Sprachprobleme

Farang-Thai, Thai-Farang

Reist man in einem fernen Land umher, so ist es immer von Vorteil, wenn man zumindest ein paar Worte der Landessprache spricht. Das gilt besonders für Thailand, wo sich außerhalb Bangkoks und der Touristenzentren die Englischkenntnisse der Einheimischen oft auf "hey you" beschränken.

Die paar Brocken Englisch sind allerdings stark auf Thai gefärbt. Thais sprechen das "r" wie ein "l" und das "t" wie ein "s" aus; auch können sie nicht zwei Konsonanten hintereinander aussprechen. So hört sich z.B. die Zahl "twenty" von einem Thai gesprochen wie "seventy" an. Wenn man mit einem Straßenverkäufer handelt, muss man also sehr genau aufpassen, was er nun meint.

Besser ist es da, ein paar Worte Thai zu kennen. Alleine schon deshalb, weil der Verkäufer dann annehmen wird, dass man sich in Thailand auskennt und den geforderten Preis näher an den tatsächlich üblichen Preis heranrücken wird. Bei Thais, die ihren Lebensunterhalt damit verdienen, Touristen möglichst hohe Preise abzunehmen, sind Thai sprechende Farang allerdings nicht unbedingt beliebt. Sie gelten als "Farang Ruh Mahk", d.h. als Farang, die viel wissen und sich deshalb nicht so leicht abzocken lassen.

Für den Farang ist die Thai-Sprache nicht besonders schwer zu lernen. Der Wortschatz der Umgangssprache ist wesentlich kleiner und die Grammatik viel einfacher als im Deutschen. Es gibt weder Pluralform noch Konjugation oder Deklination. Vergangenheits- und Zukunftsform werden durch ein vor das Verb gesetztes "dja" oder dahinter gesetztes "laeo" ausgedrückt. Die Thai-Sprache kennt im Wesentlichen nur einsilbige Wörter, die aber jeweils eine besondere Tonhöhe haben. Was dabei jedem Farang erhebliche Probleme macht, ist die richtige Betonung. Je nachdem wie es betont wird, kann das gleiche Wort fünf oder mehr verschiedene Bedeutungen haben.

Nun freuen sich die Thais immer, wenn ein Farang versucht, ein paar Worte in ihrer Sprache zu radebrechen und sehen auch über Patzer - wenn meist auch mit viel Gekicher - gerne hinweg. Manchmal fällt es einem aber dennoch schwer, sich richtig verständlich zu machen.

Sich mit dem Pferd in die Scheiße reiten

Ich lag eines Tages mit meiner Thai-Frau am Strand von Pattaya, als zur Abwechslung mal außer den Obst- und Wasserverkäufern und den Typen, die den dummen Farang buntes Glas als echte Edelsteine andrehen wollen, ein Junge mit einem stabilen Pferdchen den Strand entlang kam, das er den Gästen für einen kleinen Rundritt anbot. Da ich meiner dösenden Perle etwas Gutes tun wollte, sah ich schnell in mein Wörterbuch, was reiten und Pferd auf Thai heißt und fragte sie freundlich, ob sie "kie mah" (kie = reiten, mah = Pferd) wolle. Worauf sie mich entrüstet fragte, ob ich noch ganz bei Trost wäre. Das Wort "kie" heißt nämlich nicht nur reiten, sondern auch Dreck oder das, was wir auf der Toilette in Richtung Kläranlage spülen. Hingegen heißt "mah" nicht nur Pferd, sondern auch Hund. Es kommt eben auf die richtige Betonung an. So hatte ich mein Goldstück also tatsächlich mit der freundlichen Frage geweckt, ob sie nicht ein bisschen Hundescheiße haben möchte.

Als ein Araber einmal an einem der unzähligen Straßenrestaurants Bangkoks auf eine der in der Auslage stehenden Schüsseln deutete, die ein gut riechendes, aber undefinierbares, gulaschähnliches Currygericht enthielt, wollte er sich zunächst überzeugen, ob darin auch kein Schweinefleisch sei. Der Thai-Verkäufer versicherte ihm aber mit freundlichem Grinsen, das sei "muh", worauf der Araber - in der Meinung, Fleisch von einem "muh" machenden Rindvieh zu verzehren - mit Essen begann. Erst hinterher wurde er von einem Landsmann belehrt, dass "muh" auf Thai Schwein bedeutet. Allah wird ihm das Versehen aber sicher vergeben haben.

Aber auch mit dem Englischen kann man so seine Probleme haben, vor allem in kleinen Hotels und Gästehäusern außerhalb der Touristenzentren. Ich saß einmal in einem kleinen Hotel in Hat Yai im Süden Thailands, als am Nebentisch eine Engländerin versuchte, sich zum Frühstück ein Omelett zu bestellen. Das Mädchen, das die Bestellung aufnahm, kam wohl frisch vom Land und verstand kein Wort. Sie wiederholte immer wieder verzweifelt das ihr völlig fremde Wort so, wie sie es verstanden hatte: "omelete, amelete, omalete" usw. Bis plötzlich ein verstehendes Aufleuchten über ihr Gesicht ging "Aha, amalite" und sie davonschwebte. Die Engländerin wusste nicht, wie ihr geschah, als die Perle lächelnd und mit einer Flasche Amarit - ein gängiges Thai-Bier - wiederkam.

Wenn der Spieß mal umgedreht wird

Wenn man aber die Thai-Sprache einigermaßen versteht, kann man auch seinen Spaß haben, da Thais normalerweise davon ausgehen, dass kein Farang sie versteht und dann ganz ungeniert ihre Späße über ihn machen. Als ich mir einmal in einem der großen Kaufhäuser in Bangkok eine Unterhose kaufen wollte, ging alles, was auf dem Ladentisch lag, nur bis Größe M. Ich versuchte also der netten kleinen Verkäuferin klar zu machen, dass ich mindestens XL, besser noch XXL benötigte. Als nun das Mädchen der etwas weiter entfernt stehenden Abteilungsleiterin oder Oberverkäuferin zurief, ob sie diese Größen überhaupt hätten, rief diese zurück, sie hätten nur Unterhosen für Männer, nicht für Elefanten, worauf natürlich die ganze Clique umherstehender Verkäuferinnen in Gekicher ausbrach. Als ich dann der Dame in einigermaßen verständlichem Thai sagen konnte, was ich von ihrer Höflichkeit gegenüber Farang-Kunden hielte, schämte sie sich fast in den Boden.

Günther Ruffert

Geschichten von Günther Ruffert
Der beliebte Isaan-Autor lebte 20 Jahre in Thailand, und davon fast 15 Jahre in einem kleinen Dorf im Nordosten Thailands, nahe der kambodschanischen Grenze. Seine weitreichenden Erfahrungen gab er in mehreren Büchern und Beiträgen weiter.

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