Saudi-Arabien warnt USA 

Keine Einmischung im Fall Khashoggi

Die Türkei hält ein Abwesenheitsverfahren gegen 20 Saudis wegen des Mordes an Jamal Khashoggi ab. Foto: epa/Sedat Suna
Die Türkei hält ein Abwesenheitsverfahren gegen 20 Saudis wegen des Mordes an Jamal Khashoggi ab. Foto: epa/Sedat Suna

DSCHIDDA: Im Streit um die Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi hat die Regierung Saudi-Arabiens die USA vor Einmischung gewarnt. «Ein Aufzwingen von Werten ist kontraproduktiv», zitierte der von Saudi-Arabien finanzierte Nachrichtenkanal Al-Arabija einen Regierungsvertreter am Samstag. Kronprinz Mohammed bin Salman habe US-Präsident Joe Biden bei deren Treffen am Freitagabend versichert, dass das Königreich «im Khashoggi-Vorfall die nötigen Schritte unternommen hat».

Zugleich hätten die USA Fehler gemacht, darunter im Gefängnis Abu Ghraib im Irak, zitierte der Sender den Regierungsvertreter weiter. Das berüchtigte Gefängnis war im Zusammenhang mit einem US-Folterskandal im Jahr 2004 international bekannt geworden. Die Fotos von den Misshandlungen einiger Insassen gingen um die Welt, sieben US-Soldaten wurden später deswegen angeklagt und verurteilt.

Der saudische Regierungsvertreter, der namentlich nicht genannt wurde, erwähnte auch die Tötung der Journalistin Schirin Abu Akle. Die in der arabischen Welt bekannte Reporterin des TV-Senders Al-Dschasira war im Mai im Westjordanland getötet worden. Das US-Außenministerium kam später zu der Einschätzung, dass sie wahrscheinlich durch Schüsse des israelischen Militär ums Leben kam, aber nicht gezielt beschossen wurde. Al-Dschasira hatte Israel einen gezielten, kaltblütigen Mord vorgeworfen.

Die Ermordung Khashoggis, bei dem US-Geheimdienste den Kronprinzen in direkter Verantwortung sehen, war vor und während Bidens Reise nach Israel und Saudi-Arabien immer wieder Thema. Am Freitagabend erklärte er, er habe den Mord beim Treffen mit dem Kronprinzen «glasklar» angesprochen - dieser habe jedoch jede Verantwortung zurückgewiesen. «Er sagte im Grunde, dass er nicht persönlich dafür verantwortlich sei. Ich deutete an, dass ich glaube, er ist es», sagte Biden.

Der in den USA lebende Journalist Khashoggi war 2018 im saudischen Konsulat in Istanbul von einem Killerkommando auf brutale Weise getötet worden. US-Geheimdienste sehen den Kronprinzen in der direkten Verantwortung. Dieser hat bestritten, die Tötung angeordnet zu haben.

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David Ender 17.07.22 13:04
"Interne Angelegenheiten" Saudi Arabiens, aha ...
Wenn ein saudischer Despot nun einen seiner Untertanen ersticken und zerstueckeln laesst weil der partout seine Majestaet zu kritisieren wagt, dann sei das nun eine "interne Angelegenheit". Sehr spannende These - so mitten im 21. Jahrhundert. Und noch frecher - wenn wir eine derartige Vernichtung von Regimegegnern missbilligen, dann waere das bloss "westlichen Werten" geschuldet. An der Stelle muss man nun schon fragen: Was sind denn dann eigentlich die "oestlichen Werte"? Ist es dort voellig legitim einen kritischen Journalisten zu zerstueckeln und im Fluss zu entsorgen? Und wo enden dann konkret derart "alternative Wertvorstellungen"? Wollen wir die Killing Fields ab nun als "alternative Regierungsweise" akzeptieren? Oder Auschwitz als regulaere Einrichtung staatlichen Vollzugs? Wenn wir auf derartige Frechheiten despotischer Herrscher einsteigen, dann stossen wir das Tor zur Hoelle auf ... Die liberalen Staaten der Ersten Welt sollten 10% ihrer Wehrbudgets in ein "Manhattan-Project 2.0" stecken, zwecks Realisierung sauberer und sicherer Fusionsreaktoren. Dann koennen wir all diesen Oelherrschern vom Iran ueber Saudi Arabien bis Russland endlich den Stecker ziehen. Deren Ende kommt sowieso, doch sollte das eher morgen als uebermorgen passieren.