Deutscher nach Razzia: Pass weg, Glaube weg

Polizeieinsatz gegen Ausländerkriminalität – Die andere Perspektive

Faszination Tauchsport: Viele zertifizierte Tauchschulen im Archipel Samui bilden seit Jahren Schüler aus aller Welt aus – war das ohne Begleitung eines thailändischen Oberüberwachers illegal?
Faszination Tauchsport: Viele zertifizierte Tauchschulen im Archipel Samui bilden seit Jahren Schüler aus aller Welt aus – war das ohne Begleitung eines thailändischen Oberüberwachers illegal?

KOH SAMUI: Am 5. Oktober geriet die wankende Welt des Tauchschulbesitzers Wolfgang J. (55) am Pier von Bangrak auf Koh Samui weiter in Schieflage. Einheiten der Tourist Police, Polizei und Immigration nahmen am frühen Morgen das Tauchboot der ‚Easy Divers‘ auseinander. Drei Tauchstudenten wurden vorübergehend festgenommen und wenig später landete auch der Chef aus Frankfurt in einer Zelle.

Die staatsverordnete Mobilmachung gegen ‚ausländische Gesetzesbrecher und Mafiagruppierungen‘ – wie im Verlauf dieser Woche in vielen thailändischen Zeitungen nachzulesen – scheint insbesondere kleine und mittelständische Unternehmer betroffen zu haben. Auf Phuket und Koh Samui griffen Spezialeinheiten zu. Eine der betroffenen Firmen war die seit über 25 Jahren auf Samui tätige beliebte deutsche Tauchschule Easy Divers.

Weshalb drei Tauchstudenten direkt am Pier des Ocean Eleven Hotels in Bangrak mitgenommen wurden, schilderte Geschäftsführer Wolfgang J. so: „Sie hatten bei ihrem geplanten Tauchausflug Richtung Koh Tao keine Reisepässe bei sich und auch keine Kopien.“ Der Frankfurter Mitgesellschafter der Easy Divers wurde aus dem Bett geklingelt und zur Polizeistation beordert. Dort habe man ihm mitgeteilt, er habe illegal sein Tauchgeschäft betrieben, weil sich kein zertifizierter Mitarbeiter thailändischer Nationalität der ‚Tourism Authority of Thailand‘ (TAT) auf dem Boot befunden habe.

Für den 55 jährigen wird das ein Nachspiel haben, ungeachtet der Tatsache, dass kein Tauchschulbetreiber im Inselarchipel Samui, Phangan und Koh Tao je etwas von einem solchen qualifizierten Tauchbegleiter der TAT gehört hatte. Sein Pass wurde eingezogen und der seit 22 Jahren auf Koh Samui lebende unbescholtene Deutsche zu seinen Tauchstudenten in die Gefängniszelle der Polizeidirektion Chaweng-Bophut gesteckt.

Erst um 19 Uhr kamen die vier geschockten Easy-Divers-Mitarbeiter frei. Wolfgang J. musste 50.000 Baht Kaution hinterlegen und wartet mit Bangen auf seine Verhandlung vor dem Provinzgericht Koh Samui. Der Frankfurter ist sich keiner wirklichen Schuld bewusst. „Wie um Himmels Willen will die Tourism Authority of Thailand denn plötzlich für alle ausländischen Tauchschulen zertifizierte einheimische Tauchlehrer aus dem Hut zaubern?“, fragt er sich. Und: „Wie viele davon können halbwegs verständlich Englisch, Deutsch, Französisch oder Russisch und Chinesisch?“

Dass unter fremdem Management stehende Tauchschulen durch diese Razzia erfahren mussten, wie illegal ihre jahrelange Tätigkeit ohne thailändische Oberüberwacher an Bord gewesen sei, das macht viele betroffen und sorgt für massive Unsicherheit. „Im Grunde können wir aufgrund solcher Vorgaben nur hoffen, dass uns die TAT schnellstens qualifizierte Leute schickt und mitteilt, wie diese bezahlt werden sollen“, sagt ein britischer Tauchsportlehrer aus Bangrak.

Das Damoklesschwert von Gesetzesverstößen und damit einhergehender Kontrollen und Festnahmen schwebte seit jeher über allen nicht-thailändischen Tourismusunternehmern. Laut Gesetz in Thailand darf kein westlicher Angestellter als Fremdenführer fungieren. Bei Tauchschulen und Anbietern von Segel- und Ausflugstouren ist die Interpretation schwer. Wann beginnt man ein Touristen-Führer zu sein und wie lange ist man einfacher Tauchinstrukteur oder Skipper?

Die Antwort wird Wolfgang J. demnächst vor dem Provinzgericht Koh Samui erhalten. So lange bleibt sein deutscher Reisepass von den Behörden eingezogen. In vergangenen Jahren hatten sich er und viele Kollegen nach Strafzahlungen zumeist mit den Kontrolleuren arrangieren können. „Dass ich jetzt wie ein Krimineller vor Gericht antanzen muss, das hat allerdings eine neue Tragweite.“

Wolfgang J. und seine Kollegen haben viel erlebt in Thailand, bürgerkriegsähnliche Zustände nach Aufständen der Gelb- und Rothemden, Naturkatastrophen wie den verheerenden Monsun des Jahreswechsels 2016/2017, die Vogelgrippe, den Militärputsch 2014. Nun steht der Tauchschulbetreiber selbst im Zentrum eines Sturms, dessen Auswirkungen ihm Angst einflössen. Neben dem gewohnten Existenzkampf jagt ihm nun die Vorstellung Unbehagen und Furcht ein, seinen freien Status im Land der Freien eingebüßt zu haben.

Fotos: Divepoint
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