Aktuelle Meldungen der Luftfahrt am Donnerstag

Foto: Pixabay
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Draghi: Entscheidung zu Lufthansa-Angebot für Ita-Kauf in zehn Tagen

ROM: Italien wird nach Auskunft von Ministerpräsident Mario Draghi in Kürze verkünden, ob die Lufthansa zusammen mit der Reederei MSC die Fluggesellschaft Ita Airways übernehmen darf. Der Regierungschef sagte am Donnerstag, dass es innerhalb von zehn Tagen eine Entscheidung des Finanzministeriums geben werde. Das favorisierte Duo Lufthansa-MSC sowie der US-Fonds Certares mit Air France-KLM und Delta Air Lines buhlen um den Zuschlag für den Alitalia-Nachfolger.

Zuletzt hatte es in Italien und bei der Lufthansa Sorgen gegeben, dass sich der Deal noch länger hinziehe und deshalb möglicherweise noch platzen könnte. Giorgia Meloni von den postfaschistischen Fratelli d'Italia hat laut Umfragen beste Chancen, nach der Wahl am 25. September Ministerpräsidentin zu werden. Sie gilt als Nationalistin und könnte den Verkauf von Ita möglicherweise stoppen.

Draghi sagte zum Privatisierungsplan für die Fluggesellschaft: «Es ist nicht mein Anliegen, dies der nächsten Regierung zu überlassen. Wir müssen unsere Pflicht erfüllen bis zum Schluss.»

Finanzminister Daniele Franco erläuterte zu den stockenden Verhandlungen, dass beide Kaufinteressenten ihre Angebote auf Anweisung der Regierung in Rom jüngst nachjustieren mussten.


Übernahmepoker um Ita Airways: Italiens Gewerkschaften pro Lufthansa

ROM: In den stockenden Übernahmeverhandlungen um die Fluggesellschaft Ita Airways haben sich italienische Gewerkschaften für einen schnellen Zuschlag an die Lufthansa und deren Partner MSC ausgesprochen. «Ita schafft es alleine nicht, die Lösung mit MSC und Lufthansa ist wirtschaftlich eine gute», sagte Fabrizio Cuscito von der Gewerkschaft CGIL der Zeitung «Corriere della Sera» (Donnerstag).

Die Lufthansa und die Reederei MSC wollen 80 Prozent der Anteile an Ita Airways, der Nachfolger-Airline von Alitalia, übernehmen. Derzeit ist der italienische Staat noch alleiniger Eigner. Neben Lufthansa/MSC ist auch der US-Fonds Certares zusammen mit den Fluggesellschaften Air France-KLM und Delta Air Lines interessiert.

Eigentlich hatte das Finanzministerium schon vor Wochen eine finale Entscheidung über den Verkauf angepeilt. Wegen des Sturzes der Regierung von Ministerpräsident Mario Draghi und der vorgezogenen Neuwahlen am 25. September wächst nun aber die Sorge, dass die Privatisierung noch ganz scheitern könnte. Laut «Corriere» erwägen die Gewerkschaften sogar Streiks, um die Regierung zu drängen.

Die Rechtspolitikerin Giorgia Meloni von der postfaschistischen Partei Fratelli d'Italia, die aktuellen Umfragen zufolge nach der Wahl beste Chancen auf das Amt der Regierungschefin hat, mahnte dagegen, beim Verkauf von Ita nichts zu überstürzen. Möglicherweise will die selbsternannte Patriotin den Deal sogar gänzlich stoppen.

«Die Situation ist kompliziert, wir sind sehr besorgt», sagte Gewerkschaftler Cuscito. Sein Kollege Ivan Viglietti von der Gewerkschaft Uiltrasporti forderte, Ita nicht zum Thema im Wahlkampf zu machen. Zum Vorwurf, nach einem Verkauf würde das Unternehmen nicht mehr italienisch genug sein, sagte er: «Der mögliche Großaktionär wäre die sehr italienische MSC.» Die Schweizer Reederei gehört der italienischstämmigen Familie Aponte.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr sagte am Donnerstag, man könne nicht ewig auf eine Entscheidung aus Rom warten. Einen Zeitraum nannte er nicht. Zusammen mit MSC-Besitzer Gianluigi Aponte hatte er schon im Juni einen Brief an Ministerpräsident Draghi geschrieben.


