Ex-Studentenführer fordert Sanktionen

Foto: epa/David Chang
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TAIPEH (dpa) - Zum 30. Jahrestag des Tian'anmen-Massakers an diesem Dienstag hat der damalige Studentenführer Wu'er Kaixi internationale Sanktionen gegen die Führungselite in China gefordert.

In einem Interview der Deutschen Presse-Agentur in Taipeh sagte der heute 51-Jährige, mit der wachsenden Bedrohung durch das diktatorische System in China für die Welt seien alle Staaten gefordert. Wie einst gegenüber Nazi-Deutschland halte sich die internationale Gemeinschaft aber heute auch gegenüber Peking zurück. «Machen wir uns nichts vor: Es ist Beschwichtigungspolitik.»

In der Vergangenheit hätten die demokratischen Kräfte im Exil von der westlichen Welt nur Unterstützung gefordert, während sie sich selbst um die Demokratisierung in China kümmern wollten. «Heute, so muss ich sagen, hat sich das Spiel geändert», sagte Wu'er Kaixi. «Wir leben in dieser globalen Gemeinschaft, in der jeder Bürger der Welt Verantwortung übernehmen muss, um China demokratisch und frei zu machen.» Es habe Konsequenzen für den Rest der Welt. «Es geht um unser aller Zukunft», sagte der heute im demokratischen Taiwan im Exil lebende Ex-Studentenführer.

Die Welt habe zugelassen, dass Chinas Führung ihr eigenes Volk unterdrücke. Genauso werde toleriert, wie Peking eine große Firewall im Internet betreibe, um seine Onlineriesen zu fördern, die dann auf dem freien Weltmarkt als starke Konkurrenz anträten. Auch nutze China die Welthandelsorganisation (WTO) aus, um Marktzugang zu bekommen, ohne seine eigenen WTO-Verpflichtungen zu erfüllen. Wu'er Kaixi, selbst Uigure, übte auch scharfe Kritik an der Internierung von Hundertausenden Mitgliedern der muslimischen Minderheit in der nordwestchinesischen Region Xinjiang.

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