Aktuelle Meldungen der Luftfahrt am Montag

Das Büro von General Electric (GE) in Baden. Foto: epa/Urs FlÜgeler
Das Büro von General Electric (GE) in Baden. Foto: epa/Urs FlÜgeler

GE und Safran entwickeln Technik für nächste Triebwerksgeneration

PARIS: Die Triebwerkhersteller General Electric (GE) und Safran wollen neue Antriebstechniken für die nächste Generation von Passagierjets entwickeln. Der neue Triebwerktyp solle über 20 Prozent weniger Treibstoff verbrauchen und entsprechend weniger CO2 ausstoßen als die derzeitige Modelle, teilten beide Unternehmen am Montag in Paris mit. Die Partner, die seit langem im Konsortium CFM zusammenarbeiten, setzen nun auf die sogenannte Open-Rotor-Technik. Dabei drehen sich die Triebwerkschaufeln frei und ohne schützendes Gehäuse in der Luft.

Der neue Triebwerktyp soll zudem für alternative Energiequellen wie nachhaltigen Flugzeugtreibstoff (SAF) und Wasserstoff geeignet sein. Auch ein teilelektrischer Betrieb ist vorgesehen. Den Angaben zufolge könnte das neue Triebwerk Mitte der 2030er Jahre fertig sein.

Etwa zu diesem Zeitpunkt will der Flugzeugbauer Airbus ein Passagierflugzeug mit Wasserstoffantrieb auf den Markt bringen. Derzeit wächst der Druck der Regierungen auf Flugzeug- und Triebwerkshersteller, den CO2-Ausstoß in der kommerziellen Luftfahrt durch neue technische Entwicklungen zu senken.

GE und Safran arbeiten bereits seit 1974 im Konsortium CFM zusammen. Sie entwickeln und bauen gemeinsam Antriebe für Mittelstreckenjets, vor allem von Boeing und Airbus. Dieses Bündnis wurde nun bis zum Jahr 2050 verlängert.


In Belarus inhaftierter Blogger: «Ich fühle mich ausgezeichnet»

MINSK: Gut drei Wochen nach seiner Festnahme ist der in Belarus inhaftierte Regierungskritiker Roman Protassewitsch überraschend bei einer Pressekonferenz aufgetreten. «Ich fühle mich ausgezeichnet», sagte der 26-Jährige am Montag in Minsk. «Niemand hat mich geschlagen oder auch nur mit dem Finger berührt.» Der Blogger wirkte gelöst. Er lachte mehrfach. Zugleich wandte sich der Aktivist an seine Eltern, die in der «Bild»-Zeitung Bundeskanzlerin Angela Merkel um Unterstützung bei einer Freilassung gebeten hatten: «Mam, Pap, sorgt Euch nicht, mit mir ist alles völlig in Ordnung.»

Protassewitsch äußerte sich bei einem vom Außenministerium organisierten Auftritt, bei der die Behörden abermals ihre Sichtweise auf die Zwangslandung einer Passagiermaschine darlegten. Dabei sagte der junge Mann, er unterstütze nicht Machthaber Alexander Lukaschenko. «Ich respektiere ihn als Menschen.»

Eine Journalistin meinte bei der Pressekonferenz, sie glaube nicht, dass Protassewitsch seine Aussagen freiwillig mache. Sie spielte damit auf ein Fernsehinterview vor gut einer Woche an, bei dem der Blogger in einem anscheinend erzwungenen Geständnis eingeräumt hatte, Massenproteste gegen Lukaschenko organisiert zu haben. Der 26-Jährige widersprach ihr und behauptete erneut, dass er bei den mehr als vierstündigen Aufnahmen «aufrichtig» gewesen sei.

Journalisten des britischen Senders verließen aus Protest den Raum. Protassewitsch saß auf dem Podium mit etwas Abstand zu Vertretern des Verkehrs- und Verteidigungsministeriums. Nach Ende der Pressekonferenz sprang er sofort auf und verließ den Raum.

Vor knapp drei Wochen hatten die Behörden des autoritär geführten Landes eine Ryanair-Passagiermaschine auf dem Weg von Athen nach Vilnius mit einem Kampfjet zur Zwischenlandung in Minsk gezwungen. An Bord waren der Regierungskritiker Protassewitsch und seine Freundin Sofia Sapega. Beide wurden festgenommen. Die EU verhängte daraufhin erneut Sanktionen gegen die ehemalige Sowjetrepublik.

Ein Gericht in Minsk wies am Montag unter Ausschluss der Öffentlichkeit eine Beschwerde Sapegas gegen ihre Inhaftierung ab, wie die russische Staatsagentur Tass meldete. Die Anwälte wollten Berufung gegen die Entscheidung einlegen. Sie argumentierten demnach, Belarus sei laut internationalen Abkommen verpflichtet, dass Flugreisende an ihr geplantes Ziel gelangen müssten. Gegen die russische Staatsbürgerin laufen zwei Strafverfahren.


Nach Flugzeugunglück in Graubünden zweites Wrack entdeckt

CHUR: Im Schweizer Kanton Graubünden ist bei der Bergung eines abgestürzten Segelflugzeugs ein weiteres Wrack mit vier Toten entdeckt worden. Der Segelflieger war am späten Samstag oberhalb von Bivio auf etwa 2700 Metern abgestürzt, wie die Kantonspolizei Graubünden am Montag berichtete.

