Vieles wird der Markt von selbst regeln

Eine Zuschrift erreichte die Redaktion zum Artikel „Facettenreichtum als Joker“ (FA11/2017) und den dazu in Bezug stehenden Leserbrief „Man muss Pattaya nicht umbauen“ (FA14/2017):

Herzlichen Dank für den Artikel und den Leserbrief. Das schlechte Image Pattayas? Das ist, zumindest in Deutschland, wohl auf Fernsehreportagen aus den frühen 2000er Jahren zurückzuführen, die stets wiederholt werden. Gibt es das auch in anderen Ländern? Geschickt Motive gesucht, geschickt geschnitten sowie kommentiert und immer wieder „van gestern“! Man kann das nicht verbieten.

Ich habe bis 2017 Thailand und Pattaya überwiegend durch solche Berichte kennengelernt. Doch es ist sehr vieles anders, als man denkt. Mir kommt es so vor, als würde heute nur ein trauriger nostal­gischer Rest des Pattayas aus den alten Reportagen existieren. Aber sogar ich, als Späteinsteiger, habe während meiner Besuche gemerkt, wie sich die Stadt sukzessive verändert hat.

Verbieten bringt meiner Meinung nach gar nichts. Ist der Ruf erst mal ramponiert, lebt es sich recht ungeniert, und genau darauf sollte man bauen. Nicht Essen auf Rädern in den Nebenstraßen der Walking Street verbieten. Es folgt toter Asphalt, Brache, wo früher Leben war, für nix und wieder nix. Warum sollen Kneipen erst um 18 Uhr aufmachen? Hotelzimmer sind öde und auch viele neue ändern daran nichts. Eine vorgezogene Sperrstunde produziert nur noch mehr öde Stunden im Hotelzimmer (vielleicht ist aber gerade das beabsichtigt?).

Sitzt man in einer Bar in der Walking Street, kann man sich wenigstens die Langeweile mit Fähnchen zählen vertreiben. Jedes Fähnchen ein Bus! Und die stehen dann in der Beach Road oder Second Road und heizen die Umwelt so richtig auf, damit es die Passagiere kühl haben. Lasst die Leute doch laufen, dann bekommen sie Durst, kehren ein und lassen Geld da. Also verbietet die Busse, die alle anderen Touris­ten verärgern. Glaubt mir, als Münchner kenne ich mich mit Touristen und Tourismus aus.

Warum die Sperrstunde um 3 Uhr? Das will doch niemand. Laute Musik aus um 1 Uhr reicht doch, dann können die Leute miteinander reden bis um 3 Uhr, denn vorher ist es ja zu laut. Und dann sucht man nach Essen auf Rädern für den kleinen Hunger zwischendurch (als Europäer ist es ja erst 22 Uhr oder so!), aber es gibt ja nichts.

Was versteht man unter dem Begriff Qualitätstouristen? Die Leute, die wegen der Hitze übers Wochenende aus Bangkok flüchten? Familienväter, die das Leben vom Nachwuchs bei der Überquerung von Beach Road und Second Road im thailändischen Straßenverkehr riskieren? Ohne sichere Überquerungsmöglichkeiten, gibt es in Pattaya keinen Familientourismus. Nie. Obwohl, alles was überlebt, ist schlank und rank. Die Bustouristen sind möglicherweise die Qualitätstouristen von morgen.

Ansonsten? Im Zuge von wirtschaftlichen Unwägbarkeiten und sinkenden Einkommen in Europa und anderen Industrienationen, sollte man auf Innovation setzen. Der Fortschritt ist durch Partnerportale wie „Casual Dating“ oder „Tinder“ bestimmt, Pattaya scheint (noch) ein geriatrischer Rückzugsort zu sein. Vieles wird der Markt regeln und eher früher als später, Verbote sind da nicht wirklich nötig.

Klaus Huber

Die im Magazin veröffentlichten Leserbriefe geben nicht die Meinung der Redaktion wieder. DER FARANG behält sich darüber hinaus Sinn wahrende Kürzungen vor. Es werden nur Leserbriefe mit Namensnennung veröffentlicht!

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