Aktuelle Meldungen der Luftfahrt am Dienstag

Foto: Freepik
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Ryanair-Chef kritisiert erzwungene Landung in Belarus

LONDON: Der Chef des Billigfliegers Ryanair, Michael O'Leary, hat die erzwungene Landung eines Passagierflugzeugs in Belarus als «vorsätzlichen Verstoß gegen alle internationalen Luftfahrtvorschriften» kritisiert. O'Leary sagte am Dienstag vor einem Ausschuss des britischen Parlaments in London zu dem Vorfall vor drei Wochen aus, wie die Nachrichtenagentur PA berichtete. Zuvor schon hatte der 60-Jährige von einer «staatlich gesponserten Entführung» durch Belarus gesprochen.

Die Behörden der autoritär geführten Ex-Sowjetrepublik hatten eine Ryanair-Maschine auf dem Weg von Athen nach Vilnius mit einem Kampfjet zur Zwischenlandung in Minsk gezwungen. An Bord waren der Regierungskritiker Roman Protassewitsch und seine Freundin Sofia Sapega. Beide wurden nach der Landung verhaftet. Die EU, Großbritannien und die USA verhängten daraufhin erneut Sanktionen gegen die ehemalige Sowjetrepublik.

Der Pilot der Maschine sei mit irreführenden Angaben von den Luftverkehrsbehörden in Minsk unter Druck gesetzt worden, berichtete O'Leary. Crew und Passagiere hätten dann stundenlang in einem «bedrohlichen und feindlichen» Umfeld ausharren müssen. Der Konzernchef sprach sich trotzdem gegen die dauerhafte Vermeidung des Luftraums über Belarus für ausländische Fluggesellschaften aus. Dies führe zu längeren Flügen und sei nicht im Interesse der Passagiere.

Die EU hatte Ende Mai die europäischen Fluggesellschaften aufgefordert, den Luftraum über Belarus zu meiden. Anfang Juni beschloss Brüssel außerdem, den eigenen Luftraum für belarussische Fluggesellschaften vorerst zu schließen.


Protassewitschs Mutter hält Auftritt in Pressekonferenz für erzwungen

WARSCHAU: Der Auftritt des inhaftierten Bloggers Roman Protassewitsch bei einer Pressekonferenz der belarussischen Behörden war nach Ansicht seiner Mutter erzwungen. Ihr Sohn stehe unter starkem emotionalen und psychischen Druck, sagte Natalia Protassewitsch am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. «Er setzt eine Maske auf, um sich und seiner Freundin das Leben zu retten.»

Im Gegensatz zu zwei zuvor veröffentlichten Videoaufnahmen habe sie zwar dieses Mal in seinem Gesicht keine Spuren von Gewaltanwendung entdecken können. «Aber er wirkte niedergeschlagen, zwinkerte nervös. Es ist klar, dass man ihm sehr stark droht», sagte die 46-Jährige, die mit ihrem Mann im Exil in Polen lebt.

Die belarussischen Behörden hatten den 26-Jährigen am Montag in Minsk wie zuvor schon im Staatsfernsehen vorgeführt, dieses Mal in einer Pressekonferenz. Protassewitsch gab an, er fühle sich ausgezeichnet und werde in Haft nicht misshandelt. «Mam, Pap, sorgt Euch nicht. Mit mir ist alles völlig in Ordnung», sagte er in Richtung seiner Eltern. Die Mutter schenkt dem aber keinen Glauben.

Vor drei Wochen hatten die Behörden des autoritär geführten Landes eine Ryanair-Passagiermaschine auf dem Weg von Athen nach Vilnius mit einem Kampfjet zur Zwischenlandung in Minsk gezwungen. An Bord waren der Protassewitsch, Mitgründer des oppositionellen Telegram-Kanals Nexta, und seine Freundin Sofia Sapega. Beide wurden nach der Landung verhaftet. Die EU, Großbritannien und die USA verhängten daraufhin erneut Sanktionen gegen die ehemalige Sowjetrepublik.


