Von Nörglern, Egoisten und Querdenkern

Als ein Mensch, der viele Länder dieser Erde bereist hat, frage ich mich: Warum sind die Menschen so unterschiedlich? Es gibt Länder, wo man überall freundlich empfangen wird, in anderen Ländern ändert sich das von Stadt zu Stadt und – manchmal – sogar von Haus zu Haus. Ich habe nicht den geringsten Schimmer, woran das liegen könnte. Ich begegne allen Menschen mit derselben Höflichkeit und Freundlichkeit. Warum erfahre ich gelegentlich Ablehnung, warum häufig so großes Entgegenkommen oder gar Gastfreundschaft?

Ich lebe seit vielen Jahren in Thailand und treffe auch immer wieder auf Menschen, denen ich vorher noch nie begegnet bin. Auf diese Weise habe ich hier Freunde gefunden, aber auch Typen, denen offensichtlich das Selbstwertgefühl abhandengekommen war. Manchmal waren sie muffig, dann wieder aggressiv. Und das völlig grundlos. Was geht in diesen Menschen vor? Sind die mit sich noch im Reinen? Hadern sie mit ihrem Leben oder missgönnen sie anderen, dass die sich hier wohl fühlen? Warum? Es geht ihnen wirtschaftlich und gesundheitlich gut, zumindest haben sie keinen Grund zum Leiden. Das Problem spielt sich offenbar in ihrem Inneren, im Hirn ab. Dort findet das wahre Leben statt. Oft können diese Leute gar nichts dafür wie sie reagieren. Das Hirn bestimmt das Tun! In meinem Umkreis befinden sich einige Leute, die nicht immer wissen, wie sie sich verhalten sollen. Sie sind nicht krank, aber anders strukturiert. Vielen ist die Lebensfreude abhandengekommen. Deshalb reagieren sie auf fröhliche Menschen ablehnend, fast allergisch. Ich versuche immer wieder sie aufzumuntern, mache ihnen Komplimente, aber das ist am nächsten Tag schon wieder obsolet. Und nicht immer sucht man sich sein engeres Umfeld selbst aus. Da trifft man jemanden, der oder die einem symphatisch ist, aber da hängt noch jemand mit dran. Nun gut, dann hat man noch jemand am Hals. Aber dann bleiben manchmal auch Streitereien nicht aus. Typen, die mit sich selbst nicht klar kommen, verabschieden sich dann irgendwann. Andere, die auf Streit und Rechthaberei aus sind, können einem schon den Abend verderben. Seit es das Smartphone gibt, wird mancher Streit dadurch geregelt, dass man das Streitobjekt einfach eingibt. Sekunden Später ist das Ergebnis da: „Ja, da habe ich mich wohl geirrt.“ Ich entschuldige mich dafür. Fall erledigt. Früher haben wir uns stundenlang über dieses Thema gezankt. Ein Vorteil der neuen Technik, auch wenn sich viele ältere Menschen davon überfordert fühlen. Leider verändert sich die Technik schneller als die Menschen. Sie sind geprägt, oft ein Leben lang, sie sind Nörgler, Meckerer oder Querulanten. Es ist nicht immer einfach, mit ihnen zusammen zu sein. Sie haben an allem etwas auszusetzen, nur an sich selbst nichts.

Wenn ich es richtig beobachtet habe, sind es häufig die Wohlhabenden und Gebildeten, die allerdings auf hohem Niveau nörgeln. Diese Art der Kritik scheint international angesagt zu sein. Einfachere Leute nörgeln am Essen rum, an den ihrer Meinung nach überhöhten Preisen oder an den „blöden Thais“, die ihre im unverständlichen Dialekt aufgegebene Bestellung falsch verstanden haben. Ja, es gibt Abende, die alles andere als friedlich enden. Zum Merkmal dieser Nörgler gehört nach meiner Beobachtung auch, dass sie häufig ihrem Egoismus folgen nach dem Motto: Lieber ein erfolgreicher Egoist als ein duckmäuserischer Angepass­ter. Sie nehmen alle Vorteile in Anspruch, ohne jemals auf die Idee zu kommen, diese mit anderen zu teilen. Dabei ist „Teilen“ das Zauberwort für die Entwicklung unserer Welt. Wer das nicht kapiert lebt in einer Parallelwelt, die mit unserer Realwelt nicht kompatibel ist. Oder wie Nestroy es so kurz wie treffend auf den Punkt gebracht hat: „Der Mensch ist guat, nur die Leit san a Gsindl“.

 Aber gelegentlich habe ich gerade von solchen Menschen Anregungen bekommen, auf die ich selbst nie gekommen wäre. Diese Leute denken hin und wieder quer. Das bedeutet eine andere Weltsicht, und dieser gedanklich zu folgen, kann manchmal zu neuen Einsichten führen. Deshalb ziehe ich aus all dem vorher Gesagten den Schluss, offen zu bleiben für all die Leute, die permanent nörgeln. Im Kern ihrer Kritik könnte genau das stecken, was wir brauchen, um unsere Welt besser zu machen. Muss nicht so sein. Könnte aber.

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