Saudi-Arabien setzt Luftraumöffnung für Israel-Flüge um

TEL AVIV: Mehrere Fluggesellschaften haben nach der Aufhebung des Überflugverbots von und nach Israel erstmals den saudischen Luftraum durchquert. Am Mittwochabend sei auf der neuen Strecke ein erster Flug aus Tel Aviv zu den Seychellen abgehoben, wie die Fluggesellschaft Air Seychelles am Donnerstag mitteilte. Die saudi-arabischen Behörden hätten die Erlaubnis dafür erteilt. Am Donnerstagmorgen landete in Tel Aviv zudem ein Flug von Cathay Pacific aus Hongkong, der den saudischen Luftraum kreuzte, wie auf dem Portal «Flightradar 24» zu sehen war.

Vor der Lockerung waren nur vereinzelt Flüge über Saudi-Arabien nach Israel möglich. Medienberichten zufolge warteten israelische Fluggesellschaften jedoch noch auf eine Erlaubnis für den Überflug.

Saudi-Arabien hatte das Verbot für kommerzielle Verbindungen von und nach Israel Mitte Juli während des Besuchs von US-Präsident Joe Biden in der Region gekippt. Der Schritt war als Signal der Annäherung zwischen den beiden eigentlich verfeindeten Staaten gedeutet worden. Sie arbeiten hinter den Kulissen schon länger in Sicherheitsfragen gegen die Bedrohung des gemeinsamen Feinds Iran zusammen.

Das Verbot, das auch für nicht-israelische Fluggesellschaften galt, war in den vergangen Jahren bereits leicht gelockert worden. So erlaubte die Golfmonarchie Überflüge zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie Bahrain. Die beiden Golfländer hatten unter Vermittlung der USA 2020 diplomatische Beziehungen zu Israel aufgenommen. Eine Ausnahmeregelung galt zudem für die indische Fluggesellschaft Air India auf dem Weg von und nach Tel Aviv.


Erholung der Langstreckenflüge macht Rolls-Royce Hoffnung

LONDON: Der britische Triebwerksbauer Rolls-Royce sieht sich dank der allmählichen Erholung des Flugverkehrs auf der Langstrecke in seinen Jahreszielen bestätigt. Die wachsende Zahl von Flugstunden dürfte zu mehr Wartungsaufträgen führen, teilte das Unternehmen am Donnerstag in London mit. Im ersten Halbjahr erreichten die Flugstunden großer Langstreckenjets den Angaben zufolge 60 Prozent des Niveaus aus der Zeit vor der Corona-Pandemie. Rolls-Royce hatte sich seit einigen Jahren ganz auf Antriebe für Großraumflugzeuge verlegt. Der Geschäftseinbruch infolge der Pandemie traf das Unternehmen dadurch härter als andere Triebwerkshersteller.

Im ersten Halbjahr 2022 ging es allerdings wieder aufwärts. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum dämmte Rolls-Royce den Geldabfluss um rund 1,1 Milliarden auf nur noch 77 Millionen britische Pfund (92 Mio Euro) ein. Während der Umsatz um mehr als acht Prozent auf 5,6 Milliarden Pfund zulegte, wuchs der operative Gewinn von 38 Millionen auf 223 Millionen Pfund. Allerdings rissen Wertberichtigungen auf Finanzinstrumente und Währungseffekte den Konzern unter dem Strich mit 1,6 Milliarden Pfund in die roten Zahlen. Ein Jahr zuvor hatte hier ein Gewinn von 394 Millionen Pfund gestanden.

Für das laufende Jahr rechnet Rolls-Royce weiterhin mit der Auslieferung von 350 bis 400 neuen Flugzeugtriebwerken. Der Konzernumsatz soll auf vergleichbarer Basis um einen niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentsatz steigen. Im operativen Geschäft erwartet das Management vor Sondereffekten schwarze Zahlen. Im Gesamtjahr 2021 war Rolls-Royce nach herben Verlustjahren in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt. Konzernchef Warren East gibt seinen Posten Ende des Jahres ab. Neuer Rolls-Royce-Chef wird ab 1. Januar 2023 der frühere BP-Manager Tufan Erginbilgic.

