Alpentunnel eröffnet - Deutschland hinkt bei Verkehrsausbau hinterher

Die Schweizer Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga (2-R) spricht während der offiziellen Eröffnungsfeier des Ceneri-Basistunnels in Camorino. Foto: epa/Gaetan Bally
Die Schweizer Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga (2-R) spricht während der offiziellen Eröffnungsfeier des Ceneri-Basistunnels in Camorino. Foto: epa/Gaetan Bally

CAMORINO: Die Schweiz feiert einen neuen Meilenstein für den umweltschonenden Alpentransit: am Freitag hat Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga das drittgrößte Tunnelbauprojekt, den 15,4 Kilometer langen Ceneri-Basistunnel, in Camorino im Kanton Tessin eröffnet. Er sei zusammen mit Gotthard- und Lötschberg-Tunnel «das Herzstück des wichtigsten Bahnkorridors zwischen Nordsee und Mittelmeer», sagte sie. Der Tunnel ist das letzte Puzzlestück einer Eisenbahnstrecke ohne große Steigungen durch die Schweizer Alpen. Der reguläre Betrieb beginnt im Dezember.

Anders als Deutschland hat die Schweiz damit ihren Teil zur europäischen Vision eines umweltfreundlichen Eisenbahntransports auf der Schiene durch Europa damit erfüllt. Der Ausbau in beiden Ländern war 1996 in einem Staatsvertrag festgehalten worden, aber die deutschen Bauarbeiten hinken weit hinter dem Zeitplan her.

Die Vision ist, Fracht über die 1300 Kilometer von den Häfen Rotterdam in den Niederlanden und Antwerpen in Belgien bis Genua in Italien möglichst auf der Schiene zu transportieren. Der Rhein-Alpen Korridor gilt als wichtigste europäische Verkehrsachse. Der Ceneri-Tunnel gehört zusammen mit dem Gotthard- und dem Lötschberg-Basistunnel zur Neuen Eisenbahn-Alpentransversalen NEAT. Weil auf der Strecke größere Steigungen vermieden werden, können durch die Schweizer Alpen nun längere Züge mit größerem Gewicht fahren. Außerdem halbiert sich die Reisezeit zwischen Lugano nach Bellinzona auf 15 Minuten.

Die italienische Anbindung an die NEAT steht weitgehend. In Deutschland zieht sich dagegen der nötige Ausbau der 182 Kilometer langen Rheintalstrecke zwischen Karlsruhe und Basel von zwei auf vier Gleise wegen zahlreicher Einsprachen vermutlich bis 2035. Auch der Ausbau der 73 Kilometer langen Eisenbahnlinie Emmerich-Oberhausen dauert noch Jahre. Schweizer und französische Behörden erörtern inzwischen, ob der nördliche Zubringer zur NEAT nicht auf französischer Seite des Rheins verlaufen kann.

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