Aktuelle Meldungen der Luftfahrt am Dienstag

Foto: Freepik
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Boeing mit deutlichem Auftragsplus im Mai

CHICAGO: Der US-Flugzeughersteller Boeing hat seine Auftragsbilanz im vergangenen Monat dank hoher Nachfrage nach 737-Max-Jets deutlich verbessert. Nach eigenen Angaben vom Dienstag erhielt das Unternehmen im Mai insgesamt Bestellungen für 73 Flugzeuge, davon entfiel mit 61 der Großteil auf Max-Modelle. Die Baureihe bleibt der Bestseller des Konzerns, obwohl sie nach zwei Abstürzen ab März 2019 rund 20 Monate lang mit Flugverboten belegt war und zuletzt schon wieder Probleme mit der Elektrik hatte.

Unter Berücksichtigung von Stornierungen und Umbuchungen holte Boeing im vergangenen Monat 20 neue Aufträge rein. Damit schaffte der US-Konzern im vierten Monat in Folge ein positives Nettoergebnis und schnitt besser ab als der europäische Erzrivale Airbus, der im Mai unterm Strich nur vier Neubestellungen verbuchte. Bei den Auslieferungen lag Airbus indes deutlich vorne. Die Europäer übergaben 50 neue Maschinen an ihre Kunden. Bei Boeing waren es nur 17 Jets. Probleme mit dem 787 «Dreamliner» drückten die Bilanz.


Ryanair gegen Condor: EU-Gericht verkündet Urteil

LUXEMBURG: Das EU-Gericht entscheidet am Mittwoch (11.00 Uhr) über eine Klage der irischen Fluggesellschaft Ryanair gegen staatliche Corona-Hilfen für die deutsche Condor. Ryanair wendet sich gegen die Genehmigung der EU-Kommission für die Beihilfen im Umfang von 550 Millionen Euro im April 2020. Diese verstoße unter anderem gegen den freien Dienstleistungsverkehr, argumentiert der Kläger. (Rechtssache T 665/20)

Der Fall Condor ist einer von vielen, in denen Ryanair gegen staatliche Unterstützung für Konkurrenten in der Corona-Krise vorgegangen ist. Mitte Mai erzielte die Billigairline einen Teilerfolg: Das EU-Gericht erklärte Beschlüsse der EU-Kommission zu Beihilfen an die portugiesische TAP und die niederländische KLM für nichtig. Spanische Hilfen für strategisch bedeutende Unternehmen bestätigte das Gericht in Luxemburg hingegen damals.

Im April hatte die irische Fluggesellschaft erfolglos versucht, gegen Hilfen von Schweden und Dänemark für die Fluggesellschaft SAS und finnische Unterstützung für Finnair vorzugehen. Viele Staaten halfen ihren Airlines während der Pandemie, weil der Flugverkehr drastisch einbrach.


Wie im Actionfilm: Litauens Präsident über Machthaber Lukaschenko

«Jenseits der östlichen Grenzen Litauens gibt es einen instabilen Raum, in dem inhärente Menschenrechte und die Regeln der freien Welt missachtet werden, wo Diktatoren, die sich Actionfilme ansehen, die Rolle von Terroristen einnehmen und Passagierflugzeuge entführen. Wo Grenz- und Nuklearsicherheit zum Erpressungsinstrument werden.»

(Litauens Präsident Gitanas Nauseda in einer Rede zur Lage der Nation am Dienstag im Parlament, bei der es unter anderem um die Spannungen mit dem Nachbarland Belarus ging)


Spannungen mit Belarus: Litauens Präsident warnt vor Nachbarland

VILNIUS: Litauens Staatsführung hat angesichts der zunehmenden Spannungen mit dem Nachbarland Belarus einen Ausbau der Landesverteidigung angemahnt. Präsident Gitanas Nauseda hielt eine Woche vor Beginn des Nato-Gipfels eine Rede zur Lage der Nation und sagte am Dienstag im Parlament: «Jenseits der östlichen Grenzen Litauens gibt es einen instabilen Raum, in dem inhärente Menschenrechte und die Regeln der freien Welt missachtet werden, wo Diktatoren, die sich Actionfilme ansehen, die Rolle von Terroristen einnehmen und Passagierflugzeuge entführen. Wo Grenz- und Nuklearsicherheit zum Erpressungsinstrument werden.»

