worden, ging am Ende aber leer aus. Sie hatte als beste Hauptdarstellerin («Anatomie eines Falls») und auch als beste Nebendarstellerin («The Zone Of Interest») auf der Liste der Nominierten gestanden.

Mehr in Partylaune dürfte das Team von «Poor Things» gewesen sein. Der fantastische Film im Frankenstein-Stil, von der BBC als wahlweise «feministisches Meisterwerk oder eine frauenfeindliche Männerfantasie» eingestuft, wurde mit fünf Auszeichnungen dekoriert - für Emma Stone als beste Hauptdarstellerin sowie in den Kategorien Kostüm, Maske, Szenenbild und visuelle Effekte.

Der irische Schauspieler Cillian Murphy wurde als bester Hauptdarsteller für seine «Oppenheimer»-Rolle geehrt. Schmunzelnd bedankte er sich bei seinen «Oppen-Homies» und Regisseur Nolan für die «kolossal verzwickte und komplexe Figur» des Robert Oppenheimer. Der aus Cork im Südwesten der grünen Insel stammende Filmstar («Dunkirk», «Peaky Blinders») ist der erste in Irland geborene Schauspieler, der einen Bafta als bester Darsteller bekam.

Als beste Nebendarstellerin wurde Da'Vine Joy Randolph («The Holdovers») ausgezeichnet. Robert Downey Jr. bekam den Bafta als bester Nebendarsteller für seine Rolle als Politiker Lewis Strauss in «Oppenheimer», und auch der Preis für die beste Regie ging an «Oppenheimer»: Für Regisseur Christopher Nolan («The Dark Knight», «Inception», «Dunkirk») war es der erste Bafta seines Lebens. Der Film gewann darüber hinaus in den Kategorien für den besten Schnitt, die beste Kamera und die beste Musik.

Und noch eine Premiere gab es: Zum ersten Mal in der Geschichte der Baftas gewann mit «The Zone of Interest» ein britischer Film den Preis als bester nicht-englischsprachiger Film. In dem Historiendrama, das sich um die Familie des Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höß dreht, wird Deutsch und Polnisch gesprochen. Sandra Hüller und Landsmann Christian Friedel spielen das Ehepaar Höß. Produzent James Wilson sagte, das Team sei «überwältigt», dass der Film insgesamt drei Preise bekommen habe. «The Zone of Interest» gewann auch den Preis für den besten britischen Film und den besten Ton.

Als beste Dokumentation wurde der ukrainische Film «20 Tage in Mariupol» von Mstyslaw Tschernow ausgezeichnet. Die Doku zeigt ein Team ukrainischer Journalisten der Nachrichtenagentur AP, das die Gräueltaten der russischen Invasion zu dokumentieren versucht und einfängt, was später zu den prägendsten Bildern des Krieges werden wird: sterbende Kinder, Massengräber und die Bombardierung einer Entbindungsklinik.

Für die melancholische Fantasyromanze «All of Us Strangers» mit den Iren Andrew Scott und Paul Mescal in den Hauptrollen zweier schwuler Männer gab es trotz der sechs Nominierungen keinen einzigen Preis. Auch der Thriller «Saltburn» - der wie «Barbie» auf fünf Nominierungen kam - ging leer aus. Dafür erlebt Sophie Ellis-Bextors Hit «Murder On The Dancefloor» von 2001 seit Wochen dank seines Einsatzes in der viel diskutierten Nackt-Szene von «Saltburn» ein Revival - die Britin performte den Song während der Preisverleihung live. Hauptdarsteller Barry Keoghan applaudierte begeistert.

Das britische Königshaus war in Person von Prinz William vertreten. Als Präsident der Bafta-Kunststiftung saß er am Sonntag in der ersten Reihe des 2400 Plätze fassenden Saals der Royal Festival Hall, wo er zum ersten Mal seit der Bauchoperation seiner Frau Kate in der Öffentlichkeit auftrat. Die Prinzessin konnte nicht selbst dabei sein, weil sie sich noch von der Operation erholt. William sagte der Presseagentur PA bei den Feierlichkeiten, er habe «nach den Baftas immer eine Liste von Filmen», die er sich ansehen wolle. Er lobte die Klasse und Vielfalt des Wettbewerbs in jeder Kategorie.

Für die Schauspieler und Filmemacher gibt es nur kurz Zeit zum Durchatmen, denn in weniger als drei Wochen steht die Verleihung der Academy Awards («Oscars») in Los Angeles an. Bereits sicher ist indes, dass weder der Oscar für die beste Regie noch der für die beste Hauptdarstellerin an «Barbie» gehen kann - weder Greta Gerwig noch Margot Robbie sind nominiert.

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