100 Jahre Österreich - Staatsakt mit Mahnung zur Toleranz

Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Foto: epa/Angela Weiss
Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Foto: epa/Angela Weiss

WIEN (dpa) - Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat vor einer Demokratie-Müdigkeit gewarnt. Wer sich nach schnelleren politischen Lösungen in einer weniger liberalen Demokratie sehne, liege falsch. «Es gibt keine Abkürzungen.

Der Weg zur gemeinsamen Lösung mag manchmal steinig sein, aber er ist aller Mühen wert», betonte das Staatsoberhaupt bei einem Festakt zur 100-Jahr-Feier der Alpenrepublik am Montag in Wien. Die liberale Demokratie sei mehr als die Herrschaft der Mehrheit. «Die liberale Demokratie verlangt nach der Vielfalt der Stimmen und dass keine Stimme ungehört bleibt», erinnerte der Bundespräsident an die Minderheitenrechte und die Unverzichtbarkeit der Toleranz.

Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) mahnte angesichts der Erfahrungen in der österreichischen Geschichte zum bewussten Umgang mit der Sprache. «Gewalt in der Sprache kann sehr schnell zu Gewalt in den Taten führen.» Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) nannte die Nazi-Zeit und die Judenverfolgung das dunkelste Kapitel in der Geschichte des Landes. Das Land trage eine Verantwortung, dass es nie wieder zu solchen politischen Entwicklungen kommen könne.

Vor 100 Jahren löste die Republik eine jahrhundertelange Monarchie ab. Es war angesichts der riesigen Gebietsverluste nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg ein Beginn voller Angst und Skepsis. So waren die ersten Jahre der Republik bestimmt von großer wirtschaftlicher Not. 1938 kam es zum «Anschluss» an Nazi-Deutschland. Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb Österreich neutral und wurde kein Mitglied der Nato. Seit 1995 gehört das Land zur EU.

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