13. milder Winter in Folge

Februar bricht Rekord

Deutschlands Winterwetter in Potsdam. Foto: epa/Filip Singer
Deutschlands Winterwetter in Potsdam. Foto: epa/Filip Singer

OFFENBACH: Der diesjährige Winter ist deutlich zu warm - schon wieder. Insbesondere der Februar sticht heraus. Auch der Niederschlag zeigt sich rekordverdächtig.

Rekord-Regenmengen, wenig Sonne und ein besonders milder Februar: Der diesjährige Winter in Deutschland ist Meteorologen zufolge erneut deutlich zu warm ausgefallen. «Von wenigen Stippvisiten abgesehen, zeigte der Winter 2023/2024 nur selten seine kalte Seite», teilte der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Mittwoch in Offenbach mit. Damit sei es der 13. milde Winter in Folge und der drittwärmste sowie einer der nassesten seit 1881. Der DWD bezieht seine vorläufige Winter-Bilanz auf die ersten Auswertungen der bundesweit rund 2000 Messstationen.

Die durchschnittliche Temperatur lag demnach bei 4,1 Grad und damit 3,9 Grad über dem Wert der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Im Vergleich zur aktuellen und wärmeren Vergleichsperiode 1991 bis 2020 waren es demnach 2,7 Grad mehr. «So wurde der letzte Winter auf den dritten Platz der mildesten katapultiert, hinter den Wintern 2006/2007 und 2019/2020.»

Wetter-Experten hierzulande orientieren sich am meteorologischen Winter, der vom 1. Dezember bis zum 28. Februar dauert. Auch aus statistischen Gründen berechnen die Forscher ihre Daten in ganzen Monaten. Der astronomische oder auch kalendarische Frühlingsanfang ist in diesem Jahr am 20. März. Zu diesem Zeitpunkt steht die Sonne senkrecht über dem Äquator und wandert fortan nach Norden.

Statt Winterkälte «bereitete sich die Natur auf den Frühling vor», hieß es vom DWD. Der Januar überraschte demnach mit reichlich Sonnenschein und «der Februar 2024 brach schließlich sämtliche Temperaturrekorde und präsentierte sich eher wie ein Aprilmonat». Das Temperaturmittel lag in dem Monat mit «beispiellosen 6,6 Grad» um 6,2 Grad über dem Wert der Referenzperiode (0,4 Grad). Der bisherige Rekord lag bei 5,7 Grad im Jahr 1990.

Dementsprechend wurde es in Bayern bereits am 16. Februar frühlingshaft: Laut DWD registrierte man in Rosenheim mit «18,8 Grad die höchste Temperatur Deutschlands innerhalb der letzten drei Monate.» Der tiefste Wert wurde in Leutkirch-Herlazhofen im Allgäu in Baden-Württemberg gemessen. Am 20. Januar zeigten die Thermometer dort minus 19,5 Grad an.

Auch der Niederschlag zeigte sich rekordverdächtig: Insgesamt war es den Angaben nach ein sehr nasser Winter. So fielen im Durchschnitt rund 270 Liter pro Quadratmeter - im Vorjahr waren es 170 Liter. Insbesondere der Norden sei «von historischen Dezemberniederschlägen betroffen» gewesen, hieß es. Tagelanger Dauerregen hatte beispielsweise in weiten Teilen Niedersachsens über die Weihnachtsfeiertage für eine angespannte Hochwasserlage gesorgt. Zahlreiche Flüsse traten über die Ufer und verwandelten die Umgebung in Seenlandschaften.

«Auch anschließend blieb es flächendeckend nass», hieß es vom DWD. Temporärer Schnee sei nur im höheren Bergland von längerer Dauer gewesen. Mitte Januar färbten größere Mengen Schnee dann doch fast ganz Deutschland weiß - wenn auch nur für wenige Tage. Die meisten Schneetage gab es laut DWD im äußersten Norden, im Alpenvorland sowie in den südlichen und zentralen Mittelgebirgen.

Die Sonne schien den Meteorologen zufolge vorwiegend im Januar. Mit rund 156 Stunden lag die Sonnenscheindauer im Winter knapp über dem Sollwert von 153 Stunden des Zeitraums 1961 bis 1990 und rund 10 Prozent unter dem Sollwert im Zeitraum 1991-2020 (170 Stunden). Das Alpenvorland war mit mehr als 250 Stunden das sonnigste Gebiet. «Das norddeutsche Tiefland beherbergte mit gebietsweise weniger als 100 Stunden die schattigsten Plätzchen.»

Peter Hoffmann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Zu milde Winter sind bereits in den letzten Jahrzehnten zur Regel geworden.» Der Winter 2023/24 mache einmal mehr eindrucksvoll deutlich, was es bedeuten könne, wenn auch die Niederschläge in den Mittelgebirgslagen überwiegend in Form von Regen fielen: «Hochwasser wie im Dezember 2023 können dann häufiger auftreten.» Die Lage bei der Trockenheit in den tieferen Bodenschichten habe sich dagegen entspannt. «Die überdurchschnittlichen Regenmengen konnten entscheidend zur Grundwasserneubildung beitragen.»

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