Der belarussische Langzeitmachthaber Alexander Lukaschenko hatte zuletzt damit gedroht, Migranten auf ihrem Weg in die EU nicht länger aufzuhalten auch und Drogenschmuggel weniger zu kontrollieren. Hintergrund sind Spannungen mit der EU wegen Repressionen gegen die Opposition in Belarus und zuletzt vor allem die erzwungene Landung einer Passagiermaschine samt Festnahme des Bloggers Roman Protassewitsch in der belarussischen Hauptstadt Minsk.

Litauen gehört sowohl der EU als auch der Nato an. Das transatlantische Verteidigungsbündnis tritt am Montag kommender Woche zu einem Gipfel in Brüssel zusammen. Nauseda appellierte in seiner Rede, Litauen solle sich weiter für regionale Stabilität und die Demokratiebewegung im autoritär regierten Belarus einsetzen.

Litauen hat eine fast 680 Kilometer lange Grenze zu Belarus, die Teil der EU-Außengrenze ist. Die Regierung in Vilnius vermeldete in der Vorwoche einen starken Anstieg illegaler Grenzübertritte durch Migranten. Innenministerin Agne Bilotaite vermutete dahinter eine gezielte Aktion der Führung in Minsk.

Die Beziehungen zwischen den beiden Nachbarländern sind auch durch das umstrittene belarussische Atomkraftwerk in Ostrowez belastet, das nur etwa 50 Kilometer von der litauischen Hauptstadt Vilnius entfernt liegt. Litauen sieht in der Ende 2020 in Betrieb genommene Anlage eine «nukleare und ökologische Bedrohung» für ganz Europa.


Prozess zum Abschuss von Flug MH17: Gericht zeigt Raketen-Teile

AMSTERDAM: Im Strafverfahren um den Abschuss des Passagierflugs MH17 über der Ostukraine hat das Gericht Beweise zur wahrscheinlichen Tatwaffe vorgelegt. Einige sichergestellte Trümmer stammten von einer Luftabwehrrakete des russischen Typs Buk, wie das Gericht am Dienstag in Amsterdam mitteilte. Die Anklage geht davon aus, dass die Boeing der Malaysia Airlines im Juli 2014 mit einer solchen Rakete über umkämpftem Gebiet abgeschossen wurde. Alle 298 Menschen an Bord wurden getötet.

Die vier Angeklagten - drei Russen und ein Ukrainer - sollen nach Darstellung der Anklage hohe Funktionen bei den pro-russischen Rebellen gehabt haben und für den Abschuss der Maschine verantwortlich sein. Das Hauptverfahren hatte am Montag begonnen. Keiner der Angeklagten ist bei dem Prozess. Mit einem Urteil wird nicht vor Ende des Jahres gerechnet. Da die meisten Opfer aus den Niederlanden kamen, findet dort auch der Prozess statt.

Insgesamt neun Teile einer Buk-Rakete wurden an der Absturzstelle sichergestellt, wie aus dem Prozess-Dossier hervorgeht. Zusätzlich waren in den Körpern der Piloten, in Gepäckstücken und im Flugzeugwrack kleinste Metallteile gefunden worden. Dem Gericht liegen zudem mehrere Gutachten vor, die diese einer Buk-Rakete zuordnen.

Die Maschine war am 17. Juli 2014 um 16.20 Uhr abgestürzt. Kurz zuvor soll der Anklage zufolge die Rakete vor dem Cockpit explodiert sein. Tausende Metallteilchen hätten sich dann wie Projektile in die Maschine gebohrt. Das Gericht zeigte Fotos von dem Wrack, das aus Trümmerstücken rekonstruiert wurde. Darauf sind tausende Einschlaglöcher zu sehen, der größte Schaden befindet sich an der linken Seite des Cockpits.

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