Thambun - etwas Gutes machen

Thambun zu jeder Zeit

Foto: epa/Barbara Walton
Foto: epa/Barbara Walton

THAILAND: Wer sich mit Thailand beschäftigt, mit einem thailändischen Ehepartner verheiratet ist oder als Farang in Thailand lebt, hört regelmäßig den Begriff thambun (auch tambun oder thambun geschrieben), und der eine oder andere hat sicherlich schon seine eigene individuelle Erfahrung damit gemacht.

Thambun bedeutet frei übersetzt „Gutes machen" oder auch „Verdienste erwerben", und ist auch ein wichtiger Bestandteil des täglichen und des religiösen Lebens, um Verdienste zu erwerben. Es gehört seit Kindesbeinen zur thailändischen Lebensart, im Leben möglichst viele solcher Verdienste erwerben zu wollen. Mit thambun verbindet man auch die positiven Eigenschaften wie Freigiebigkeit, Freundlichkeit, Mitgefühl, Geduld und Besonnenheit. Die Bereitschaft, etwas freigiebig mit reinem Herzen und mit guten Gedanken zu geben, ist thambun, denn nach der buddhistischen Lehre Buddhas, soll jeder Mensch mehr geben als nehmen, wobei das geben eine freiwillige Gabe jeder Art sein kann.

Dementsprechend ist es in Thailand auch üblich, großzügige gute Taten in Form von Spenden oder persönlichen Einsätzen öffentlich bekannt zu gemacht, damit jeder die Möglichkeit erhält, sich neidlos über diese gute Tat mit zu freuen, denn auch das neidlose Mitfreuen über eine gute Tat kann ein Verdienst sein. So sieht man u.a. an manchen Waisenhäusern, Schulen und auch an einem Wat ein aufgestelltes Schild, worauf der/die Spender öffentlich bekannt gemacht werden. Man sagt aber auch, wer neidvoll ist oder etwas eher lustlos gibt oder macht, der bekommt weniger Verdienst. So bleibt es für jeden eine individuelle Auslegung, mehr oder weniger thambun zu machen.

Religiöser Hintergrund

Thambun hat auch tiefe religiöse Hintergründe in Thailand, wobei sicherlich der Aspekt zu berücksichtigen ist, dass jeder einzelne Mensch in jeder Religion auch seine eigenen Ansichten dazu hat. Im Grunde erhofft sich jeder Einzelnen, dass durch sein thambun das eigenes Leben ruhig und sorgenfrei bleibt. Wenn jemand im jetzigen Leben Leid oder Negatives erlebt, könnten die Ursachen in der Vergangenheit, in einem früheren Leben liegen. Daher hilft hier die Ausübung von thambun, um Positives zu verstärken und Negatives abzubauen. Mönche erklären einem, das thambun auch dazu diene, da jeder durch gesellschaftliche Charakterstärke eine mögliche Selbstsucht und Überheblichkeit überwindet.

Als Karma bezeichnet man auch als das Zusammenspiel von dem, was man im Leben macht und welche Auswirkung das für einen selber und jeden Einzelnen haben kann. So liegt es an jedem Einzelnen, sein Leben entsprechend zu gestalten. Es können Verdienste deshalb nicht nur erworben werden, sondern man glaubt auch, dass man seine Verdienste im Leben ansammeln kann, um das eigene Karma zu beeinflussen. Auch ist thambun auch ein wichtiger Bestandteil des Wiedergeburtsgedanken. Da alle Taten im Leben auch Auswirkungen im nächsten Leben haben können, sollte man sich bemühen, jede Gelegenheit zum thambun zu nutzen. Denn man ist davon überzeugt, dass derjenige, der im Leben viel Gutes getan bzw. viele Verdienste erworben hat, auch als Mensch wiedergeboren werden kann. Wer aber weniger Gutes getan hat bzw. zu wenige Verdienste erworben hat, kann auch als Tier oder Insekt wiedergeboren werden. Waisenkinder

Einige Beispiele für Thambun

Besonders das Verabreichen von Geldspenden, ist sehr beliebt bei den Thais, um Verdienste zu erwerben. Man unterstützt nicht nur sehr häufig einen Wat und religiöse Projekte wie der Neubau oder Reparatur eines Wat, sondern auch inländische Hilfsorganisationen und Hilfsprojekte, Schulen, Waisenhäuser und hilfsbedürftige Menschen. Hier einige Beispiele für thambun:

  • Thambun ist es, regelmäßig zu beten und Buddha zu ehren.
  • Thambun ist es, seine Gedanken zu sammeln und zu meditieren
  • Thambun ist es, den Mönchen jeden Tag Speisen zu geben.
  • Thambun ist es, Dhamma-Vorträgen von Mönchen zuzuhören
  • Thambun ist es, einen Wat mit Sach- und Geldspenden zu unterstützen.
  • Thambun ist es, Waisenhäuser, Schulen und andere Einrichtungen zu unterstützen.
  • Thambun ist es, hilfsbedürftige Menschen zu helfen.
  • Thambun ist es, jemanden einen Gefallen zu tun, welcher Art auch immer.
  • Thambun ist es, jemanden in schwierigen Situationen beizustehen.
  • Thambun ist es, jemanden zu verzeihen und zu helfen.
  • Thambun ist es, nicht gleichgültig gegenüber dem Leid anderer zu sein.
  • Thambun ist es, sich über die Verdienste anderer zu erfreuen.

