Verehrung der Lehrer

Lehrer sind in Thailand sehr geachtet und sind - nach den Eltern - die zweitwichtigsten Erzieher, denn sie prägen Kinder, geben Ratschläge und übertragen Kenntnisse. Thaikinder sind deshalb so erzogen, dass sie vor ihrem Lehrer grossen Respekt haben und ihr deswegen mit "Khun Khru" ansprechen. Ausser zu den Eltern haben Kinder auch eine enge Beziehung zu ihren Lehrern. Die meisten Kinder erinnern sich ihr ganzes Leben lang an ihren Khun Khru.

Der thailändische Staat sieht den Lehrerberuf als eine der wichtigsten Entwicklungs-Institutionen, da sie grossen Einfluss auf die Jugend haben. Um den Lehrern Mut zu machen, veranstaltet der thailändische Staat jedes Jahr am 16. Januar "Wan Khru", den offiziellen Lehrertag, an dem alle Schulen, Hochschulen, Universitäten freihaben. An diesem Tag verleiht der Minister für Bildung Medaillen und Auszeichnungen an die Lehrer, die als Beispiel dienen können und die sich mit grossem Einsatz für die Schulkinder aufopfern, insbesonders in den sehr ärmlichen Gegenden. Ebenfalls Lehrer, die verschiedene Kurse und Seminare organisiert haben, an denen die Jugendlichen lernen können, ihre Tauglichkeit für die Zukunft zu erkennen und ihre besonderen Gaben zu entdecken. Somit werden Kinder von Drogen ferngehalten, und stattdessen beschäftigen sie sich dann mit wissenschaftlicher Forschung bzgl. des Naturschutzes. In vielen Schulen gibt es Projekte gegen Umweltverschmutzung, wo die Kinder auch tüchtig mithelfen, aus den Abfall - Milchpackungen oder Plastiktüten wieder verwendbare Gegenstände herzustellen, oder sie erfinden irgendwelche handgemachten Geräte, mit denen die man Energie sparen kann usw.

Jedoch der Lehrerverehrungstag, an dem die Schüler ihren Lehrern durch eine Dankeszeremonie erweisen, wie sehr sie sich für die Mühe der Lehrer bedanken, wird zwischen Mai und Juni begangen, nachdem die grossen Sommerferien zu Ende sind. Bevor das neue Schuljahr beginnt, gibt es in allen Schulen eine Lehrerdankesfeier, "Wan Wai Khru" genannt. Da der Schulanfang jedes einzelnen Ausbildungsinstitutes – vom Kindergarten bis zur Universität - unterschiedlich beginnt, sucht jede Schule selber für sich den Tag der Lehrerverehrung aus, der auf einen Donnerstag (Wan Pharoehat) fallen muss. Der Hindugott, der das Wissen vermittelt und den Menschen Intelligenz schenkt, heisst "Pha-roe-hat”. An dem Tag, an dem in der jeweiligen Schule der Wan Wai Khru gefeiert wird, kommen die Kinder extra früher als sonst. Sie haben die Aufgabe, Blumen, Kerzen und Räucherstäbchen auf dem Phan (goldenen oder silbernen Behälter) zu befestigen. Ein Buddha-Altar wird aufgestellt, ebenfalls mit Blumen, Kerzen und Räucherstäbchen dekoriert, (Buddha wird als Lehrer verehrt, nicht als Gott). Es werden nicht nur die noch lebenden Lehrer verehrt, sondern auch die schon verstorbenen. Nach der Denkensweise der Thais zerfällt der Körper zwar nach dem Tode, aber die Namen, Lehren, Konzepte, Arbeitsleistungen, und vor allem die weisen Worte bleiben in der Erinnerung des kosmisches Gedächtnisses. Zur Lehrerverehrungsfeier werden zwei Schüler von jeder Klasse ausgesucht. Die Jungen bringen den Phan mit Kerzen und Räucherstäbchen, und die Mädchen bringen den Phan mit Blumen. Die Lehrer versammeln sich, und der Schuldirektor oder die Stellvertreter nehmen den Phan an, nachdem die Kinder ihr Dankgebet zu Ende aufgesagt haben. Anschliessend geben die Lehrer den Kindern gute Wünsche für ihre Zukunft und machen ihnen Mut, mit Fleiss und Geduld Erfolg zu erringen. Die Schüler nehmen die Segensworte von ihren Lehrern mit tief geneigtem Kopf und zusammengelegten Händen an.

Thais legen einen grossen Wert darauf, sich vor den Lehrern zu demütigen und ihnen ihre Dankbarkeit zu erweisen. Die thailändische Erziehung besagt, dass undankbare Menschen, die ihren Unterstützer vergessen haben, keinen Aufstieg in ihrem Leben erlangen können. Der Weg zum Glück und Erfolg wird erst dann geöffnet, wenn der Mensch sich an die guten Gaben erinnert und Dankbarkeit erweist. Von besonderer Wichtigkeit ist der Respekt gegenüber dem Lehrer, der die klassischen Thaitänze, thailändische Musik und alle feinen Kunsthandwerke lehrt, weil man durch diese Kenntnisse seinen Beruf ausüben und davon auch leben kann. (Es gibt keinen bestimmten Tag dafür, an dem man diese Lehrer verehren soll). Die Tänzer, Tänzerinnen und Musiker bezeugen ihren Respekt durch den "Wai" vor jeder Vorführung: die Handflächen werden aneinandergelegt und bis in Stirnhöhe geführt. Manche kaufen Jasmingirlanden, ein Respektsymbol der Thais, und hängen sie an ihre Musikinstrumente. Damit bitten sie ihre Lehrer, ihnen während der Vorführung beizustehen und vor allen Fehlern zu bewahren.

Für klassische Thaitänze werden nur zierliche Mädchen mit einer bestimmten Grösse, schmalen Armen und reiner Haut ausgesucht. Wegen ihrer Zierlichkeit verwechseln Ausländer sie oft mit Kindern. Die meisten professionellen Tänzer und Tänzerinnen haben schon als Kind – nicht weniger als 10 Jahre gelernt, bis sie ihren Körper recht geschmeidig und graziös bewegen können. Vor allem müssen die Hände sehr biegsam sein.

Wenn jemand sich z.B. entscheidet, an einem klassischen Thaitanzkurs teilzunehmen, egal, ob als Hobby oder als Beruf, sollte er einem Mönch Essen anbieten, indem er die Speise in seine schwarze Schale hineingibt. Eine Verehrung des schon verstorbenen Lehrers, besonders des Urhebers, der diese Kunst erfunden hat. Durch den Verdienst vom Speisegaben an den Mönch kann man diese erhaltene Seligkeit an die verehrten Lehrer weitergeben, egal, ob sie noch leben oder schon verstorben sind. Thais sind der Meinung, dass Künstler an der Grenze stehen, "verschroben" sind durch die Überspanntheit und durch viel Phantasieren. Wer vor seinem Lehrer keinen Respekt hat, ihm keine Dankbarkeit erweist oder gar beleidigende Bemerkungen andeutet, könnte abnorm sein.

Die Leiche, die man für Anatomiestudien zur Verfügung gestellt hat, wird auch als Lehrer anerkannt, weil man sich von diesem Körper durch dessen Aufopferung viel Wissen aneignen kann. Die Medizinstudenten nennen sie "Acharn Yai", den grossen Lehrmeister.

von Duangdee K. (Khun Daeng)

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