Alles neu zur Hochsaison

Der Norden von Pattaya steht am Anfang einer großen Transformation

Pattaya freut sich auf die Hochsaison.
Pattaya freut sich auf die Hochsaison.

PATTAYA: In den nächsten Wochen werden wieder sonnenhungrige Urlauber aus deutschsprachigen Ländern in den Flieger steigen, um der Kälte für einige Wochen zu entkommen. Trotz desaströsen Wechselkurs ist Pattaya immer noch für viele Touristen die Wunschdestination schlechthin. Sie schätzen den ausgeprägten Mix aus Strand, Shopping und Nachtleben, der in dieser Form einmalig ist.

Wirtschaftlich turbulente Zeiten und besonders der nicht nur für Europäer desaströse Wechselkurs in Folge der Baht-Aufwertung haben in den letzten Monaten für einen spürbaren Rückgang an deutschsprachigen Urlaubern in Pattaya gesorgt, die „ihrem Lotterstädtchen“ ansonsten jahrzehntelang die Treue gehalten haben – in guten wie in schlechten Zeiten. Umso größer ist in diesem Jahr die Freude der hier sess­haften deutschen, österreichischen und Schweizer Restaurantbesitzer, Kneipiers und Geschäftsleute, ihre Landsleute wieder pünktlich zum Beginn der touristischen Hochsaison im Seebad begrüßen zu dürfen, wenn auch nicht so zahlreich wie noch vor fünf Jahren. Alle, die trotz der gestiegenen Kosten in den Flieger gestiegen sind und sich auf die angenehmen Temperaturen, leckeren Speisen und die ausgeprägte Gastfreundschaft der Einheimischen freuen, heißt DER FARANG herzlich willkommen und verrät ihnen, was sich in ihrem Lieblingsurlaubsort in den vergangenen zwölf Monaten alles verändert hat.

Besonders Besucher, die „ihrem“ Sündenpfuhl für längere Zeit abstinent geblieben sind, mögen sich erstaunt die Augen reiben. Denn mittlerweile ist von dem verruchten Lottercharme alter Tage nicht mehr so viel übriggeblieben. Besonders im hohen Norden des Stadtgebietes, der deutschsprachigen Enklave zwischen Delfin-Kreisel und Fischmarkt, ist der Wandel unübersehbar. Auch wenn vor einigen Jahren an den Auswandererstammtischen von Naklua die Pläne zum Bau des Terminal 21 Pattaya lediglich müde belächelt oder gar verspottet wurden, ist ein Jahr nach der Eröffnung der gigantischen Shopping Mall wohl auch dem letzten Steintischexperten unmissverständlich klar geworden, dass hier nicht bloß „noch ein“ Einkaufszentrum aus dem Boden gestampft wurde, sondern mit dem Konsumtempel der Startschuss zu einer Transformation im Norden der Stadt fiel, die in den vergangenen 12 Monaten rasant an Fahrt gewonnen hat.

Bastionen der starken Männer schwinden

Das Garden Lodge Hotel und East Sea Resort (Bild) fielen der Abrissbirne zum Opfer, um Platz für Neues zu schaffen.
Das Garden Lodge Hotel und East Sea Resort (Bild) fielen der Abrissbirne zum Opfer, um Platz für Neues zu schaffen.

Damit Neues entsteht, muss Altes weichen. Männlichen Alleinreisenden „der alten Schule“ aus deutschsprachigen Ländern dürfte beim Blick auf das Garden Lodge Hotel, beziehungsweise auf das, was davon übriggeblieben ist, eine dicke Träne über die Wange kullern. Denn das besonders bei deutschsprachigen Singletouristen beliebte „Sporthotel“ wurde komplett dem Erdboden gleichgemacht. Ebenfalls das von der selbigen Klientel stark frequentierte East Sea Resort, wodurch ein riesiges „Filetstück“ zur Bebauung freigeworden ist, das – rechnet man beide Grundstücke zusammen – von der Naklua Road bis zum Cape Dara Hotel bzw. fast bis zum Strand reicht.