Emirates macht wegen Corona-Krise Milliarden-Verluste

DUBAI: Die Fluggesellschaft Emirates hat wegen der Corona-Krise erstmals in mehr als 30 Jahren Verluste gemacht. Die staatliche Airline aus dem Emirat Dubai schloss das vergangene Jahr mit einem Minus von 5,5 Milliarden US-Dollar (rund 4,5 Mrd Euro) ab, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Der Umsatz ging um 66 Prozent auf 8,4 Milliarden Dollar zurück. Das Passagier- und Frachtaufkommen sei um 58 Prozent geschrumpft. Emirates führt den Einbruch allein auf den vorübergehenden Stopp des Flugverkehrs im vergangenen Frühjahr und die weltweiten Reisebeschränkungen zurück.

Die Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) hatte den Flugverkehr im März vergangenen Jahres wegen der Ausbreitung des Corona-Virus für acht Wochen weitgehend eingestellt. Emirates kündigte damals vorübergehende Gehaltskürzungen an. Die Airline reduzierte auch die Zahl ihrer Flugzeuge. Das Unternehmen flog bis dahin 145 Ziele weltweit an. Es beschäftigt etwa 60.000 Mitarbeiter und ist die größte Fluggesellschaft im arabischen Raum.


Lufthansa setzt sich ehrgeizige Ziele nach der Pandemie

FRANKFURT/MAIN: Die Lufthansa will nach der Corona-Krise wieder ähnlich profitabel werden wie in ihrem Rekordjahr 2017. Die Fluggesellschaft veröffentlichte am späten Montagabend überraschend hohe Ziele für das Jahr 2024, wenn sich der Luftverkehr weitgehend von dem Einbruch im Zuge der Pandemie erholt haben soll. Mit den neuen Zielen wirbt der Konzern vor der geplanten Kapitalerhöhung auch um Investoren.

Um ihre Ziele zu erreichen, will die Lufthansa ihre Kosten bis 2024 im Vergleich zu 2019 um etwa 3,5 Milliarden Euro senken. Die Hälfte davon soll bis Ende 2021 erreicht sein. Schon bis 2023 sollen die Personalkosten um etwa 1,8 Milliarden Euro schrumpfen. Die Hälfte davon sei durch den Abbau von fast 26.000 Mitarbeitern seit Beginn der Krise bereits erreicht.

In Deutschland will die Lufthansa die Personalkosten durch eine Kombination aus angepassten Tarifverträgen, freiwilligen Abgängen und betriebsbedingten Kündigungen senken. Dies entspreche einer Reduzierung um bis zu 10.000 Stellen, hieß es.

Die Lufthansa-Führung um Vorstandschef Carsten Spohr will die operative Marge vor Zinsen, Steuern und Sondereffekten (bereinigte Ebit-Marge) und die bereinigte Rendite auf das eingesetzte Kapital (bereinigtes ROCE) nach der Corona-Krise kräftig nach oben treiben. So soll die operative Marge im Jahr 2024 mindestens acht Prozent erreichen. Für die bereinigte Kapitalrendite ohne liquide Mittel nimmt sich der Vorstand mindestens zehn Prozent vor.

Bereits auf der Hauptversammlung Anfang Mai hatten die Aktionäre dem Unternehmen grünes Licht für eine Kapitalerhöhung von bis zu 5,5 Milliarden Euro gegeben. Inzwischen hat die Lufthansa Banken mit der Vorbereitung der Maßnahme beauftragt. Der Wirtschaftsstabilisierungsfonds des Bundes (WSF) erwäge, auch unter Berücksichtigung der Marktbedingungen, sich ohne den Einsatz zusätzlicher Mittel auf dem Wege einer sogenannten Opération Blanche an einer potenziellen Kapitalerhöhung zu beteiligen, hieß es in der Mitteilung vom Dienstag weiter.

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