Wo nur gibt es hier gute Gartenerde?

Wir mischen sie nun einfach selber und geben viel organisches Material bei

Mit dem riesigen Schredder lassen sich die Schalen der Kokosnüsse effizient mahlen. Das gibt gutes organisches Material für unsere selber gemischte Pflanzenerde.  Fotos: hf
Mit dem riesigen Schredder lassen sich die Schalen der Kokosnüsse effizient mahlen. Das gibt gutes organisches Material für unsere selber gemischte Pflanzenerde. Fotos: hf

Jeder der in Thailand gärtnern möchte, wird bald einmal mit der Frage konfrontiert: Wo gibt es hier bloß gute Gartenerde, die auch noch einigermaßen erschwinglich ist?

Gartenerde-Mischversuch.
Gartenerde-Mischversuch.

Wer nur einen Balkon bepflanzen will, kann die Erde problemlos in diesen größeren und kleineren Säcken kaufen. Wer aber zum Beispiel ein neues Haus gebaut hat, wird sich in der Endphase mit der gleichen Frage herumschlagen, wer liefert hier gute, günstige Gartenerde in großen Mengen?

Ein älterer Herr war lange der Lieferant

Für uns stellt sich das Problem in großen Dimensionen, weil wir immer wieder auch Setzlinge in großen Mengen ziehen, etwa die Kakaosetzlinge, die wir gegenwärtig in Nong Khai heranziehen. Dort etwa verwenden wir den Sand aus dem Mekong, dem wir Kuh- oder Schweinemist beigeben, das gibt ganz gute Resultate. Man sollte immer die lokalen Gegebenheiten berücksichtigen.

Aus den Riesenzitronen ma­­­- che ich u. a. auch Limonade.
Aus den Riesenzitronen ma­­­- che ich u. a. auch Limonade.

Hier in Pattaya hatten wir lange einen älteren Herrn, der uns die Pflanzerde per Lastwagen angeliefert hat. Die Preise schwankten, zwischen 5.000 und 8.000 Baht wollte er jeweils, mal war die Erde gut, mal ok, dann wieder nicht wirklich überzeugend.

Dann hatten wir einen anderen Lieferanten, der eigentlich auf Wurm-Erde spezialisiert ist, also eine Wurm-Farm betreibt. Daneben mischte er auch noch billigere Erde. Aber in den Töpfen wurde die nach einer Weile steinhart und die Wurzeln der Pflanzen hatten Mühe, Fuß zu fassen.

Fleißige Lieferanten an Feiertagen…

Dann hatten wir eine Glückssträhne: Wir fanden einen Lastwagenfahrer, der uns etwa 30 Wagenladungen sandige Erde lieferte, wie sie in alten Kokosnuss-Plantagen zu finden ist, die oberste, meist sehr sandige Schicht. 800 Baht wurden verlangt, das war sensationell güns­tig. Damit haben wir unsere „Orangerie“ ausgestattet und mit vielerlei bepflanzt. Entlang den Wänden auf der einen Seite haben wir Bananen gepflanzt, die rote Früchte liefern. Dann haben wir Rizinus, Baumwolle, Roselle, verschiedene Ananas etc. gepflanzt. Alles immer herum um die diversen Zitrusfrüchte, die die Spezialität hier sind.

„Oasen“ in der Orangerie ver- bessern den Boden nachhaltig.
„Oasen“ in der Orangerie ver- bessern den Boden nachhaltig.

Leider war der Spuk dann über Nacht vorbei: Der Fahrer, der meistens an Sonn- und Feiertagen lieferte, konnte nichts mehr bringen. Offenbar wurde diese gute Erde beim Bau der neuen Autobahn weggekarrt, sprich gestohlen, und als der Chef dahinterkam, war das einträgliche Geschäft (leider) im Eimer.

Neu kostet ein Lastwagen mit dieser Erde 2.000 Baht... Wir mischen sie nun haushälterisch mit viel organischem Material: Gemahlene Kokosnuss-Schalen, Kuhmist und kleinen Holzkohlestücken, die wir bei Köhlern kaufen können: Ein Reissack voll zu 35 Baht, genau wie der Kuhmist.

Und dann geben wir noch „Hobelspäne“ bei: Wir haben herausgefunden, wo die Gärtner der City Hall ihren „Abfall“ entsorgen, wenn sie Bäume kurz schneiden und die Äste und Baumstämme gleich vor Ort durch einen gewaltigen Schredder jagen.

In unserer „Orangerie“ haben wir die Mitte der ehemaligen Fahrbahn mit einem Band von Betonringen versehen, gefüllt mit unserer Spezialerde. In diesen „Oasen“ ziehen wir nun Tomaten (auch blaue sind mit dabei), allerlei Chilis und Küchenkräuter. An den Stirnseiten und hinter jedem Ring wachsen Papayas heran.

Wenn diese saisonalen Sachen vorbei sind, entfernen wir die Ringe wieder, verteilen die Erde drum herum und haben so einen guten Beitrag zur Bodenverbesserung geleistet.

Hans Fritschi, Jahrgang 1957, ist ehemaliger Journalist und Buchautor, er lebt seit 1991 in Thailand. Mehrere Monate des Jahres reist er in der Welt herum, den Rest verbringt der Hobbygärtner in Pattaya und Nong Khai. Falls Sie Fragen und Anregungen an unseren Gartenkolumnisten haben, oder seinen Garten mal anschauen möchten, schicken Sie ihm eine E-Mail an hansfritschi1957@gmail.com oder besuchen Sie seine Webseite www.discovery-garden.net oder Facebookseite.

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Comments

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Hansruedi Bütler 09/04/2017 13:35
Wo gibt es hier gute Gartenerde?
Auch ich stand vor diesem Problem. Nachdem ich top Erde gekauft hatte, und sich leider schnell herausstellte, dass dies ein "neuer Weg" zur Beseitigung des nicht kompostierbaren Abfalls darstellt, zudem war die "Erde" mit "Rotem Hund" (Glyphosat) in hoher Konzentration vergiftet! Ein weiteres Herbizid (2,4-Dichlorphenoxyessigsäure) konnte ich auch nachweisen. Die Substanz wirkt in kleinen Dosen als Auxin, welches Riesenwuchs bewirkt. Meine Tomaten wurden über 3 m groß. das Immunsystem der Pflanzen war aber stark geschädigt und die Gewächse verdorrten trotz Wasser. 7 kg Tomaten hat es immerhin noch gegeben - Qualität: es geht so. Seither mache ich meine Gartenerde grundlegend selber. Beginnend mit Laub-Kompost und 30% geschredderter, trockenem Kuhmist (ohne Stroh), mache ich eine "fette" Grundmischung, welche ich 1:1 mit Kokosschalenmehl und diese Mischung wiederum 1:1 mit geschreddertem Laub (mulche) mische. Ca und Mg (19:1) bringe ich mit Kreidemehl und MgSO4 Decahydrat, bei. Die K-Bilanz equilibriere ich mit Holzasche. Wenn notwendig dünge ich mit Spurenelementen in der EDTA Form (Chelatkomplexe). In tropisch- und subtropischen Gegenden werden Organika im Boden durch Kleintiere und Mikroorganismen "rasend schnell" abgebaut und muss laufend ergänzt werden. Regenwürmer, Termiten, Ameisen, Käferlarven, Asseln, Hundert- und Tausendfüßer gehören zu den Kleintieren die organisches Material am und im Boden abbauen. Den Rest besorgen Bakterien und Pilze, so lange es feucht ist!