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Die Holzfäller waren wieder einmal da…

Die meisten „Thai-Oliven“ müssen dran glauben und auch ein paar „Sombreros“

Diese gefährliche Arbeit wollte ich meinen Gärtnern nicht zumuten, ich habe auswärtige Holzfäller engagiert. Fotos: hf
Diese gefährliche Arbeit wollte ich meinen Gärtnern nicht zumuten, ich habe auswärtige Holzfäller engagiert. Fotos: hf

Mein langjähriger Gärtner macht sich schon über mich lustig: „Pflanzen, abhauen, pflanzen, abhauen.“ Doch diesmal bleibt ihm die Mühe erspart, ich engagiere auswärtige Holzfäller.

Liegt der Stamm am Boden, ist das Ziel recht nah.
Liegt der Stamm am Boden, ist das Ziel recht nah.

Der Schmetterling-Bohnen-Baum hört auch auf den schönen Namen „Sombrero“, denn die Clitoria racemosa (so der wissenschaftliche Name) wächst nicht nur schnell, er bildet eben auch rasch eine ausladende, dicht belaubte Krone. Das macht ihn zum idealen Schattenspender. Dass der Baum außerdem wunderschöne, violette Blüten in großer Zahl hervorbringt, spricht ebenfalls für ihn. Nur die Katzen mögen ihn nicht, denn sie erschrecken, wenn seine dekorativen Bohnen mit einem lauten Knall bersten, die Samen weit schleudern und sich so an die Eroberung der Welt machen.

Sich ungefragt selbständig gemacht

Ich habe den Baum erstmals in Fortaleza (Brasilien) gesehen und ein paar Bohnen davon mitgenommen, die Samen keimten bestens. Dann geriet alles rasch außer Rand und Band. Die gepflanzten Bäume wuchsen rasend schnell, aber auch die in den Töpfen befreiten sich aus ihren Zwangsja­cken, sprengten ihre Plastiktöpfe, aber auch Betonringe und wuchsen unbegrenzt, trotz des absolut lausigen Bodens.

Der Holzfäller arbeitet sich von oben zum Boden herab.
Der Holzfäller arbeitet sich von oben zum Boden herab.

In wenigen Jahren haben sie einen großen Teil des Gartens mit Schatten belegt. Es war zwar sehr angenehm an einem wirklich heißen Tag unter ihnen zu wandeln, aber es waren einfach zu viele und sie mussten nun – bis auf zwei - weg, weil andere Bäume dahin sollen, die Sonne brauchen.

Vorher allerdings haben sich die engagierten drei Holzfäller und die wackere Frau des Chefs an die sogenannten „Thai-Oliven“ (Spondias pinnata) oder Ma-kok auf Thai gemacht. Auch sie hatte ich als Samen aus Brasilien mitgebracht und mich jeweils vor Besuchern aufgeplustert, dass es diese Bäume nur in meinem Garten gebe, bis einer der Thai-Gärtner mir sagte, das sei ein Ma-kok, und den gebe es hier schon immer, was auch stimmt, denn er stammt ursprünglich aus Südostasien, ich habe ihn einfach zum ersten Mal in Brasilien gesehen. Eine schöne Blamage!

Auch diese „Thai-Oliven“, die nichts mit den wirklichen Oliven zu tun haben, aber einfach größere saure Früchte liefern, die ein wenig den Oliven gleichen, sind wahnsinnig schnell gewachsen und haben überall starke Wurzeln gebildet, aber vor allem: Sie standen allen anderen in der Sonne. Zudem haben diese undankbaren Geschöpfe bis jetzt noch keine Früchte geliefert. Das war das Todesurteil, alle, bis auf einen, sollten sie nun umgehackt werden.

Ameisen sind grausame Viecher

Das Ma-kok-Holz will ich zum räuchern verwenden.
Das Ma-kok-Holz will ich zum räuchern verwenden.

Die Holzfäller stiegen also auf die Bäume und hieben größere Äste weit oben ab. Langsam arbeiteten sie sich herunter, bis nur noch ein Rumpf-Ma-kok dastand. Wer nun glaubt, das sei eine angenehme Arbeit in schwindelnder Höhe und immer an der frischen Luft, der hat die Roten Ameisen nicht einkalkuliert. Die machen den Holzfällern das Leben regelrecht zur Hölle, greifen gnadenlos immer wieder an, dass es eine einzige Qual ist. Sogar der fotografierende Farang bekam sein Fett ab, die Ameisen haben ihn offenbar sofort als Auftraggeber der ganzen Aktion identifiziert.

Ich will mit dem gewonnenen Ma-kok-Holz später auch räuchern. Sollte irgendjemand Interesse an Ma-kok-Pellets haben, soll er sich bei mir melden, ich schicke gerne eine Tüte zu, möchte so Erfahrungen sammeln und die Meinung von anderen hören.

Ich hätte auch Pellets von den diversen „Sombreros“, die nach den Ma-koks an die Reihe kamen, traue denen aber einfach aus einem Bauchgefühl heraus weniger zu…

Hans Fritschi, Jahrgang 1957, ist ehemaliger Journalist und Buchautor, er lebt seit 1991 in Thailand. Mehrere Monate des Jahres reist er in der Welt herum, den Rest verbringt der Hobbygärtner in Pattaya und Nong Khai. Falls Sie Fragen und Anregungen an unseren Gartenkolumnisten haben, oder seinen Garten mal anschauen möchten, schicken Sie ihm eine E-Mail an hansfritschi1957@gmail.com oder besuchen Sie seine Webseite www.discovery-garden.net oder Facebookseite.



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