Todesfall Elise: Mutter ruft belgische Behörden an

Michele van Egten unzufrieden mit dem Ermittlungsverlauf auf Koh Tao

Videoaufzeichnungen von Elise Dallemagne auf Koh Tao vom 21. April – laut Bericht von ‚Thairat‘. Mutter Michele van Egten sagt: „Das ist nicht unsere Tochter, das ist eine andere fremde Frau…“ Fotos: Polizeivideos
Videoaufzeichnungen von Elise Dallemagne auf Koh Tao vom 21. April – laut Bericht von ‚Thairat‘. Mutter Michele van Egten sagt: „Das ist nicht unsere Tochter, das ist eine andere fremde Frau…“ Fotos: Polizeivideos

KOH TAO: Der angebliche Selbstmord einer jungen belgischen Touristin auf Koh Tao bleibt ein heißes und mittlerweile politisches Thema. Wegen bisher fehlender Ermittlungsresultate der Spezialeinheiten der Crime Suppression Division (CSD) und Mordkommission Surat Thani und der im Gegenzug von der Bangkoker Polizei befeuerten Suizid-Argumente schaltete die Familie von Elise Dallemagne (30) das Auswärtige Amt in Belgien sowie ihre eigene föderale Polizei ein.

Mit Verwunderung habe sie in den vergangenen Tagen durch Presseberichte wahrnehmen müssen, dass ausländische Journalisten ins Zielfernrohr thailändischer Behörden geraten seien und die Aufklärung des mysteriösen Todes ihrer Tochter eine Nebenrolle spiele, sagte Michele van Egten gegenüber unserer Redaktion. „Ich will eigentlich nur wissen, welche Spuren diese Sondereinheiten auf Koh Tao und Koh Phangan zutage gefördert haben und keine weiteren unbewiesenen Mutmaßungen lesen, dass Elise ohnehin selbstmordgefährdet gewesen sei.“

Die Bangkok Post titelte gestern in großer Aufmachung über eine überraschende Entwicklung der Untersuchung auf Koh Tao: „Target changed“ – Ziel geändert, lautete die Schlagzeile und die thailändischen Journalisten berichteten von einem neuen Vorstoß. Angeführt von Surat Thanis Gouverneur Auaychai Inthanak, der mit einem Armeehelikopter auf Koh Tao eingeflogen war, machten Geschäftsleute der Taucherinsel gemeinsam mit Behördenvertretern ihrem Unmut Luft: Ziel waren die englischsprachige Onlinezeitung ‘Samui Times’ und ihre Chefredakteurin Suzanne Buchanan.

Gegen die Samui Times und die Verantwortlichen seien Strafanzeigen erstattet worden, proklamierte Gouverneur Auaychai Inthanak unter großem Beifall von etwa 300 einheimischen Unternehmern Koh Taos. Inselbürgermeister Chayant Turasakul zeigte sich sichtlich erfreut über die Unterstützung seines Provinzchefs und bezeichnete die Beiträge der ‚Samui Times‘ und anderer britischer Medien als „rufschädigend‘ für Koh Tao und den gesamten Tourismussektor Thailands. Turasakul: „Wir müssen entschiedener gegen ausländische Kritiker vorgehen, die Thailand auf diese Art verunglimpfen.“

Fast untergegangen ist bei solch harschen Tönen der Ermittlungsfortschritt auf Koh Tao. In der thailändischen Zeitung ‚Thairat‘ sowie auf diversen Fernsehstationen waren noch vor zwei Tagen Bilder gelaufen, auf denen Polizeibeamte von Haus zu Haus gingen und Zeugen befragten. Veröffentlicht wurden auch letzte Videoaufnahmen von Elise Dallemagne am 21. April auf Koh Tao und von Zeugen bestätigt, wann sich die tot aufgefundene Belgierin wo bewegt habe.

Das Problem dabei: Mutter Michele van Egten in Belgien erhielt Kopien der Beiträge und stellte danach fest: „Das ist nicht Elise, das ist eine andere fremde Frau.“ Michele: „Meine Tochter hatte lange dunkelbraune Haare, sie war schlanker und hatte einen anderen Gang.“ Auch den Rucksack auf dem Rücken der Frau auf dem Video kenne sie nicht, sagte sie. „Das ist nicht der Rucksack, den wir später von der Polizei auf Koh Tao ausgehändigt bekommen haben.“

Michele van Egten erklärte heute, dass am kommenden Montag ein Treffen mit dem Auswärtigen Amt, Botschaftsmitarbeitern sowie der belgischen Polizei angesetzt sei. Im Anschluss wolle man aktiver mit den ermittelnden Thaipolizisten kooperieren, kündigte die Mutter von Elise Dallemagne an.

Die Redaktion des FARANG hatte ergebnislos versucht ein Kontaktbegehren der thailändischen Touristenpolizei an die Mutter weiterzuleiten. Michele van Egten lehnte dies ab und verwies auf die Einschaltung der belgischen Behörden und das wichtige Gespräch am kommenden Montag. Die öffentlichen Selbstmordvorwürfe gegen Elise Dallemagne in Thailand hätten inmitten der Ermittlungsphase viel Vertrauen verspielt, sagt Michele van Egten.

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