Todesfalle Krankenhaus

Niemand lässt sich gerne ins Krankenhaus einweisen. Aber manchmal hat man keine andere Wahl. Es bleibt nur die Hoffnung auf Wiederherstellung der Gesundheit. Leider geht es oft ganz anders aus. Immer mehr Krankenhäuser wer­den privatisiert und die Arbeiten gewinnorientiert.

Pflegekräfte werden eingespart, die notwendigen Hygieneärzte oft nicht vorhanden. In Deutschland sind sie ab 400 Betten gesetzlich vorgeschrieben. In den meisten Spitälern gibt es keine. Desinfektionsmittel, die überall vorhanden sein sollten, fehlen häufig, werden einfach vergessen oder aus Zeitmangel nicht benutzt. Das gilt ebenso für Besucher. Patientenferne Mitarbeiter werden entlassen und durch fremde Firmen ersetzt, die für die Reinigung oder für die Nahrung zuständig und in der Regel schlecht dafür geschult sind.  Immer öfter werden Operationen durchgeführt, die gar nicht notwendig wären – aber schließlich muss die Kasse stimmen. Private Kliniken machen im Durchschnitt 35 Prozent Verdienst, öffentliche produzieren zu 36 Prozent rote Zahlen. Kein Wunder, dass sich überall multiresistente Keime bilden, die für die Patienten tödlich sein können. Das Robert-Koch-Institut in Berlin hat im letzten Jahr 600 Infektionsfälle gemeldet, von denen mindestens 15 tödlich endeten. Die Dunkelziffer liegt aber weit darüber! In Holland werden Patienten, bevor sie in den operativen Bereich verlegt werden, zuerst in ein anderes Heim eingeliefert, wo sie auf diese aggressiven Keime untersucht werden. Besucher sind verpflichtet, Desinfizierungsmittel zu benutzen. In Thailand, so behaupten Insider, sterben an diesen Keimen jedes Jahr fast so viele  Menschen wie im Verkehr. Vergeblich habe ich versucht, den Wahrheitsgehalt dieser Behauptung zu recherchieren. Diese Mauer des Schweigens zu durchbrechen ist aussichtslos, zumal oft andere Todeserkrankungen auf dem Totenschein angegeben werden.

Stattdessen will ich von einem Fall berichten, den ich hautnah miterlebte: Ein guter Freund von mir bekam in Pattaya eine neue Hüfte eingesetzt. Die Operation verlief scheinbar erfolgreich. Aber kurze Zeit später fühlte er sich matt und schlapp, wirkte apathisch, war appetitlos und ließ sich erneut in das Hospital einweisen. Ich besuchte ihn häufig und bemerkte, dass er immer elender aussah. Ich riet ihm, in ein sehr renommiertes Krankenhaus nach Bangkok zu wechseln. Er zögerte die Entscheidung lange hinaus. Dabei wurde sein Zustand immer bedenklicher. Endlich sah er die Notwendigkeit eines Hospitalwechsels ein, denn die Ärzte in Pattaya waren ratlos. Woche für Woche besuchte ich ihn, und Woche für Woche registrierte ich, dass er immer weniger wurde, brachte ihm bestimmte Lebensmittel mit, die er sich wünschte, aber sein Zustand veränderte sich nicht. Er wurde mehr und mehr zum Skelett. Ich musste mich damit vertraut machen, dass er nicht überleben würde. Aber dann gelang es den Ärzten, den entscheidenden Keim zu isolieren zu bekämpfen und zu besiegen. Einen Monat später war er wieder zu Hause, er nahm an Gewicht zu und war wieder gesund. Ein Glücksfall!

Immer wieder lassen Kranke sich in Hospitäler einweisen, um gesund zu werden und werden als Leichen herausgefahren. Das müsste nicht sein, wenn alle Hygienevorschriften beachtet würden. Zudem fehlen überall Pflegekräfte, nicht zuletzt deshalb, weil dieser wichtige Berufszweig schlecht bezahlt wird. Oft sind es Sprachprobleme, die die Zusammenarbeit zwischen Pflegern und Kranken erschweren, da Letztere häufig aus dem Ausland kommen. Alte und kranke Menschen, die ein Leben lang gearbeitet haben, Kinder erzogen und Steuern bezahlt haben, die werden am Ende nur allzu oft wie Sperrmüll behandelt. Ich kenne solche Fälle aus allernächster Nähe: Ein Alzheimer-Patient, der über viele Stunden in seinem Kot sitzt, ein anderer, der beim Füttern den Mund nicht öffnet, und dann, aus Zeitmangel des Pflegers oder der Pflegerin eben nichts zu essen bekommt. Eine Schande ist das! Ein öffentlicher Skandal! Pfleger, die ihre ihnen anvertrauten Patienten so behandeln, gehören aus dem Verkehr gezogen. „Die Würde des Menschen ist…“ Lächerlich! Die endet spätestens, wenn jemand so krank wird, dass er sich nicht mehr selbstbestimmt ausdrücken kann und keine Angehörigen da sind, die sich um ihn kümmern können oder wollen. Multiresistente Keime lauern an allen Ecken und Kanten, aber auch Hunger und Durst, Armut und Elend, Krankheit und Vereinsamung, Seuchen und Gewalt. Nein, ich weiß, diese Welt ist alles andere als perfekt, weil die sogenannte „Krone der Schöpfung“ eben alles andere als perfekt ist. Aber eines weiß ich: Mein Freund, dem in Bangkok eine neue Hüfte eingesetzt wurde, der von den fast unheilbaren Keimen befallen war und davon befreit wurde, dem geht es heute wieder ausgezeichnet. Auch für meinen an Alzheimer erkrankten Freund in Deutschland habe ich inzwischen ein Pflegeheim gefunden, wo er sich wohl fühlt, wo er bestens versorgt wird und wo ich ihn demnächst wieder für längere Zeit besuchen werde. Denn das muss abschließend auch unbedingt erwähnt werden: Die meisten Pflegerinnen und Pfleger opfern sich für ihre Patienten auf und sollten dafür endlich auch anständig entlohnt werden!

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