Roboter dirigiert Konzert mit Startenor Bocelli

Foto: epa/Abb Press Office
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PISA (dpa) - Bei einem Konzert mit Andrea Bocelli gibt ein außergewöhnlicher Dirigent den Takt vor: ein Roboter. Dass so die Zukunft des Orchesters aussehen könnte, ist dennoch unwahrscheinlich.

Ein Roboter am Pult: Der zweiarmige Roboter «YuMi» hat im italienischen Pisa ein Benefizkonzert mit Startenor Andrea Bocelli (58) dirigiert. «YuMi» gab am Dienstagabend bei mehreren Stücken den Takt vor, darunter bei der berühmten Kanzone «La donna è mobile» aus der Verdi-Oper «Rigoletto». Die ungewöhnliche Aufführung fand im Rahmen eines internationalen Roboter-Festivals statt, mit dem die Organisatoren auch eine Verbindung zwischen Technik und Kultur herstellen wollen.

Der zweiarmige Roboter wurde in der Schweiz gebaut und ist weniger als einen Meter groß. Er gab von einem Podest im Teatro Verdi aus Anweisungen an das Orchester.

Für seinen Auftritt musste «YuMi» 17 Stunden lang programmiert werden. Dazu habe er gelernt, die Bewegungen des Dirigenten Andrea Colombini vom Philharmonieorchester in Lucca nachzuahmen, sagte ein Sprecher der Veranstalter am Mittwoch. Der Roboter könne den Takt aber nicht spontan variieren, wie dies ein Mensch tue. «Das zeigt, dass der Mensch den Roboter braucht, der Roboter aber genauso den Menschen braucht.»

Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass ein Roboter ein Konzert dirigiert. 2008 stand schon einmal der Roboter «Asimo» vor dem Detroit Symphony Orchestra.

Werden Roboter in Zukunft menschliche Dirigenten überflüssig machen? Das Dirigieren sei ein Entstehungsprozess, sagte Professor Harald Jers der Deutschen Presse-Agentur. Er ist Dirigent und Professor für Chorleitung an der Musikhochschule Mannheim. Ein Dirigent gehe auf das Spiel des Orchesters ein und denke dann die nächsten Schritte voraus, sagte Jers. Umgekehrt schauten die Orchestermusiker beim Spielen vor allem auf das Gesicht des Dirigenten. Es komme daher viel auf die Mimik an. Die Handbewegungen würden eher beiläufig wahrgenommen.

«In den nächsten 40 bis 50 Jahren sehe ich daher keine Chance, dass ein Roboter die Arbeit eines Dirigenten ersetzen könnte», sagte Jers. Und konnte der blinde Sänger Bocelli auf den Roboter reagieren? Sänger achteten generell vor allem auf die Harmonie des Orchesters, betonte Jers.

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