Trotz der Erholung im ersten Halbjahr und der Hoffnung auf wieder bessere Geschäfte ging es für die Aktie nach unten.


Tarifverhandlung zwischen Lufthansa und Verdi geht weiter

FRANKFURT/MAIN: Die Tarifverhandlungen für die rund 20.000 Beschäftigten des Lufthansa-Bodenpersonals gehen an diesem Donnerstag weiter. Das haben die Gewerkschaft Verdi und Lufthansa bestätigt. Am Morgen wurden zunächst die Zwischenergebnisse vom Vortag intern beraten, bevor sich die Delegationen wieder in einem Frankfurter Flughafenhotel treffen sollten. Inhaltlich wurden keine Details genannt.

Die dritte Verhandlungsrunde in dem Tarifkonflikt war von vornherein auf zwei Tage angesetzt. Ihr war am Mittwoch vergangener Woche ein flächendeckender Warnstreik vorausgegangen, der nahezu den kompletten Flugplan der Lufthansa lahmgelegt hatte. Für den Fall einer Nicht-Einigung hat Verdi-Verhandlungsführerin Christine Behle bereits mit weiteren Arbeitskampfmaßnahmen zur Hauptreisezeit gedroht.

Die Gewerkschaft verlangt bei einer Laufzeit von zwölf Monaten durchgehend Gehaltssteigerungen von 9,5 Prozent, mindestens aber 350 Euro im Monat, woraus sich in den unteren Gehaltsgruppen höhere Steigerungen ergeben würden. Der Konzern hatte bei einer Laufzeit von 18 Monaten eine zweistufige Erhöhung der Grundvergütung um zusammen 250 Euro angeboten. Daraus ergäben sich für Vergütungsgruppen bis 3000 Euro brutto zweistellige Zuwachsraten, hatte das Unternehmen vorgerechnet.

Eine weitere Erhöhung um zwei Prozent zum Juli 2023 wollte der Konzern vom Gewinn abhängig machen. Diese Koppelung lehnt Verdi ab. Das Unternehmen hatte am Morgen erklärt, sich bereits im laufenden Jahr wieder einen operativen Gewinn von 500 Millionen zuzutrauen.


Vietnam Airlines ändert wegen Taiwan-Krise zahlreiche Flugrouten

HANOI: Als Reaktion auf die zunehmenden Spannungen zwischen China und den USA nach dem Taiwan-Besuch der US-Spitzenpolitikerin Nancy Pelosi hat Vietnam Airlines seine Flugrouten in der Region geändert. Die Airline wolle den Luftraum über der Taiwan-Straße wegen möglicher chinesischer Militärübungen rund um die Meerenge meiden, hieß es am Donnerstag in einer Mitteilung.

«Um den Betrieb und die Flugsicherheit zu gewährleisten, wird Vietnam Airlines ab dem 4. August die Flugrouten zwischen Vietnam und Nordostasien, einschließlich Japan, Korea und Taiwan sowie zwischen Vietnam und den USA anpassen, um das Überfliegen einiger Gebiete in der Nähe der Insel Taiwan (China) zu vermeiden», schrieb die Fluglinie. China hatte zuvor vor Flügen rund um Taiwan gewarnt.

Peking hat Militärmanöver rund um die demokratische Inselrepublik angekündigt. Diese sind eine Reaktion auf den Besuch der Vorsitzenden des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi.


Lufthansa erwartet jetzt operativen Gewinn für 2022

FRANKFURT/MAIN: Nach der Rückkehr in die Gewinnzone im zweiten Quartal rechnet die Lufthansa jetzt auch für das Gesamtjahr im Tagesgeschäft mit schwarzen Zahlen. Der bereinigte operative Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) dürfte 2022 mehr als eine halbe Milliarde Euro erreichen, teilte das im MDax gelistete Unternehmen am Donnerstag in Frankfurt mit. Dazu soll vor allem eine weitere Erholung im Passagiergeschäft beitragen. Bisher hatte Vorstandschef Carsten Spohr nach den tiefroten Zahlen des zweiten Corona-Jahres 2021 nur eine Verbesserung des operativen Ergebnisses in Aussicht gestellt. Wegen der Streichung Tausender Flüge soll die Flugkapazität im laufenden Sommerquartal allerdings nur 80 statt 85 Prozent des Vorkrisen-Niveaus erreichen.