Natürlich ist die thematisch an einen Flughafen angelehnte Shopping-Welt nicht der Grund allen Wandels, sondern eher als Anfang einer Entwicklung zu verstehen, die auf eine Neuausrichtung der Touris­tenmetropole abzielt: weg vom elendig leidigen Sextouristen-Image und hin zu einer Einkaufs- und Tagungsdestination auf internationalem Niveau. Von den Spillover-Effekten können Urlauber bereits in dieser Hochsaison profitieren. So wurden in einem Umkreis von 500 Metern vom Terminal 21 nicht nur Hotels wie das Amari, The Siamese und Brighton Grand aus- oder neugebaut, sondern auch Supermärkte, wie der zuvor recht angestaubt wirkende Best Supermarket, renoviert und Entertainmentspots, wie die in die Jahre gekommene Tiffany's Show, mit millionenschweren Budgets aufgewertet.

City Hall sorgt für Infrastrukturschub

Noch erfreulicher ist – und zwar für jeden – dass auch die City Hall alle Hebel in Bewegung setzt, den modernen Superlativen der Privatwirtschaft gerecht zu werden, indem sie kräftig in die marode Infrastruktur investiert. Als Beispiel ist der erst vor zwei Monaten komplett renovierte Fußweg zwischen Beach Road und Kreisverkehr zu nennen. Die Arbeiten wurden zwischenzeitlich sogar bis zur Soi 20 in Naklua fortgeführt. Ähnlich zur Strandpromenade ist auch der neue Gehweg passend zum maritimen Charakter des Seebads mit ansehnlichen blauen und grauen Gehwegplatten bestückt. Selbst Blindenleitsysteme in Form von Knubbeln, die blinden und sehbehinderten Menschen als Orientierungshilfe dienen, wurden beim Bau berücksichtigt. Ebenfalls abgeflachte Bordsteine für Rollstuhlfahrer, zumeist auf der Höhe von Fußgängerampeln, an denen (neu!) Auto- und Motorradfahrer bei Rot seit wenigen Monaten auch immer öfter vorschriftsmäßig anhalten. Ein Wehrmutstropfen bleibt: Zwar kommen Rollifahrer jetzt mühelos den Bürgersteig rauf, dort aber oftmals nicht weiter, da Strommas­ten den ansonsten vorbildlich gepflasterten Weg versperren. Mit Humor betrachtet lässt sich das Fazit ziehen, dass die neuen Aufwertungen der Infrastruktur westlich modern konzipiert und mit einer Prise Dritte-Welt-Touch umgesetzt wurden, wodurch gewissermaßen doch noch etwas von dem unverwechselbaren Pattaya-Charme übrig geblieben ist, dem Verfechter der guten alten Zeit hinterhertrauern!

Neuer Vorzeigestrand als Touristenmagnet

Die vermutlich wichtigste Verbesserung der Infrastruktur vollzieht sich derzeit an der Beach Road: Auch wenn der Zeitpunkt für den Bau des neuen und vergleichsweise großzügig bemessenen Drainagesystems im Hinblick auf die touristische Hochsaison unpassend gewählt zu sein scheint, sollte man nicht vergessen, dass Arbeiten in dieser Größenordnung während der Regenzeit nur schleppend umgesetzt werden können. Und sollte der neue Hochwasserschutz tatsächlich den erhofften Erfolg bringen, dann werden von dem Ergebnis sowohl Anwohner als auch Touristen gleichermaßen profitieren.

Die Verlegung des neuen Drainagesystems sorgt für Verkehrschaos und lange Staus auf Pattayas Beach Road.
Die Verlegung des neuen Drainagesystems sorgt für Verkehrschaos und lange Staus auf Pattayas Beach Road.

