Thai-Feigen und Avocados aus Myanmar

Frau Kamphasith hatte recht: Der Fruchtkuchen mit Sternfrüchten schmeckt sehr gut

Blätterteig kommt auf das geölte Backblech, dann folgen die geschnittenen Sternfrüchte und dann ein süßer Guss: Köstlich! Fotos: hf
Blätterteig kommt auf das geölte Backblech, dann folgen die geschnittenen Sternfrüchte und dann ein süßer Guss: Köstlich! Fotos: hf

Ich war ein paar Tage in Nong Khai zum Radfahren und Ausspannen. Dabei habe ich das Geheimrezept von Frau Kamphasith ausprobiert: Ein durchschlagender Erfolg!

Kleine gute Feigen liefert dieser Baum aus dem Süden.
Kleine gute Feigen liefert dieser Baum aus dem Süden.

Als mich Frau Kamphasith aus Vientiane im November in Nong Khai besuchte, trug der Stern-Frucht-Baum gerade keine Früchte. Dennoch hat die Dame, die noch zur Zeit der DDR einen Laoten geheiratet hatte und deshalb prompt ausgebürgert wurde, mir ein Rezept verraten, das mir sofort eingeleuchtet hat.

Süßsauer ist besser als sauer oder süß

Sie sagte mir, dass sich aus den sehr sauren Sternfrüchten ein ausgezeichneter Fruchtkuchen (Schweizerdeutsch: Wähe) herstellen lässt. Und als ich nun wieder oben in Nong Khai war habe ich Früchte gepflückt und das Ganze ausprobiert.

Das Resultat war ausgezeichnet, neudeutsch: Yummi! Der Geschmack etwa wie Rhabarber- oder Aprikosen-Wähe, schöne Farbe, gute Konsistenz.

Ein veredelter Avocado blüht rasch, bildet dann Früchte.
Ein veredelter Avocado blüht rasch, bildet dann Früchte.

Der alte Thai-Schwiegervater hat der Sache nicht getraut, ich musste ihm ein kleines Stück förmlich aufdrängen: Worauf er aber sofort ein zweites und drittes vertilgte. Am nächsten Tag pflückte er selber Früchte, weil er vermutlich dachte, sie seien nun süßer als er sie in seiner sauren Erinnerung hatte. Sie waren natürlich immer noch ziemlich sauer und wurden nur durch den süßen Guss aus Eigelb, Rahm und Zucker süß bzw. süßsauer.

Entlang des Mekongs habe ich wieder viele interessante Pflanzen beobachten können, etwa die riesigen Weihnachts-sterne, die über Jahre weiterwachsen. Oder die großen lokalen Feigenbäume, die von hunderten roten Früchten voll behangen sind.

Es gibt diverse Thai-Feigen, aber leider…

Nicht nur zur Weihnachtszeit: Rote Sterne am Mekong.
Nicht nur zur Weihnachtszeit: Rote Sterne am Mekong.

Diese rote Sorte der Thai-Feigen habe ich im Discovery Garden Pattaya noch nicht, aber dafür drei andere. Ein Baum im hinteren Teil des Grundstücks liefert gelbe Früchte in großer Zahl, ein Fruchtbarkeitssymbol erster Güte. Aber leider schmecken sie wie Karton, man isst höchs­tens einmal eine halbe und dann nie mehr. Aber dennoch: Ein interessanter, sehr sehenswerter Baum.

Dann habe ich eine Elefantenohr-Feige: Die hat riesige Blätter, bis jetzt noch keine Früchte. Und die dritte Feigenart aus Thailand trägt lauter kleine Feigen, stammt aus dem Süden des Landes und wird von meinen Thais im Lab oder in Curries gegessen.

Alle vier der hier erwähnten Thai-Feigenarten sind mindes­tens attraktiv, ein Blickfang im Garten.

Als ich nach nur einer Woche Abwesenheit wieder in Pattaya war, habe ich über das rasante Wachstum meiner zwei Gänslein Bauklötze gestaunt: Sie haben ihre Größe etwa verdoppelt! Offensichtlich schlägt die Spezial-Diät aus Brot, Rüben, Mais, Reis und gekochten Hühnereiern im Mixer fein püriert richtig an.

Die Gänse haben ihre Größe etwa verdoppelt.
Die Gänse haben ihre Größe etwa verdoppelt.

Dann sind auch acht Zwerg-Hühnlein geschlüpft und fünf neue Kaninchen geboren worden: Glück im Stall!

Und einer der vielen veredelten Avocado-Bäume entwickelt Blüten, obwohl er nicht höher als 1,40 Meter ist. Das passiert dank der Veredelung, bei der man einer aus Kernen gezogenen Pflanze eine bestimmte gute Sorte aufpfropft, die dann schon tragfähig ist. Bislang hatten wir veredelte Avocados nur gekauft, jetzt aber erstmals selber gemacht: Operation gelungen, Patient (nicht!) gestorben.

Dann wurden mir (ebenfalls erstmals) gute Avocados aus Myanmar geliefert, neun Kilo. Eine Firma, die im Norden von Thailand Avocados anbaut, hat nun erstmals auch welche aus dem Schan-Staat in Myanmar importiert, wo die Saison offensichtlich noch nicht vorbei ist: Ausgezeichnete Früchte.

Aus den Kernen ziehe ich nun wiederum neue Wurzelpflanzen, die als Unterlage für unsere vier Sorten „Hass“, „Fuerte“, „Petterson“ und „Booth 7“ dienen.

Hans Fritschi, Jahrgang 1957, ist ehemaliger Journalist und Buchautor, er lebt seit 1991 in Thailand. Mehrere Monate des Jahres reist er in der Welt herum, den Rest verbringt der Hobbygärtner in Pattaya und Nong Khai. Falls Sie Fragen und Anregungen an unseren Gartenkolumnisten haben, oder seinen Garten mal anschauen möchten, schicken Sie ihm eine E-Mail an hansfritschi1957@gmail.com oder besuchen Sie seine Webseite www.discovery-garden.net oder Facebookseite.



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Leserkommentare

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Erich Hohl 13.02.17 03:11
Aufpfropfen
Ahoi Hans, Suuuper deine Erlebnisse! Vielen Dank. Mit grosser Freude und Spannung lese ich immer deine sehr interessanten Berichte. Avocado aufpfropfen... Geniale idee. Darf ich fragen wie du das machst? Mit dem normalen T-Schnitt? Wäre das vielleicht mal ein Bericht mit Fotos wert? Gespannt auf die nächste Publikation... Und Grüsse os äm Appäzöll Erich