Aktuelle Meldungen der Luftfahrt am Dienstag

Warnstreik des Bodenpersonals: Lufthansa rechnet mit rund 200 000 betroffenen Passagieren. Foto: Boris Roessler/dpa
Warnstreik des Bodenpersonals: Lufthansa rechnet mit rund 200 000 betroffenen Passagieren. Foto: Boris Roessler/dpa

Lufthansa-Tochter AUA streicht 150 Flüge

WIEN: Rund die Hälfte aller Flüge fliegt am Freitag aus dem Programm - auch Verbindungen nach Deutschland. Auslöser ist eine geplante und inzwischen verschobene Betriebsversammlung.

Die Lufthansa-Tochter Austrian Airlines (AUA) streicht am kommenden Freitag wegen einer ursprünglich geplanten Betriebsversammlung rund 150 Flüge. Obwohl der Betriebsrat des Bordpersonals und die Gewerkschaft ihre Versammlung auf unbestimmte Zeit verschoben hätten, müsse die Fluggesellschaft aus logistischen Gründen an den geplanten Streichungen festhalten, teilte eine Firmensprecherin am Dienstag mit. Davon seien etwa 12.800 Passagiere betroffen, die schon von den Ausfällen informiert worden seien. Die Streichungen betreffen auch diverse Verbindungen von und nach Deutschland. Insgesamt hatte die Fluggesellschaft am Freitag etwa 300 Flüge geplant.

Schon am vergangenen Freitag waren bei der AUA wegen einer Betriebsversammlung und eines spontanen Warnstreiks knapp 140 Flüge ausgefallen.

Grund für die Betriebsversammlungen des AUA-Bordpersonals sind die stockenden Tarifverhandlungen für die insgesamt 3500 Beschäftigten in der Kabine und im Cockpit. Die Gewerkschaft Vida fordert nach einem guten wirtschaftlichen Jahr für die Luftfahrtbranche, dass auch die Beschäftigten in Form von Gehaltserhöhungen profitierten. Das Unternehmen habe 4,5 Prozent mehr Gehalt angeboten und lasse über Einmalzahlungen sowie über eine bessere Erfolgsbeteiligung mit sich reden, hieß es vonseiten der AUA.

«Der Betriebsrat und die Gewerkschaft Vida sollen nicht noch mehr Schaden anrichten, sondern gemeinsame Lösungen am Verhandlungstisch finden», sagte die Firmensprecherin.


Kabinengewerkschaft Ufo zählt Urabstimmung zu Lufthansa-Streik aus

MÖRFELDEN-WALLDORF: Bei der Lufthansa können viele Berufsgruppen den Flugbetrieb beeinträchtigen. Neben den Warnstreiks des Bodenpersonals machen sich nun Flugbegleiter streikbereit.

Vor dem nächsten Warnstreik des Lufthansa-Bodenpersonals werden im Konzern auch Arbeitskämpfe einer anderen Beschäftigtengruppe wahrscheinlicher. Rund 19.000 Flugbegleiter und Flugbegleiterinnen der Lufthansa-Kernmarke sowie der Tochter Lufthansa Cityline sind bis diesen Mittwochmittag aufgerufen, in Urabstimmungen über mögliche Streiks zu entscheiden. In Kreisen der Gewerkschaft Ufo wird fest mit einem zustimmenden Votum gerechnet. Konkrete Termine für Arbeitsniederlegungen sind zunächst nicht zu erwarten.

Unabhängig davon hat die Gewerkschaft Verdi die Beschäftigten in den Lufthansa-Bereichen Technik, Logistik und Training ab Mittwochabend, 20.00 Uhr, zu einem Warnstreik aufgerufen. Alle anderen Angehörigen des Bodenpersonals sollen sich dem Ausstand am Donnerstag um 4.00 Uhr anschließen. Der Warnstreik endet für alle Teilnehmer am Samstag um 7.10 Uhr.

In den getrennten Flugbegleiter-Tarifverhandlungen für die Muttergesellschaft und die Regio-Tochter Cityline hatte die Gewerkschaft die jeweiligen Angebote als unzureichend abgelehnt. Vor dem Hintergrund hoher Kaufkraftverluste durch die Inflation schauen die Arbeitnehmer auf die wieder stark gestiegenen Gewinne, die Konzernchef Carsten Spohr an diesem Donnerstag (7. März) für das zurückliegende Geschäftsjahr 2023 präsentieren will.

Für die rund 18.000 Kabinenbeschäftigten der Lufthansa und die knapp 1000 Kräfte der Cityline fordert Ufo im Kern 15 Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von 18 Monaten. Außerdem will die Gewerkschaft eine Inflationsausgleichsprämie von 3000 Euro sowie höhere Zulagen erreichen.