Apropos Beach Road: Urlauber, die den 2,8 Kilometer langen Strand in der sichelförmigen Bucht von Pattaya von ihrem letzten Aufenthalt noch als „Ratten-Strand“ in Erinnerung haben, werden überrascht sein. Sieht man über die hitzige Diskussion betreffend Kosten und Sinn der Sandaufschüttung hinweg, dann kann man der City Hall durchaus gratulieren. Auch wenn hier Millionen buchstäblich in den Sand gesetzt wurden, der bei jedem Starkregen auf ein Neues ins Meer gespült wird, ist es den Stadtverantwortlichen ohne Frage gelungen, einen neuen Vorzeige-Strand zu schaffen. Wenngleich hier wohl kaum Südseeträume aufkommen, ist der auf 30 Meter Breite aufgeschüttete Sandstrand attraktiver als je zuvor. Perfekt, um es sich in einem gemieteten Liegestuhl oder mitgebrachten Matten bequem zu machen. Besonders in den frühen Abendstunden, wenn die Sonne tief steht und die Temperaturen erträglich werden, strömen Touristen aus aller Welt an die Beach Road, um den Sonnenuntergang zu genießen. Positiv zu bewerten ist auch, dass die zuständigen Behörden jetzt alles daran setzen, das Millionenprojekt konstant zu pflegen: Eine neu angeschaffte Sandreinigungsmaschine dreht regelmäßig ihre Runden, Mülleimer stehen in Abständen von wenigen Hundert Metern auf der Strandpromenade zur Entsorgung von Unrat bereit und dank einem stadionähnlichen Beleuchtungssystem gehören Sicherheitsbedenken bei einem Strandspaziergang nach Sonnenuntergang endlich der Vergangenheit an.

Doch nicht nur am Strand: Es vergeht fast kein Tag, an dem die fleißigen Arbeiter der städtischen Behörden nicht mit Radladern, Lastwagen und jeder Menge Personal ausrücken, um die Touristenmetropole von wilden Mülldeponien zu befreien, verstopfte Kanalisationen auszubaggern, Bäume zu beschneiden – eine Liste, die sich noch lange würde fortsetzen lassen…

Waschsalons zeigen Urlauberwandel auf

Mit dem Loma Night Bazar hat der Nachtmarkttrend nun auch Naklua erreicht. Leider ist das Angebot zu einseitig.
Mit dem Loma Night Bazar hat der Nachtmarkttrend nun auch Naklua erreicht. Leider ist das Angebot zu einseitig.

Der Nachtmarkt-Trend der Vorjahre ist übrigens nicht Geschichte. So hat vor wenigen Monaten gegenüber vom Aiyara Grand Hotel Pattaya der Loma Night Bazar eröffnet, wo in den von kultigen Food-Trucks umrahmten beiden Biergärten bei Livemusik eiskalte Fassbier-Krüge für sagenhafte 159 Baht angeboten werden. Der Markt an sich hat keine spektakulären Entdeckungen aufzuweisen. Da jede zweite Bude identische Grillspießchen anbietet, sind die Umsätze gering und die Gesichter der Verkäuferinnen und Verkäufer lang.

Urlaubsfeeling pur: Am Wongamat Beach werden bei Sonnenuntergang mit direkt im Sand platzierten Tischen und Stühlen perfekte Baywatch-Spots geschaffen.
Urlaubsfeeling pur: Am Wongamat Beach werden bei Sonnenuntergang mit direkt im Sand platzierten Tischen und Stühlen perfekte Baywatch-Spots geschaffen.

Wer sich für eine Feldstudie über den Wandel der Touris­tenschichten und die daraus resultierenden Auswirkungen auf die städtische Infrastruktur interessiert, kommt wohl kaum an der Soi 16 in Naklua vorbei. So hat das Viertel am Wongamat Beach schon so einige Transformationen erlebt. Das wegen seiner direkten Strandlage hochpreisige Immobilienpflaster ist auch heute noch ein beliebtes Winterquartier deutschsprachiger Langzeiturlauber, die sich hier im Zuge der Asienkrise der Jahre 1997 und 1998 Immobilien als Alterssicherung zum Schnäppchenpreis zugelegt hatten. Dennoch hat sich die Zusammensetzung der Nationalitäten im Laufe der letzten Jahrzehnte mehrmals nachhaltig geändert.

