50 Jahre nach dem Tod des Herzogs von Windsor

Wegbereiter der Queen

Wallis Simpson und Edward, Herzog von Windsor, sitzen kurz vor ihrer Hochzeit in Frankreich an einem nicht benannten Ort. Foto: UPI/dpa
Wallis Simpson und Edward, Herzog von Windsor, sitzen kurz vor ihrer Hochzeit in Frankreich an einem nicht benannten Ort. Foto: UPI/dpa

LONDON/PARIS: Vor einem halben Jahrhundert starb der frühere britische König Edward VIII. Ohne seine Abdankung im Jahr 1936 wäre Elizabeth II. womöglich nie Königin geworden. Doch das war nicht sein einziges Vermächtnis.

Seit 70 Jahren sitzt Elizabeth II. auf dem britischen Thron. Skandale, Eskapaden und Streit in der Royal Family scheint die inzwischen 96-jährige Monarchin mit stoischer Ruhe hinzunehmen. Und trotz immer offensichtlich werdender gesundheitlicher Probleme ist von Abdanken bisher keine Rede. Der Grund dafür könnte darin liegen, dass sie bereits in ihrer Kindheit Zeugin einer der schwersten Krisen der britischen Monarchie wurde.

Herbeigeführt hatte diese Krise König Edward VIII., der Onkel Elizabeths, der vor einem halben Jahrhundert, am 28. Mai 1972, in seiner Wahlheimat Paris als Herzog von Windsor mit 77 Jahren starb. Edward legte viel Wert darauf, dass er nicht im Exil lebte, wie er in einem Interview für die deutsche Sendung «Pariser Journal» einmal sagte. Er lebe lediglich im Ausland, sagte der Adlige. «Ich kann nach England zurück, wann immer es mir beliebt», sagte Edward.

Doch so richtig zurückhaben wollte man ihn in England nicht. Als einziger britischer Monarch in der Geschichte hatte Edward im Jahr 1936 nach nicht einmal einem Jahr auf dem Thron abgedankt. Das galt als große Schande. Anlass dafür war sein Wunsch, die zweifach geschiedene US-Amerikanerin Wallis Simpson zu heiraten. Doch das konnte ein britischer Monarch und Oberhaupt der anglikanischen Christen nicht tun, befanden die Regierung in London und die Kirche.

Doch Edward blieb dabei - und dankte ab. «Sie müssen mir glauben, wenn ich Ihnen sage, dass ich es als unmöglich empfunden habe, die schwere Last der Verantwortung zu tragen und meine Verpflichtungen als König nach meinen Vorstellungen auszuführen, ohne die Hilfe und Unterstützung der Frau, die ich liebe», sagte er damals in einer im Radio übertragenen Ansprache an sein Volk.

Statt Edward wurde sein jüngerer Bruder - Elizabeths Vater - als Georg VI. zum König gekrönt. Der ehemalige Monarch trat alle seine Rechte auf die Krone für sich und mögliche Nachfahren ab, wie auf der Website des Buckingham-Palasts betont wird.

Doch die Abdankung war nicht der einzige Grund, weshalb der einst beliebte Edward in der Heimat mit Misstrauen betrachtet wurde. Der Royal stand im Verdacht, mit den Nazis zu sympathisieren. Im Oktober 1937 hatten er und Simpson Deutschland besucht und sich wie Staatsgäste hofieren lassen. Auch ein Treffen mit Diktator Adolf Hitler stand auf dem Programm.

Ein Vertrauter Edwards erzählte später der BBC zufolge, der Besuch sei weniger als Unterstützung für die Nazis gedacht gewesen als vielmehr dem Wunsch entsprungen, seiner Frau die Erfahrung eines Staatsbesuchs zu ermöglichen. «Sie wurde wie eine royale Prinzessin behandelt, nicht wie eine Aussätzige und eine Außenseiterin, wie es ihr mit der britischen Königsfamilie gegangen war», sagte Royal-Biograph Andrew Morton der BBC.

Das Thema fand vor einigen Jahren noch einmal den Weg in die Schlagzeilen, als eine Filmaufnahme von 1933 auftauchte, die Edward zusammen mit der siebenjährigen Elizabeth, ihrer Schwester Margaret und Queen Mum, beim Üben des Hitlergrußes zeigte. Die Boulevardzeitung «Sun» zeigte ein Bild davon auf ihrer Titelseite mit der Zeile «Their Royal Heilnesses» (statt Highnesses; also etwa: Ihre Königlichen Heilheiten (statt Hoheiten)).

Die deutsche Historikerin Karina Urbach spürte in Archiven verschiedener Länder Hinweise auf, die den Verdacht stützen, dass Edward mehr als nur ein Befürworter des «Appeasement» war, also einer Politik der Zurückhaltung gegenüber Hitler. So soll er einem spanischen Diplomaten gegenüber geäußert haben, er sehe Juden und Kommunisten als Schuldige für den Zweiten Weltkrieg. Urbach und andere fordern seit langem, dass der Palast die königlichen Archive öffnet, um den Briefwechsel zwischen den britischen Royals und ihren Verwandten in Deutschland offenzulegen - doch bislang ohne Erfolg.

Wie Dokumente der Nazis belegten, gab es in Deutschland Überlegungen, Edward zum König eines britischen Vasallenstaats zu machen. Es ist unklar, wie Edward diesen Avancen gegenüber eingestellt war. Kriegspremier Winston Churchill schickte den Herzog von Windsor jedenfalls - angeblich zu dessen eigener Sicherheit - während des Kriegs als Gouverneur auf die damalige Kolonie Bahamas in die Karibik. Es war seine letzte offizielle Aufgabe.

Ob die Geschichte anders verlaufen wäre ohne Edwards Abdankung, bleibt Spekulation. Er hatte jedenfalls weitreichende Pläne für eine Umgestaltung der Monarchie, wollte mit Zeremoniell und Ritualen brechen. Wäre er kinderlos geblieben, hätte Elizabeth den Thron trotzdem bestiegen, wenn auch zwei Jahrzehnte später. Bereut hat Edward seinen Schritt nach eigenen Angaben nie. Simpson habe ihn «sehr sehr glücklich» gemacht, resümierte er gegen Ende seines Lebens. Über seine Nichte fand er lobende Worte: «Ich denke, die Monarchie könnte nicht in besseren Händen sein als sie es heute ist.»

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