Luftsicherheitskräfte streiken mit

BERLIN/FRANKFURT: Die Gewerkschaft Verdi verschärft den geplanten Warnstreik im Luftverkehr.

Parallel zum Ausstand des Lufthansa-Bodenpersonals ruft die Gewerkschaft für Donnerstag auch die Luftsicherheitskräfte in Frankfurt und Hamburg zur Arbeitsniederlegung auf, wie die Gewerkschaft in Berlin mitteilte. Damit können Passagiere diese Flughäfen voraussichtlich nicht von außen betreten. Die Beschäftigten sind bei Privatunternehmen angestellt, die im Auftrag der Bundespolizei Passagiere, Personal und Gepäck an den Zugängen zum Sicherheitsbereich kontrollieren.


Lufthansa rechnet beim Bodenstreik mit massiven Ausfällen

FRANKFURT/MAIN: Die Lufthansa rechnet während des zweitägigen Warnstreiks ihres Bodenpersonals mit massiven Flugausfällen vor allem an ihren Drehkreuzen Frankfurt und München.

Am Donnerstag und am Freitag werden jeweils rund 1000 Flüge ausfallen und jeweils rund 100.000 Passagiere betroffen sein, wie ein Unternehmenssprecher am Dienstag in Frankfurt sagte. Die Airline bemühe sich, 10 bis 20 Prozent des ursprünglichen Flugplans darzustellen. In den Flugplänen seien die Streichungen bereits berücksichtigt. Die Gewerkschaft Verdi hatte das gesamte Bodenpersonal zu einem zweitägigen Warnstreik aufgerufen. Es ist bereits die fünfte Warnstreikwelle in dem Tarifkonflikt und die dritte mit direkten Auswirkungen auf die Passagiere.


Boeing: US-Luftfahrtaufsicht findet Probleme bei Qualitätskontrollen

WASHINGTON: Die Ermittlungen zum jüngsten Beinahe-Unglück mit einer Boeing 737-9 Max fördern Probleme in der Fertigung zutage. Vom großen Kunden American Airlines gibt es zugleich ein Vertrauensvotum.

Die US-Luftfahrtaufsicht FAA hat bei Untersuchungen der Boeing-Fertigung nach einem Beinahe-Unglück Probleme bei der Qualitätsaufsicht gefunden. Verstöße gegen Vorgaben habe es unter anderem bei der Überwachung der Produktion, dem Umgang mit Bauteilen sowie der Produktkontrolle gegeben, teilte die FAA am Montag mit.

Die Prüfung wurde von dem jüngsten dramatischen Zwischenfall mit einer so gut wie neuen Boeing 737-9 Max Anfang Januar ausgelöst. Bei der Maschine der Fluggesellschaft Alaska Airlines mit mehr als 170 Menschen an Bord brach kurz nach dem Start im Steigflug ein Rumpfteil heraus. Bei dem Vorfall wurde niemand ernsthaft verletzt - zufällig waren die beiden Plätze direkt an der Öffnung leer.

Die Unfallermittlungsbehörde NTSB geht davon aus, dass an dem Teil Befestigungsbolzen fehlten. Schon zuvor hatte Boeing wegen Produktionsmängeln beim Rumpf-Zulieferer Spirit Aerosystems die Auslieferungen des Flugzeugtyps teils wochenlang stoppen und monatelange Nacharbeiten vornehmen müssen.

Die Behörde nimmt sowohl Boeing als auch Spirit Aerosystems unter die Lupe. Boeing bestätigte vergangene Woche Gespräche über eine Übernahme der Firma, die einst jahrzehntelang zum Konzern gehörte.

Zuletzt hatte auch eine von der FAA eingesetzte Expertenkommission nach einer mehrmonatigen Untersuchung Schwächen in Boeings Qualitätssicherung kritisiert. So fand sie etwa in der Verkehrsflugzeug-Sparte keinen einheitlichen und klaren Weg für die Mitarbeiter, über Qualitätsmängel zu berichten.

Trotz der Probleme und Kritik bekam Boeing am Montag eine große Bestellung vom prestigeträchtigen Kunden American Airlines. Die US-Fluggesellschaft gab Order von 260 Flugzeugen bekannt, darunter 85 Maschinen des Typs Boeing 737-10 Max. Das ist ein großes Vertrauensvotum - denn Boeing kann nach den jüngsten Turbulenzen nicht sagen, wann das Flugzeug zugelassen wird. 30 der Bestellungen waren ursprünglich für die kleinere Version 737-8 Max. Außerdem bestellt die Airline 85 A321neo beim Boeing-Rivalen Airbus sowie 90 Regionaljets des Typs Embraer E175.

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