Kurz gefragt: Ursula Spraul-Doring

PHANG NGA: Ursula Spraul-Doring schreibt, malt und reist gerne. Häufig ist sie in Thailand oder anderen Ländern Asiens anzutreffen. Dabei bereitet es ihr große Freude, verschiedenste Menschen kennen zu lernen und ihnen zuzuhören. Wir unterhielten uns mit der Autorin über ihr neues Buch „Altersruhesitz Thailand“. Durch das Interview führte Hans-Dieter Wegerich.

Nachdem Ihr letztes Buch „Glücklich in Thailand“ sehr gelobt wurde, haben Sie dieses Jahr ein neues Buch geschrieben. „Altersruhesitz Thailand – Senioren erzählen ihre Geschichte“. Wie kamen Sie zu dieser Idee?

Bei Lesungen in Deutschland mit meinem Buch „Glücklich in Thailand“ haben mich sehr häufig Zuhörer gefragt, wie es wäre, in Thailand seinen Ruhestand zu verbringen. Viele Menschen in den Fünfzigern machten sich Sorgen, ihren Lebensstandard im Alter mit einer mickrigen Rente nicht aufrecht halten zu können. Und sie wollten wissen, ob sie in Thailand ein angenehmeres Alter erleben könnten.

Es gibt ja schon einige Auswandererbücher auf dem deutschen Markt. Ihr Buch ist etwas anders.

Ja, ich lasse die Senioren persönlich zu Wort kommen. Es sind ganz unterschiedliche Menschen, die ihr Alter in Thailand auf ganz verschiedene Weisen verbringen. Alle meine Pro­tagonisten habe ich nicht nur nach ihren Erfahrungen gefragt, sondern auch, welche Tipps sie Neulingen geben könnten. Das macht meine Geschichten und die Informationen besonders authentisch.

Wie lange haben Sie Material für Ihre Geschichten gesammelt?

Die Recherche hat sich über ein Jahr hingezogen. Mal habe ich 10 Tage in Nordthailand recherchiert, mal eine Woche in Hua Hin etc.

Für dieses Buch haben Sie sich sogar nach Pattaya getraut.

Ja, ja, so kann man sagen. Um Pattaya machte ich auf anderen Reisen immer einen Bogen. Ich fühlte mich dort einfach fehl am Platz. Aber für das Thema „Altersruhesitz“ kommt man um Pattaya nicht herum. Tatsächlich leben die meisten deutschen Rentner in diesem Ort.

Und war es so schlimm, wie Sie befürchtet hatten?

Nein, tatsächlich nicht. Ich traf die unterschiedlichsten Typen in Pattaya, von skurril bis biedermännisch. Aber ich muss sagen, ich wurde überall respektvoll behandelt.

Man kann sich gut vorstellen, wie Ihnen ein Typ wie Wini aus der Geschichte „Wo ich verrecke ist mir scheißegal“ seine Geschichte erzählt. Hatten Sie keine Angst bei solchen Begegnungen? Oder gar mit Hansi, der schon eine Knastkarriere hinter sich hat?

Angst, nein, wovor sollte ich Angst haben? Ich nehme jeden so, wie er ist, ohne Vorurteile, ohne zu werten. Auch bei einer derben Ausdrucksweise zucke ich nicht zurück. Allerdings kann ich die Erzählungen auch steuern oder abbrechen, wenn es zu heftig wird.

Ist es passiert, dass Sie ein Interview abbrechen muss­ten?

Ja, bei einem Deutschen, der mir hauptsächlich von seinen Gottesbegegnungen erzählte. Das mögen ja schöne Erfahrungen für ihn gewesen sein. Leider uferte dieses Gespräch in einen Bekehrungsversuch aus, den ich nicht steuern konnte. Und als mir angedroht wurde, in der Hölle zu landen, habe ich das Gespräch lieber abgebrochen.

Gibt es Personen, die Sie besonders lieb gewonnen haben?

Alle Personen, die mir aus ihrem Leben erzählten, haben ihre eigene Geschichte. Ich hörte ihnen offen und aktiv zu. Beim Schreiben habe ich versucht, das Besondere an jeder Person herauszuarbeiten. Johann, der Bauer aus dem Allgäu, hat es mir ganz besonders angetan. Er erzählte mir seine Geschichte, „Wie ich zu meiner Moo kam“ in seinem Dorf im Allgäu. Und später besuchte ich ihn im Dorf seiner Frau in Nordthailand. Ich war erstaunt, wie aufgeschlossen er sich für das Leben in der Fremde öffnete. Er nimmt die Sachen wie sie sind. Das kommt in seinem Lieblingsausdruck „Es ischt halt so“ gut zum Ausdruck.

Viele Leute erzählen Ihnen sehr offen über ihr Leben, obwohl sie wussten, dass Sie ein Buch daraus machen wollten?

Zu Anfang hat mich das auch erstaunt. Aber ich habe festgestellt, dass viele Senioren dankbar waren, wenn sie erzählen durften und jemand zuhörte. Manchen war es sogar sehr wichtig, dass sie mit Namen erwähnt werden. „Wenn ich einmal nicht mehr bin, ist wenigstens meine Geschichte noch da“, hat mir eine Frau gesagt.

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