Thambun ist natürlich kein religiöses Allheilmittel, das weiß man auch in Thailand, doch trägt es dazu bei, das sich große Teile der thailändischen Gesellschaft daran beteiligen, um für die Gemeinschaft, ob im Kleinem oder Großem, etwas zu tun, sei es geistig, finanziell oder durch Hilfeleistungen jeder Art.

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Leserkommentare

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Ireen Wuerth 16.05.17 15:02
Child's Dream
Vielen Dank Herr Bütler, für ihre hilfreichen Informationen. Ich habe über eine Bekannte aus Chiang Mai schon von Herr Marc Dumur gehört, wusste allerdings nichts über dieses Projekt. Da ich im mehrheitlich muslimischen Süden des Landes wohne, hapert es manchmal mit entsprechenden Informationen. Freundliche Grüsse Ireen Wuerth
Hansruedi Bütler 16.05.17 11:55
"dass ich mit meiner Anschauung alleine bin auf
auf weiter Flur". Sehr geschätzte Frau Wuerth, das stimmt natürlich so ganz und gar nicht. Z. B. Child’s Dream wurde 2003 gegründet und ist eine gemeinnützige Organisation mit dem Ziel, benachteiligten Kindern und Jugendlichen in der sogenannten Mekong-Subregion zu helfen. Diese Region ist Schauplatz einer Vielzahl von humanitären Katastrophen, wobei Kinder am stärksten betroffen sind. Mit den über 300 Projekten konzentriert sich vor allem Child’s Dream auf sehr abgelegene und von den Regierungen vernachlässigte Gegenden in dieser Region. Es macht Sinn, nicht nach dem Gießkannen-Prinzip zu helfen, da leider allzuviele zu bequem zum Lernen sind. Denen die aber gewillt sind, gilt es direkt zu helfen. Wenn Sie Interesse haben, intelligenten Kindern, welche die Matura absolvieren wollen, um nachher Studieren oder ein Technikum zu besuchen, gibt es eine gute Anlaufstelle in Chiang Mai. Herr Marc H. Dumur (Marc Dumur, Chairman, FERC, Foundation for the Education of Rural Children FERC). Die "lernwilligen" Kinder werden bis zur Matura ausgebildet und beim nachfolgenden Studienprozess begleitet. Selbst unterstürze ich dort finanziell auch Kinder. Jede Hilfe ist willkommen. Der Staat sieht es allerdings nicht so gern, wenn kompetent geholfen wird. Eventuell glaubt sich das politische Etablissement durch gut ausgebildete Bürger gefährdet. MfG Hansruedi Bütler
Ireen Wuerth 16.05.17 07:34
Wer recht hat, hat recht
Herr Jürgen Franke, ich stimme ihnen vollumfänglich zu. Ich denke, es ist kein Geheimnis, dass gerade das Bildungswesen mehr als nur ein Stiefkind ist. Aber sitzen wir nicht ein wenig auf dem hohen Ross, dies zu wissen und zu denken: Unglaublich, aber es ist deren Problem. Ja, sicher, es ist ein grosses Problem in diesem Land, aber es ist nicht das Problem all der gescheiten Kinder, gerade auf dem Lande, deren Potential deshalb einfach verloren geht. Wenn ich mir dieses Land als zweite Heimat ausgesucht habe, bin ich der Meinung, trage ich auch ein wenig Verantwortung, die ich dort wahrnehmen kann und will, wo es mir möglich ist. Es ist kein Prahlen meinerseits, auch wenn sie das vielleicht so interpretieren, sondern eine kleine Hoffnung, dass es ein Anstoss für andere Expats sein kann. Ich bin mir bewusst, dass ich mit meiner Anschauung alleine bin auf weiter Flur und doch muss ich sie hin und wieder kundtun.
Jürgen Franke 15.05.17 21:23
Frau Ireen Wuerth, es ist Ihnen sicherlich hoch
anzurechnen, dass Sie die Schulkosten eines Mädchen übernehmen. Ich erlaube mir jedoch in diesem Zusammenhang den Hinweis, dass es eigentlich die originäre und somit wichtigste Aufgabe eines Staates ist, für eine vernünftige Ausbildung seines Nachwuchses Sorge zu tragen. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass in Thailand offensichtlich die finanziellen Mittel ausreichend vorhanden sein müßten.
Ireen Wuerth 15.05.17 16:28
Thambun heisst manchmal auch Danke
Es ist gewiss nicht selbstverständlich, dass wir hier in Thailand wohnen dürfen und so vieles geniessen können, von dem viele Freunde zuhause nur träumen! Meine Meinung! Thambun kann auch ein Dankeschön sein. Wir bezahlen einem sehr gescheiten Nachbarsmädchen die Privatschule hier in der Stadt, (ist nicht so teuer wie ihr wohl denkt, liebe Leser!) sind doch die staatliche Dorfschulen oftmals nicht mit gutem Lehrpersonal besetzt. (Wer am meisten bezahlen kann, wird Lehrer - nicht, wer am befähigsten ist). Sie ist sehr lernbegierig, zeigt und erklärt alle Schulbücher die ich bezahle, legt mir stolz ihre guten Bewertungen vor und tut sich gar nicht schwer, nebst allen anderen Fächern Englisch und Chinesisch zu lernen. Thambun gleich Freude! Auch noch eine Idee für alle Englisch Sprechenden Farangs. Nachhilfeunterricht, vor allem in der Aussprache für Kinder im Dorf oder der Umgebung, die nur eine Englisch Stunde in der Woche haben. Ein Thambun, welches für die Zukunft einiger Kinder wichtig sein kann.