An Fasern forschen

Spielwiesen aus Textilien können sehr robust sein. Foto: Philipp Brandstädter/dpa
Spielwiesen aus Textilien können sehr robust sein. Foto: Philipp Brandstädter/dpa

CHEMNITZ: In der Textilforschung arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an Materialien, die aus Textilien bestehen. Die Dinge, die dabei entstehen, gehen weit über Kleidungsstücke hinaus. Und weich wie Textilien sind sie auch nicht unbedingt.

– Das Bauteil ist schwarz, glatt und sehr stabil. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als sei das Ding aus Metall. Schließlich gehört es ja auch zur Karosserie eines Autos. Aber für Metall ist es viel zu leicht – federleicht! Wie kann das sein?

Das Bauteil besteht zum Großteil aus Textilien. Es stecken also Fasern darin, die wir eigentlich von unserer Kleidung kennen. Wir schätzen diese Fasern, weil sie weich sind und warm halten. Aber Fasern sind auch leicht und reißfest. Diese Eigenschaften sind für die Textilforschung spannend. In diesem Bereich tüfteln Fachleute an Materialien, die zum Beispiel viel aushalten müssen.

«Erst wird aus Fasern ein langes Garn gemacht und dieses dann zu Stoffen gewebt», erklärt Heike Illing-Günther. Sie ist Chefin von einem Institut für Textilforschung in Chemnitz, einer Stadt im Bundesland Sachsen. «Die Weberei kennen die Menschen schon seit Tausenden von Jahren. Neu ist, mit den gewebten Stoffen noch stabilere Kleidung oder ganz andere Dinge herzustellen», sagt die Fachfrau.

Firmen beauftragen Heike Illing-Günther und ihr Team, besondere Stoffe zu entwickeln. Diese sollen mal Wasser oder Fett abweisen, mal fester oder biegsamer, oder biologisch abbaubar sein, damit sie nicht der Umwelt schaden. Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen versuchen, die Wünsche zu ermöglichen. «Wir verbinden unterschiedliche Fasern miteinander, beschichten sie mit anderen Stoffen, härten sie mit Harz», erklärt Frau Illing-Günther.

Dabei haben die Leute aus der Textilforschung Stoffe entwickelt, bei denen man überhaupt nicht mehr an das Wort Textilien denken würde. Denn aus diesen Materialien werden Fahrradsättel, Flugzeugflügel oder Bauteile für Autos gemacht.

Mit Kleidung hat die Textilforschung trotzdem noch viel zu tun. «Wir arbeiten häufig daran, Schutzkleidung zu verbessern. Die Textilien sollen dann zum Beispiel beständiger gegen Hitze und Flammen sein», sagt Frau Illing-Günther. Diese Kleidung tragen etwa Feuerwehrleute oder Schweißer bei der Arbeit.

Doch nicht nur die Textilien sind mit der Zeit immer besser geworden. Auch ihre Herstellung hat sich beschleunigt. Denn immer häufiger werden die Maschinen zum Weben von Computern gesteuert oder von Robotern mit Garn beliefert. Das erleichtert die Arbeit an den Maschinen. «Die Arbeit mit Textilien ist heute sehr viel technischer geworden», sagt die Expertin.

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