27 Jahre nach Mord an Tupac Shakur

Verdächtiger angeklagt

Fans halten ein Bild des verstorbenen Rappers Tupac Shakur, während einer Zeremonie, bei der Shakur mit einem Stern auf dem Hollywood Walk of Fame geehrt wird. Foto: Chris Pizzello/Invision/ap/dpa
Fans halten ein Bild des verstorbenen Rappers Tupac Shakur, während einer Zeremonie, bei der Shakur mit einem Stern auf dem Hollywood Walk of Fame geehrt wird. Foto: Chris Pizzello/Invision/ap/dpa

LAS VEGAS: Der Mord an dem erfolgreichen US-Rapper Tupac Shakur schockierte 1996 die Öffentlichkeit - und warf viele Fragen auf. 27 Jahre später gibt es eine erste Festnahme und Anklage. Der Tatverdächtige ist ein früheres Gang-Mitglied.

27 Jahre lang gab der Mord an dem berühmten US-Rapper Tupac Shakur («All Eyez on Me») Rätsel auf - jetzt sitzt ein Tatverdächtiger in Haft. Der 60-Jährige wurde in Las Vegas im US-Bundesstaat Nevada festgenommen. Der frühere Gang-Anführer sei von einer Grand Jury unter anderem wegen Mordes mit Gebrauch einer tödlichen Waffe angeklagt worden, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Freitag (Ortszeit) in Las Vegas mit.

Shakurs Familie habe 27 Jahre lang auf «Gerechtigkeit» gewartet, sagte Sheriff Kevin McMahill. Die Ermittler hätten unzählige Stunden und jahrzehntelange Arbeit in die Aufklärung gesteckt. Zunächst fehlten aber ausreichende Beweise, um den Fall vor Gericht zu bringen. Am Ende hätten unter anderem die eigenen Worte des Festgenommenen die Untersuchungen weitergebracht, sagte Jason Johansson von der Mordkommission. Im Juli ordnete die Polizei die Durchsuchung seines Wohnhauses in der Stadt Henderson im US-Bundesstaat Nevada an.

Der Angeklagte selbst hatte in den vergangenen Jahren mehrfach öffentlich darüber gesprochen, dass er in dem weißen Cadillac gesessen habe, aus dem 1996 in Las Vegas die Schüsse auf Shakur abgefeuert wurden. Er sei der einzige Insasse aus dem Auto, der noch lebe, hatte der 60-Jährige in Interviews gesagt. Die tödlichen Schüsse habe sein Neffe abgegeben. Dieser war 1998 selbst bei einer Schießerei ums Leben gekommen. 2019 etwa schrieb der jetzt Festgenommene in seinen Memoiren «Compton Street Legend» auch über seine Vergangenheit in einer berüchtigten kalifornischen Gang.

Die Polizei beschrieb den Tatverdächtigen nun als Drahtzieher des Mordes am 7. September 1996, als der 25 Jahre alte Shakur in einem Auto in Las Vegas angeschossen wurde und sechs Tage später im Krankenhaus starb. Der Rapper war in der Tatnacht mit Suge Knight, Mitbegründer des für Gangsta-Rap bekannten Labels Death Row Records, unterwegs gewesen.

Sie hatten sich zuvor in der Casino-Stadt einen Boxkampf von Mike Tyson angesehen. Danach sei es in einem Hotel zu einer Schlägerei gekommen, bei der ein Neffe des nun Festgenommenen von Shakur und Knight verprügelt worden sei, sagte Ermittler Johansson. Onkel und Neffe gehörten demnach einer südkalifornischen Bande an, die mit der Gang, der Suge Knight nahe stand, verfeindet war.

Von Rache motiviert habe der Angeklagte eine Waffe besorgt und sie dann im weißen Cadillac den hinten sitzenden Männern gereicht, um auf Shakur und Knight im fahrenden Auto zu schießen. Auch wenn der Mann nicht selbst die Waffe bedient habe, so könne er von Gesetzes wegen dennoch in dem Mordfall belangt werden, betonte Staatsanwalt Steve Wolfson am Freitag.

Die Familie des Rappers reagierte verhalten auf die Nachricht von der Festnahme. Dies sei ein «entscheidender Moment», schrieb Shakurs Schwester Sekyiwa «Set» Shakur, Vorsitzende der «Tupac Amaru Shakur»-Stiftung auf Instagram. Sie werde sich aber ein Urteil vorbehalten, bis alle Fakten und Gerichtsverfahren abgeschlossen seien. Für Shakurs Stiefbruder Mopreme Shakur ist dies eine «bittersüße» Entwicklung. Die Polizei habe lange von dem Tatverdächtigen gewusst, sagte er laut CNN. «Warum jetzt?», zitierte der US-Sender den Bruder. «Für uns ist es noch nicht vorbei. Wir wollen wissen, warum und ob es Komplizen gab.»

«Nun hoffe ich, dass wir einige Antworten bekommen und ein wenig damit abschließen können», schrieb US-Schauspielerin Jada Pinkett Smith (52) in einer Instagram-Story. Sie und Shakur kannten sich laut US-Medienberichten seit den späten 80er Jahren und waren gute Freunde.

Der ungeklärte Mordfall führte zu Spekulationen über mögliche Motive oder Täter. So wurden auch Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Rappern der Ost- und Westküste ins Spiel gebracht. Dies wurde im März 1997 nach dem gewaltsamen und bis heute ungeklärten Tod des Rappers The Notorious B.I.G. laut. Der gebürtige New Yorker stand für den Rap an der Ostküste, er wurde in Los Angeles im Auto erschossen.

Shakur gehörte zu den erfolgreichsten Rap-Künstlern der 1990er Jahre. In zahlreichen Liedern hatte er ein Leben als Gangster porträtiert und zum Aufstand gegen Rassismus und die Armut in den schwarzen Gettos aufgerufen. Der Hip-Hop-Star war zeitweise in Drogenhandel und andere Kriminalität verwickelt, er kam auch ins Gefängnis.

Millionen Fans weltweit verehren den Rapper und seine Musik noch immer. 2017 wurde der Musiker in die Rock and Roll Hall of Fame in Cleveland (Ohio) aufgenommen. Im vergangenen Juni wurde er posthum mit einem Stern auf Hollywoods «Walk of Fame» geehrt.

Erst im Juli war in New York ein von Shakur selbst entworfener Ring, den er bei seinem letzten öffentlichen Auftritt getragen hatte, für rund eine Million Dollar (etwa 950.000 Euro) versteigert worden. Nach Angaben des Auktionshauses Sotheby's war das die höchste Summe, die jemals bei einer Auktion für ein Hip-Hop-Erinnerungsstück gezahlt wurde.

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