Anschlag mit Messer auf Polizeiwache

Angreifer getötet

Foto: epa/Enric Fontcuberta
Foto: epa/Enric Fontcuberta

BARCELONA (dpa) - Katalonien gedachte gerade erst der Opfer des Terroranschlages vom 17. August 2017. Drei Tage später versucht ein Angreifer, eine Polizweiwache zu attackieren. Gibt es einen Zusammenhang?

Ein bewaffneter Mann ist bei einem Angriff auf eine Polizeiwache in Spanien von Beamten erschossen worden. Der Zwischenfall am frühen Montagmorgen in Cornellà de Llobregat unweit der katalanischen Hauptstadt Barcelona werde nach den vorliegenden Erkenntnissen vorerst als Terroranschlag betrachtet, sagte ein Sprecher der katalanischen Polizei Mossos d'Esquadra wenige Stunden nach der Tat vor Journalisten. Der Mann habe «Allahu Akbar» (Allah ist groß) gerufen und sei mit einem Messer «von beträchtlichen Ausmaßen» bewaffnet gewesen. Der 29-Jährige habe die «klare Absicht» gehabt, Polizisten zu töten.

Der Polizeisprecher bestätigte auf der Pressekonferenz, dass der aus Algerien stammende Angreifer nicht vorbestraft gewesen und auch sonst nach den bisherigen Erkenntnissen polizeilich nie aufgefallen sei. Medien berichteten unter Berufung auf die Polizei, der Mann habe einen spanischen Personalausweis gehabt und schon seit seiner Kindheit in Cornellà gewohnt.

Der Zwischenfall ereignete sich den amtlichen Angaben zufolge morgens gegen 5.45 Uhr, als der Angreifer an der Wache klingelte und sagte, er habe eine Frage. Als ein Beamter die Tür der Wache geöffnet habe, sei der Mann mit dem Messer in der Hand hineingestürmt und habe neben «Allahu Akbar» weitere Parolen gerufen, die nicht zu verstehen gewesen seien. Der an der Rezeption der Wache diensthabende Beamte habe daraufhin auf den Mann geschossen. Dieser sei «auf der Stelle tot» gewesen.

Das Innenministerium in Madrid teilte unterdessen mit, der im Juni 2015 nach Anschlägen unter anderem in Tunesien und Kuwait auf die zweithöchste Stufe vier angehobene Terroralarm werde beibehalten. Das «Protokoll für zusätzliche Selbstschutzmaßnahmen» der Sicherheitsbehörden werde aber aktiviert, hieß es. Unter anderem werden die Sicherheitsvorkehrungen an allen Wachen verschärft.

Eine Untersuchung sei bereits aufgenommen worden, «um die genauen Umstände und die Motive» des Angriffs zu ermitteln. Die Ermittlungen würden vom Nationalen Staatsgerichtshof in Madrid koordiniert und von den Mossos d'Esquadra unter Teilnahme der spanischen Nationalpolizei und der paramilitärischen Polizeieinheit Guardia Civil geleitet, sagte auf der Pressekonferenz der zuständige Kommissar Rafel Comes.

Nach Medienberichten wurde die Wohnung des Erschossenen, der offenbar keine Komplizen hatte, unmittelbar nach dem Angriff durchsucht. Dabei hätten Beamte unter anderem die Lebensgefährtin des Mannes befragt, schrieb unter anderem die Zeitung «La Vanguardia» in ihrer Onlineausgabe. Der mutmaßliche Terrorist habe nur rund 300 Meter von der von ihm attackierten Wache gewohnt.

Erst am Freitag war in Barcelona an die Opfer der Terroranschläge vom 17. August 2017 erinnert worden. Sechzehn Menschen verloren bei den Attentaten in der katalanischen Hauptstadt und im Küstenort Cambrils ihr Leben, unter ihnen auch eine deutsche Urlauberin. Mehr als 130 Menschen wurden damals verletzt. Comes bestritt Berichte einiger Medien, wonach der Angreifer von Cornellà Kontakte zu den Attentätern von 2017 gehabt habe.

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