Im zweiten Quartal erzielte die Lufthansa einen Umsatz von knapp 8,5 Milliarden Euro und damit gut zweieinhalbmal so viel wie im pandemiegeprägten Vorjahreszeitraum. Der bereinigte operative Gewinn lag mit 393 Millionen Euro im oberen Bereich der Spanne, die der Konzern auf Basis vorläufiger Zahlen Mitte Juli angekündigt hatte. Ein Jahr zuvor hatte hier ein Minus von 827 Millionen Euro gestanden. Unter dem Strich verdiente die Lufthansa 259 Millionen Euro nach einem Verlust von 756 Millionen im Vorjahreszeitraum.


Detaillierte Zahlen und mögliche Tarifeinigung bei Lufthansa

FRANKFURT/MAIN: Mehr als 1000 Flüge sind jüngst ausgefallen, weil das Bodenpersonal die Arbeit niederlegte. An diesem Donnerstag gehen die Tarifverhandlungen von Lufthansa und Verdi weiter. Kommt es nochmal zu Warnstreiks? Zudem präsentiert der Konzern Geschäftszahlen.

Der Lufthansa-Konzern legt an diesem Donnerstag (7.00 Uhr) seine detaillierten Kennzahlen für das zweite Quartal vor und hofft zudem auf einen wegweisenden Tarifabschluss für das Bodenpersonal. Die am Mittwoch begonnenen Verhandlungen mit der Gewerkschaft Verdi sollten am Frankfurter Flughafen fortgesetzt werden. Für den Fall des Scheiterns hat die Verdi-Vizevorsitzende Christine Behle bereits mit weiteren Warnstreiks gedroht. Das Bodenpersonal hatte am Mittwoch vergangener Woche mehr als 1000 Flüge ausfallen lassen.

Die Geschäftszahlen sind in den Grundzügen bereits bekannt, so dass vor allem auf Aussagen zur weiteren Geschäftsentwicklung geachtet wird. Demnach hat der coronageplagte MDax-Konzern im zweiten Quartal die Rückkehr in die Gewinnzone geschafft. Vor Zinsen und Steuern blieb ein bereinigtes Konzernergebnis von 350 bis 400 Millionen Euro (Vorjahreszeitraum: minus 827 Millionen Euro). Vor allem die Frachtsparte und die zum Teilverkauf stehende Lufthansa Technik haben zum positiven Ergebnis beigetragen. Der Umsatz kletterte im Frühjahr auf 8,5 Milliarden Euro nach 3,2 Milliarden Euro im gleichen Vorjahresquartal.

In den Tarifverhandlungen verlangt die Gewerkschaft für die rund 20.000 Beschäftigten durchgehende Gehaltssteigerungen von 9,5 Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten, mindestens aber 350 Euro im Monat, woraus sich in den unteren Gehaltsgruppen höhere Steigerungen ergeben würden. Zudem sollen die Mindeststundenlöhne auf mindestens 13 Euro steigen und später einen tariflich fest vereinbarten Abstand zum gesetzlichen Mindestlohn einhalten. Dieser steigt zum 1. Oktober dieses Jahres auf 12 Euro.

Der Konzern hatte bei einer Laufzeit von 18 Monaten eine zweistufige Erhöhung der Grundvergütung um zusammen 250 Euro angeboten. Daraus ergäben sich für Vergütungsgruppen bis 3000 Euro brutto zweistellige Zuwachsraten, hatte das Unternehmen vorgerechnet. Zudem sollte es ab Juli 2023 für alle zwei Prozent mehr Geld geben, falls der Konzern wieder Gewinne macht. Diese Koppelung an das Konzernergebnis lehnt Verdi ebenfalls ab.

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