Die Stiftung Schweizerische Rettungsflugwacht hatte sie informiert, auch darüber, dass der Pilot umgekommen war. Wegen schlechten Wetters konnte die Bergung erst am Sonntag stattfinden. Die Rettungskräfte hätten dabei dann etwa einen Kilometer von der Absturzstelle des Segelfliegers entfernt das Wrack eines Motorflugzeugs entdeckt. Wie sich herausstellte, waren vier Menschen an Bord gewesen und alle ums Leben gekommen.

Ob es einen Zusammenhang zwischen den Unglücken gab, konnte die Polizei zunächst nicht sagen. Das Motorflugzeug war nach 17.00 Uhr in Samedan in Graubünden gestartet, Ziel war Locarno im Tessin.


Airbus-Verwaltungsratschef warnt vor Konkurrenz aus China

TOULOUSE: Airbus-Verwaltungsratschef René Obermann warnt vor drohender Konkurrenz aus China beim Flugzeugbau. Bei der Telekommunikation habe «die chinesische Konkurrenz, insbesondere Huawei, innerhalb eines Jahrzehnts die globale Branche mehr oder weniger erobert», sagte der frühere Chef der Deutschen Telekom im «Handelsblatt» (Montag). «Sie mögen das Paranoia nennen, aber mich treibt immer eine gewisse Sorge um, wichtige Technologien und Trends zu verpassen.»

So werde die Luftfahrt zunehmend von digitalen Technologien und vom Eintritt neuer Wettbewerber in den Markt beeinflusst, sagte Obermann. «Ein neuer, wichtiger kommt aus China.» Dort hat der Flugzeugbauer Comac mit der C919 ein Flugzeug in der Größe von Airbus' Verkaufsschlager A320 entwickelt. Die Triebwerke stammen von CFM, einem Gemeinschaftsunternehmen des US-Konzerns General Electric und des französischen Herstellers Safran. 2017 absolvierte die C919 ihren Erstflug. Inzwischen laufen die Testflüge für die Zulassung.

Wenn der Airbus-Konzern seine Weltmarktführerschaft in der Luftfahrt auch in 10 oder 15 Jahren noch verteidigen wolle, müsse er alle möglichen Effizienz- und Innovationsanstrengungen unternehmen, sagte Obermann.

Angesichts des Geschäftseinbruchs durch die Corona-Krise hat Airbus bereits den Abbau tausender Arbeitsplätze eingeleitet. Zudem will das Management innerhalb des Konzerns zwei neue Unternehmen für die Flugzeugstruktur-Montage in Frankreich und Deutschland schaffen und die Fertigung von Einzelteilen ausgliedern. Die IG Metall und die deutschen Betriebsräte laufen Sturm gegen die Pläne.

Ein weitgehendes Aus für Kurzstreckenflüge, wie zuletzt von Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock ins Spiel gebracht, hält Obermann nicht für realistisch. Nur ein Siebtel aller Flüge aus Deutschland seien Inlandsflüge, «der größere Teil liegt jenseits von 500 Kilometern». Diese könne man nicht durch den Schienenverkehr ersetzen, «weil die Zugverbindungen völlig unzureichend sind». Um Menschen effizient zu verbinden, müsste man in den nächsten Jahrzehnten Zehntausende Kilometer an neuen Schienen quer durch Europa verlegen, sagte Obermann. Bis dahin werde das Fliegen jedoch energieeffizient und emissionsfrei werden.


Frankfurter Flughafen erholt sich im Mai - deutliches Plus in München

FRANKFURT/MAIN: Die Fluggast-Zahlen am Frankfurter Flughafen lagen auch im Mai noch weit unter dem Niveau aus der Zeit vor der Corona-Pandemie. Allerdings überschritt das Passagieraufkommen im Gegensatz zu den Vormonaten mit knapp 1,25 Millionen Fluggästen wieder die Millionen-Marke, wie der im MDax gelistete Betreiber Fraport am Montag in Frankfurt mitteilte. Das waren rund 357 Prozent mehr als im ersten Corona-Lockdown ein Jahr zuvor, aber 80 Prozent weniger als im Mai 2019.

Ganz anders lief es den Angaben nach im Cargo-Geschäft: Das Aufkommen an Fracht und Luftpost wuchs im Vergleich zu Mai 2020 um 27,5 Prozent auf knapp 200.700 Tonnen.

Am zweitgrößten deutschen Flughafen in München sind die Unterschiede noch größer: Mit 499.000 Fluggästen im Mai hat er den Wert aus dem Vorjahresmonat mehr als verzwölffacht. Im Vergleich zu den Vor-Corona-Zahlen aus dem Mai 2019 liegt er dagegen mit 88 Prozent noch stark im Minus. Im Vergleich zum April dieses Jahres hat sich die Situation aber bereits ein gutes Stück gebessert.

Für das laufende Jahr hatte Fraport-Chef Stefan Schulte für Frankfurt zuletzt nur noch «unter 20 bis 25 Millionen» Fluggäste vorausgesagt. Nach seiner Einschätzung werde die Nachfrage «irgendwann im Sommer» anziehen. 2020 war das Aufkommen auf weniger als 19 Millionen Passagiere eingebrochen, nachdem der Flughafen 2019 mit mehr als 70 Millionen ein Rekordjahr verzeichnet hatte. Schulte erwartet dieses Niveau erst in den Jahren 2025 oder 2026 wieder.

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