Bevölkerung sauer auf Regierung nach Covid-19-Fall

Großflächige Desinfektionsmaßnahmen in Rayong nach Bekanntwerden des Falles. Foto: Rayong Municipality
Großflächige Desinfektionsmaßnahmen in Rayong nach Bekanntwerden des Falles. Foto: Rayong Municipality

RAYONG: Einwohner und Unternehmen in der Ostküstenprovinz Rayong lassen ihrer Wut freien Lauf, dass die Regierung es versäumt hat, sie davor zu warnen, dass ein mit dem Coronavirus infizierter Soldat aus Ägypten während seines Zwischenstopps in Thailand gegen die Quarantäneauflagen verstieß und sich ungehindert frei in der Provinzhauptstadt bewegte. Unter anderem besuchte der Mann ein populäres Einkaufszentrum.

„Wir haben die ganze Zeit die Maßnahmen der Regierung zur Unterdrückung von Covid-19 angewendet. Alles, was wir von ihr verlangen, ist eine rechtzeitige Warnung vor einem bestehenden Covid-10-Risiko. Ist das zu viel verlangt?“, klagte Nalinee P., 29, am Dienstag.

Nalinee P. und ihr 11-jähriger Sohn gehören zu den mehr als 400 Personen, die am Samstag das Einkaufszentrum zum selben Zeitpunkt besucht hatten, als sich auch die Besatzung eines ägyptischen Militärflugzeugs dort aufhielt. Sie müssen sich jetzt einen Covid-19-Test unterziehen, nachdem bekannt wurde, dass eines der Besatzungsmitglieder positiv auf Covid-19 getestet wurde. Wie auch viele andere Besucher der Shopping Mall muss sie jetzt eine 14-tägige Selbstquarantäne absolvieren, was für sie Einkommenseinbußen zur Folge hat, da sie nicht wie geplant Überstunden leisten kann. Ihren Sohn erwartet eine erneute unterrichtsfreie Zeit, nachdem am Dienstag alle 127 Schulen der Provinz geschlossen wurden, um das Risiko einer Ausbreitung des Virus einzudämmen.

Mobile Biosicherheitslabor werden 14 Tage in Rayong stationiert

Das Gesundheitsministerium schickte am Dienstag drei mobile Biosicherheitseinheiten nach Rayong. Die mobilen Labore werden 14 Tage lang vor dem Eingang der Shopping Mall bereitstehen, um der Bevölkerung die Möglichkeit zu geben, einen Nasen-Abstrich-Test durchführen zu lassen.

Nalinee gehört zu den 394 Personen, die vom Gesundheitsministerium am Dienstag aufgefordert wurden, sich sofort testen zu lassen, da sie sich vor dem Betreten der Shopping Mall auf der Plattform zur Personenrückverfolgung „Thai Chana“ angemeldet hatte, wie es die Regierung empfiehlt.

Am Dienstag standen Hunderte von Menschen für den Nasen-Abstrich-Test Schlange. Die meisten von ihnen sahen eher wütend als ängstlich aus, sich mit dem Virus angesteckt haben zu können. Unter den verärgerten Einheimischen war auch Jeerapong W., ein 42-jähriger Fabrikarbeiter, der sich mit seiner Mutter und seiner Tochter testen lassen wollte.

„Die Regierung hat uns Informationen vorenthalten. Dieser Fall beweist, dass unsere Regierung möglicherweise nicht in der Lage ist, mit Covid-19 umzugehen“, sagte er der „Bangkok Post“. Jeerapong führte fort, dass die Einwohner Rayongs befürchten, dass die Soldaten nachts um die Häuser gezogen sein könnten: „Wir wollen, dass die Regierung offenlegt, wo sich die Männer aufgehalten haben, damit wir uns besser schützen können.“

Internationale Großkonzerne in Rayong warnen ihre Mitarbeiter

Gemäß einem Schreiben eines großen internationalen Konzerns in Rayong an seine Mitarbeiter, das der Redaktion des Magazins DER FARANG zur Verfügung gestellt wurde, soll sich der positiv getestete ägyptische Soldat an nachfolgenden Orten aufgehalten haben:

8. Juli 2020: Ankunft U-Tapao International Airport. Check-in im D Varee Rayong.

9. Juli 2020: Flug von U-Tapao nach China und zurück. Aufenthalt im Hotel.

10. Juli 2020: Covid-19-Test und Warten auf das Ergebnis.

10. Juli 2020: Besuch im Laemthong Department Store

10. Juli 2020: Besuch im Central Plaza Rayong

11. Juli 2020: Rückflug nach Ägypten.

12. Juli 2020: Ankunft in seinem Heimatort in Ägypten und Erhalt des positiven Coronavirus-Testergebnisses.

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Markus Boos 16.07.20 17:07
Ok Frank
Ich habe schon an anderer Stelle hier bemerkt, dass wir so langsam aber sicher mit einer reinen Maskenpflicht gut beraten wären. Wir sind, so glaube ich, künftig selber in der Lage uns zu schützen.

A pro pos paranoid. Gute Idee. Muss mal wieder Black Sabbath auflegen. Bei dem Gewitter hier wird das kaum jemand stören. ;-))
FRANK Jaturat 15.07.20 22:51
Paranoid
mir Unverständlich ist der schon nahezu paranoide Umgang mit Covid.

Um die Tourismusbranche zu retten, braucht mehr Coolness.

Ich meine nicht Verantwortungslosigkeit, aber es werden noch der eine oder andere Fall auftauchen.

Wolfgang Traugott 15.07.20 17:52
Warum brauchen Soldaten keine Quarantäne???
Den Ärger der Bevölkerung kann ich verstehen. Von den einheimischen Zivilisten wird erwarteet, dass sie jetzt 2 Wochen in Quarantäne gehen. Die befreundeten Militärs dürfen ohne jede Wartezeit shoppen gehen. Kann man von einem Soldatn nicht verlangen, dass er wenigstens bis zum Vorliegen des Testergebnisses wartet, wenn man das sogar von hochrangigen amerikanischen Militärs verlangt?????

Ich glaube an die thailändische Regierung und dass dies ein unbeabsichtigter Fehler war. Man hat ja im Nachhinein alles Erdenkliche getan und Fehler passieren überall. Schließlich war ein nicht korrekt gemeldeter Corona-Infizietrter im österreichischen Ischgl Ausgangspunkt für tausende Infektionen und es dauerte WOCHEN, bis man wirklich reagiert hat. Thailand war also viel besser als Österreich. (Ja, ich bin Österreicher). Aber dafür sollte jemand zur Rechenschaft gezogen werden.
Peter Maerz 15.07.20 16:07
Unterm Tisch ...
Man darf hier ja nichts mehr sagen wegen Fake-News Bestrafung. Aber das Ganze sieht mir eher nach Gefaelligkeit aus. Wir alle wissen ja Bescheid, was hier so alles "unterm Tisch" abgewickelt wird. Von den offiziellen Erklaerungen glaube ich kein Wort.
Ingo Kerp 15.07.20 13:07
Warum wird ein C-Infizierter, der lediglich einen Zwischenstop in U-Tapao macht, nicht sofort in Quarantäne genommen? Ein schwer verständlicher Vorgang der Behoerden. Da ist es mehr als verständlich, wenn die Bevoelkerung sich aufs Äußerste erzürnt zeigt.