Zuerst waren es Urlauber und Residenten aus Russland, die dem ursprünglich deutschsprachigen Wongamat Beach ihren Stempel verpassten. Nachdem die Touristen aus dem ehemaligen Zarenreich in Folge der Rubelkrise genauso schnell wieder verschwanden wie sie aufgetaucht waren, erfolgte eine chinesische Invasion, bis es vor einem Jahr wieder auffallend ruhig wurde. Das hat zur Folge, dass ein Großteil der Wohnungen in den neuen Luxus-Wohntürmen in der Soi 16 leer steht. Die Ironie steckt auch hier wieder im Detail: So haben in den letzten Jahren auffallend viele junge Asiaten den Wongamat Beach für sich entdeckt. Dank Sharing Economy-Plattformen wie Airbnb übernachten sie für „n Appel und 'n Ei“ zumeist nur für nur wenige Tage in den luxuriösen Condos. Obwohl die Kurzzeitvermietung von Wohnungen unter 30 Tagen in Thailand gesetzlich verboten ist, werden viele leerstehende Einheiten in neuen Objekten von ihren Besitzern zur Kurzzeitmiete angeboten, was von den meisten Condo-Verwaltungen toleriert und von einigen sogar unterstützt. wird.

Self-Service-Waschsalons verdeutlichen den Wandel im Tourismus. In Nakluas Soi 16 gibt es davon sogar gleich zwei.
Self-Service-Waschsalons verdeutlichen den Wandel im Tourismus. In Nakluas Soi 16 gibt es davon sogar gleich zwei.

Der Zustrom unabhängiger, zumeist junger asiatischer Reisenden hat sich in den vergangenen 12 Monaten auch überraschend auf die Infrastruktur des eigentlich hochpreisigen Immobilienstandorts ausgewirkt. So haben sich die anpassungsfähigen einheimischen Geschäftsleute schnell auf die neuen Individualreisenden eingestellt: Der allabendlich vor dem Tesco Lotus Express anzutreffende Nudelsuppenverkäufer hat sich – nach Russisch – innerhalb weniger Monate einen soliden Chinesisch-Grundwortschatz angeeignet, weshalb seine mobile Straßenküche in den Abendstunden immer von einer Traube an neugierig plappernden Chinesen umringt ist. Es profitieren auch die omnipräsenten Minimarktketten: ob 7-Eleven oder FamilyMart, sie alle haben in der Soi 16 in den vergangenen Monaten neue und auffallend große Filialen errichtet, unter anderem schräg gegenüber dem Long Beach Garden Hotel & Spa und gegenüber dem Zire Wongamat. Alle neuen Filialen sind ganz auf die Ansprüche junger Asiaten ausgerichtet und bieten Sitzmöglichkeiten mit USB-Slots zum Aufladen des Smartphones sowie ein umfassendes Warensortiment, das dem eines Supermarktes kaum mehr nachsteht. Eine weitere Neuheit am Wongamat Beach sind Self-Service-Waschsalons wie Wash Xpress (kurz nach der Abbiegung in die Soi 14) und Otteri Wash & Dry (ggü. Zire Wongamat), die mit moderns­ten Waschmaschinen, Trocknern, Geldwechselautomaten sowie Gratis-Wi-Fi ausgestattet sind und rund um die Uhr geöffnet haben. Dass ausgerechnet im teuersten Immobilienpflas­ter der Stadt Waschsalons den Trend der Zeit bestimmen und Indiz für den Wandel der Touristenschichten sind, das hätte noch vor fünf Jahren wohl niemand erahnen können!

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