Anne Frank Fonds ist von Forschungsprojekt «enttäuscht»

Der Bürgermeister von Amsterdam, Job Cohen, enthüllte eine Statue der berühmten Anne Frank. Foto: epa/Koen Suyk
Der Bürgermeister von Amsterdam, Job Cohen, enthüllte eine Statue der berühmten Anne Frank. Foto: epa/Koen Suyk

BASEL: Die Rechteinhaber von Anne Franks Tagebuch haben das Forschungsprojekt zum Verrat ihres Verstecks in Frage gestellt. «Wir hofften auf eine seriöse und faktenbasierte Recherche», sagte John D. Goldsmith, der Präsident des Anne Frank Fonds, der Schweizer Zeitung «Sonntagsblick». «Doch die Art und Weise, wie da «geforscht» worden war, hat uns enttäuscht.»

Ein internationales Team hatte fünf Jahre untersucht, wer 1944 das Versteck von acht jüdischen Menschen in Amsterdam an die Nazis verraten hatte. Die aus Frankfurt stammende Anne Frank (1929-1945) schrieb in dem Hinterhaus ihr heute weltberühmtes Tagebuch. Zwei Jahre lang lebten die Familien dort, bevor sie entdeckt und deportiert wurden. Nur Annes Vater Otto überlebte. Laut den Ergebnissen, die am vergangenen Montag präsentiert wurden, soll sehr wahrscheinlich der jüdische Notar Arnold van den Bergh das Versteck verraten haben. Er habe seiner Familie das Leben retten wollen.

Das Forschungsprojekt sei nicht ergebnisoffen und nicht rein wissenschaftlich ausgerichtet gewesen, kritisierte Goldsmith. Für die aufgestellten Behauptungen würden die Belege fehlen. «Jetzt lautet die Kernaussage: Ein Jude verrät Juden. Das bleibt im Gedächtnis und das beunruhigt», sagte er. Zuvor hatten bereits mehrere Historiker Zweifel an den Methoden und Ergebnissen des Projekts angemeldet.

Der von Otto Frank gegründete Anne Frank Fonds verwaltet unter anderem die Rechte und Lizenzen an dem Tagebuch. Die Einnahmen werden für Bildungsprojekte und wohltätige Zwecke verwendet.

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