Architekturbiennale hat begonnen

Deutschland zeigt Mauer-Erfahrung

Foto: Antonio Calanni/Ap/dpa
Foto: Antonio Calanni/Ap/dpa

VENEDIG (dpa) - Deutschland zeigt der Welt in Venedig, was die Mauer vor und nach ihrem Fall mit dem Land machte. Auf der Architekturbiennale ist nicht jeder Beitrag so politisch.

In Venedig hat die Architekturbiennale begonnen. Seit Samstag können Besucher die internationale Schau in der italienischen Lagunenstadt besichtigen, die unter dem Motto «Freespace» steht. Der deutsche Beitrag greift mit Mauern ein gesamtgesellschaftliches und auch aktuell brisantes Thema auf. Mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet wurde ein junges Architekten-Team, das den Schweizer Pavillon gestaltete.

Die Ausstellung «Unbuilding Walls» im deutschen Pavillon setzt sich mit der Geschichte der deutschen Teilung und dem Prozess ihrer Überwindung 28 Jahre nach dem Mauerfall auseinander. Die Kuratoren - die frühere Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler, und das Berliner Büro Graft mit den Architekten Lars Krückeberg, Wolfram Putz und Thomas Willemeit - lassen aber auch in Video-Installationen Menschen zu Wort kommen, die in vielen Regionen der Welt noch immer mit Mauern leben.

«Es macht einem wieder bewusst, was man mitunter im Alltag in Berlin gar nicht so wahrnimmt», sagte Bundesratspräsident und Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller bei der Einweihung des Pavillons am Freitag. «Ganz besonders macht es einem auch bewusst, dass diese Freiheit, die erkämpft werden konnte, ein großes Geschenk ist, und dass es sich lohnt, jeden Tag auch dafür zu kämpfen.» Die Ausstellung zeigt unter anderem die städtebauliche Entwicklung auf dem früheren Todesstreifen.

Die 16. Architekturbiennale dauert bis zum 25. November. Mit dabei ist auch erstmals der Vatikan, der außerhalb der eigentlichen Biennale-Gelände Giardini und Arsenale auf der Insel San Giorgio Maggiore ausstellt. Dort haben zehn Kapellen von zehn unterschiedlichen Architekten aus aller Welt im Schatten der Bäume Platz gefunden.

Die am Samstag mit dem Goldenen Löwen ausgezeichneten Architekten Alessandro Bosshard, Li Tavor, Matthew van der Ploeg und Ani Vihervaara laden im Schweizer Pavillon zur Wohnungsbesichtigung ein. Der Besucher geht durch eine leere Wohnung, die in ihren Dimensionen allerdings verzerrt ist: Küchenzeilen reichen dem Besucher fast bis zur Schulter, in einem anderen Raum muss man sich durch Miniatur-Türen bücken.

Der britische Pavillon sorgte für Gesprächsstoff: Die Kuratoren ließen ihn leer, bauten aber dafür eine Dachterrasse über das Gebäude. Caruso St John und Marcus Taylor zufolge gibt es verschiedene Möglichkeiten, das Projekt «Island» (deutsch: Insel) zu interpretieren: Es stehe für Abbruch, Wiederaufbau, Isolation - und somit auch für den Brexit.

Die Hauptausstellung der Biennale wird kuratiert von den irischen Architektinnen Yvonne Farrell und Shelley McNamara. Dem britischen Architekten und Architekturhistoriker Kenneth Frampton wurde am Samstag der Goldene Löwe für sein Lebenswerk überreicht.

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