Absturz der One-Two-Go-Maschine in Paris vor Gericht

Foto: The Nation
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PHUKET/PARIS: Der frühere Chef der thailändischen Billigfluggesellschaft One Two Go steht seit Montag in Paris wegen eines Flugzeugabsturzes im Jahr 2007 in Phuket vor Gericht, bei dem 90 Menschen ums Leben kamen, fast zwei Drittel davon Ausländer.

Die Zivilklage, die von den Familien der neun französischen Opfer zusammen mit einem Überlebenden eingereicht wurde, besagt, dass der Absturz ein „zu erwartender Unfall" war. Die Klage erhebt eine Reihe von Vorwürfen gegen die inzwischen aufgelöste Fluggesellschaft.

Der Absturz ereignete sich am 16. September 2007 auf der Ferieninsel Phuket, als ein One-Two-Go-Jet mit 123 Passagieren und sieben Besatzungsmitgliedern von der Startbahn rutschte und in Flammen aufging. Der Kapitän hatte bei Schlagregen und starkem Wind landen wollen.

Die Familien der Opfer haben die Fluggesellschaft beschuldigt, versucht zu haben, eine Reihe von Fehlern zu vertuschen, die zum Absturz geführt haben. Der Präsident von One-Two-Go wurde trotz eines internationalen Haftbefehls nie inhaftiert, er hat nie auf eine gerichtliche Vorladung reagiert, was bedeutet, dass gegen ihn in Abwesenheit verhandelt wird. Unter den Toten befanden sich 33 thailändische Staatsangehörige und 57 Ausländer, hauptsächlich Touristen aus Großbritannien, Israel und Frankreich.

„Es geht nicht um Geld", sagte Gerard Bembaron, einer der französischen Kläger, der seinen Bruder bei dem Absturz verlor. „Wir wollen, dass die Familien als Opfer anerkannt werden. Es war nicht unvermeidlich, es war ein Unfall, der angesichts der Funktionsweise dieses Unternehmens auf sich warten ließ." Eine Untersuchung der Zivilluftfahrtbehörde von Thailand ergab, dass das Flugzeug infolge menschlichen Versagens abgestürzt war, als der Pilot und sein Co-Pilot versuchten, bei schlechtem Wetter zu landen. Es stellte sich weiter heraus, dass die Piloten ihre wöchentliche Flugstundenzahl überschritten hatten und aufgrund von Müdigkeit und mangelnder Ruhe unter Stress litten, was dazu führte, dass ihre Reaktionen in einer kritischen Situation beeinträchtigt waren.

Als die Untersuchung der Unglücksursache begann, reichte die Fluggesellschaft Dokumente ein, bei der die Anzahl der geflogenen Stunden der Piloten gefälscht waren. Zwölf Jahre später hat die französische Untersuchung zahlreiche Mängel bei der Einstellung, der Ausbildung und den Arbeitsgewohnheiten der Piloten sowie bei der Wartung der Flotte ergeben. Längere Flugstunden waren an der Tagesordnung, da die Piloten Geldprämien erhielten, sagte ein ehemaliger Pilot den Ermittlern und spielte auf eine „kriminelle Unternehmenskultur" an, die „schwerwiegende Verstöße gegen die grundlegendsten Sicherheitsnormen" beinhaltete. One-Two-GO und die Muttergesellschaft Orient Thai haben beide ihren Betrieb eingestellt.

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Thomas Schiffer 26.06.19 18:20
Nicht nur der Chef, sondern auch die Piloten sollten vor Gericht gestellt werden. Denn schließlich haben die auch eine Verantwortung. Bei keiner Klage geht es um Geld, letztendlich wollen aber immer alle Geld haben.
Joerg Obermeier 25.06.19 13:18
Wenn es in Frankreich die geschilderten Erkenntnisse gibt, dann frage ich mich warum das in hiesigem Land keinerlei Konsequenzen hat. Sagen wir mal, das wäre nur eine rhetorische Frage....