EU-Diplomat: Atomgespräche mit Iran «sehr schwieriges Unterfangen»

Der iranische Chefunterhändler für das Nuklearabkommen, Ali Bagheri Kani, verlässt eine Sitzung der Gemeinsamen Kommission für die Iran-Gespräche in Wien. Foto: epa/Christian Bruna
Der iranische Chefunterhändler für das Nuklearabkommen, Ali Bagheri Kani, verlässt eine Sitzung der Gemeinsamen Kommission für die Iran-Gespräche in Wien. Foto: epa/Christian Bruna

WIEN: Zur Wiederherstellung des Atompakts von 2015 mit dem Iran müssten laut dem EU-Diplomaten Enrique Mora noch tiefe Differenzen überbrückt werden. «Es ist ein sehr schwieriges Unterfangen», sagte Mora am Donnerstag in Wien. Dort wurden die Verhandlungen über neuerliche Einschränkungen des iranischen Atomprogramms und die Aufhebung von US-Sanktionen nach fünftägiger Unterbrechung wieder aufgenommen.

Mora koordiniert die Gespräche, bei denen Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Russland und China zwischen dem Iran und den USA vermitteln. Washington stieg 2018 aus dem Atomabkommen aus. Als Reaktion auf neue US-Sanktionen ignorierte Teheran vereinbarte nukleare Beschränkungen, die die Entwicklung von Atomwaffen verhindern sollen.

Die Fortsetzung der Gespräche wurde von gegenseitigen Vorwürfen überschattet. Die Vereinigten Staaten und die europäischen Gesprächspartner hätten bislang keine konstruktiven Vorschläge eingebracht, sagte Teherans Außenminister Hussein Amirabdollahian laut der iranischen Nachrichtenagentur Fars in einem Telefonat mit dem EU-Außenbeauftragten Josep Borrell. «Das widerspricht ihrer Behauptung, dass sie ernsthaft verhandeln», sagte Amirabdollahian.

Westliche Diplomaten hatten zuletzt ähnliche Kritik an Teheran geübt. Die Islamische Republik wolle bereits erzielte Kompromisse zurücknehmen, lauteten die Vorwürfe, nachdem die Gespräche vorige Woche nach mehrmonatigem Stillstand wieder in Gang gekommen waren. Auch von Russland kamen kritische Töne. Moskaus Botschafter in Wien, Michail Uljanow, sprach in einem Tweet von «Spannungen und einer gewisser Enttäuschung».

Der Iran schränkte in den vergangenen Monaten auch Inspektionen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) ein. Amirabdollahian kündigte jedoch neue Gespräche mit der IAEA in Wien an. Mora betonte, dass die Atombehörde eine zentrale Rolle in der Überwachung des Atompaktes spielt. «Eine gute Zusammenarbeit zwischen Iran und IAEA ist sehr wichtig», sagte er in einer Verhandlungspause.

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Daniel Unsel 10.12.21 12:40
Da fehlt einfach der Wille zum Kompromiss
So wuenschenswert ein Iran ohne Atomwaffen ist, so wuenschenswert waere es endlich einmal konstruktive Vorschlaege (runterfahren der Sanktionen) vom Westen zu hoeren. Aber das wird nicht passieren solange Israel schon am roten Knopf spielt.
Ingo Kerp 09.12.21 15:40
Ist das Fatalismus, sich erneut zu Gesprächen zusammenzusetzen oder blinder Optimismus? Über was soll man reden, wenn die Fronten abgesteckt wurden und sich keiner bewegt? Die Gespräche sollten, statt mit dem Iran, mit den Amerikanern laufen, um diese zu einer Bewegung zu bekommen, Stichwort Sanktionen. Ansonsten dreht man sich weiter im Kreis.