Ukraine ermittelt gegen Scooter - Baxxter feiert Krim-Publikum

Foto: epa/Christian Charisius
Foto: epa/Christian Charisius

SEWASTOPOL/KIEW (dpa) - Nach einem Auftritt der deutschen Technoband Scooter auf der Schwarzmeerhalbinsel Krim machen die ukrainischen Behörden Ernst mit angedrohten strafrechtlichen Ermittlungen. Deutschland werde gebeten, bei einer Befragung der Band Rechtshilfe zu leisten, berichtete die Agentur Unian unter Berufung auf die ukrainische Staatsanwaltschaft der Krim. Eine Sprecherin der Behörde sagte, unter anderem solle Frontmann H.P. Baxxter vernommen werden. Den Bandmitgliedern («Hyper Hyper», «How Much Is The Fish?») drohten bis zu acht Jahre Haft.

Die illegale Einreise auf die 2014 von Russland annektierte Krim sei «ein Verbrechen mit schwerwiegenden rechtlichen Folgen», sagte der ukrainische Botschafter Andrej Melnyk der Funke-Mediengruppe. «Das ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine gravierende Straftat, die weltweit geahndet wird.» Zudem habe er den Organisatoren der TV-Castingshow «Deutschland sucht den Superstar» geraten, Baxxter aus der DSDS-Jury auszuschließen, weil er vorsätzlich gegen die Gesetze eines anderen Landes verstoßen habe.

Die Ukraine betrachtet Reisen auf die Krim über russisches Territorium - wie von Scooter - als Verletzung ihrer Grenzen. Zudem lässt sie Künstler nicht mehr einreisen, die seit 2014 auf der Krim aufgetreten sind. Beim Eurovision Song Contest in Kiew im Mai durfte deswegen die russische Kandidatin Julia Samoilowa nicht einreisen. Dies verschärfte das ohnehin wegen der Krim und der Kämpfe zwischen Regierungstruppen und moskautreuen Separatisten im Donbass zerrüttete Verhältnis zu Russland weiter.

Scooter war am Freitagabend als Headliner bei dem beliebten Musikfestival ZBFest in Balaklawa nahe der Marinestadt Sewastopol aufgetreten. Die Fans hätten die Band ausgelassen gefeiert, meldete die Agentur Ria Nowosti. Demnach verabschiedete sich der in Hamburg wohnende Frontmann H.P. Baxxter (53) vom Publikum mit den Worten: «Spasibo, Crimea! See you next time» (Danke, Krim! Bis zum nächsten Mal). Später schrieb er im sozialen Netzwerk Instagram auf Englisch: «Danke Krim, tolles Publikum».

Die russischen Veranstalter hatten zu dem Festival rund 30.000 Zuschauer erwartet. Sie kritisieren das Vorgehen der ukrainischen Behörden. Die Band und ihr Management hatten im Juni erklärt, sie hielten die Reise für völlig unpolitisch. «Wir sehen das als rein musikalisches Event, wir spielen für unsere Fans», sagte Baxxter.

Mit einem Online-Abonnement mehr erfahren!
Abonnieren Sie die FARANG-Onlineausgabe ein Jahr lang zu einem sehr günstigen Preis. Sie erhalten uneingeschränkten Zugriff auf alle Artikel. Zusätzlich können Sie die vollständige Druckausgabe als PDF-Ausgabe herunterladen.

Leserkommentare

Für unabhängige Themen senden Sie einen Leserbrief an die Redaktion. Allgem. Kommentardiskussion

* Pflichtfelder
Bernd Lukas 08.08.17 00:06
Nicht der Rede wert...
Wenn man betrachtet was für ein faschistischer Pöpel im ukrainischen Parlament sitzt muss man dazu nichts mehr sagen. Die Visa Freiheit der EU beanspruchen aber selber harmlose Künstler und Musiker difamieren und verfolgen (European Song Contest, Konzerte auf der Krim). Das korrupte Gesocks sollte sich lieber mal um ihre bankrotte Wirtschaft kümmern als ständig in Nazi Manier herum zu stänkern.
aurel aurelis 07.08.17 18:13
Oligarchenkomödie
von uns geduldet! In der Ukraine wie in Russland regieren Oligarchen. Die russischen haben Geld und werden beim Kaufen bei uns in DE durch Embargos behindert. Die ukrainischen Oligarchen kaufen mit unseren in den Wind zu schreibenden Krediten und gebärden sich großkotzig.