In den Straßencafés der Bo-Sun-Pat-Straße im Zentrum Ranguns plaudern bei Kaffee und Tee muslimische Männer. In der Moschee ist gerade das Freitagsgebet zu Ende gegangen. Aus der katholischen Kirche St. John, ein paar Häuserblocks weiter, dringen die Gebete und Gesänge des Karfreitagsgottesdienstes. Vor einem hinduistischen Tempel sammeln buddhistische Frauen mit silbernen Schalen Spenden von den Passanten.
Trügerische Harmonie
Die Welt in der Pabedan Township im Zentrum von Rangun wirkt an diesem Karfreitag geradezu als perfektes Beispiel der Harmonie zwischen den Religionen. Aber der Schein trügt in diesen Tagen. Das Viertel ist muslimisch dominiert und die Muslime haben Angst, Opfer einer antimuslimischen Gewaltwelle zu werden, die über Myanmar hereingebrochen ist.
Am 20. März gerieten in der Stadt Meiktila in Zentralmyanmar ein buddhistischer Goldhändler und sein muslimischer Kunde aneinander. Daraus entstand ein Flächenbrand, der zunächst ganz Meiktila, dann die benachbarten Townships erfasste und sich seitdem langsam Richtung Rangun ausbreitete. Mehr als 40 Menschen sind zu Tode gekommen, Moscheen gingen in Flammen auf, islamische Schulen wurden verwüstet, 12.000 Menschen flüchteten.
Als Drahtzieher der Gewalt gilt die militante buddhistische Organisation 969 des Mönchs Wirathu. Nyunt Maung Shein, Präsident des Rates für islamische religiöse Angelegenheiten sagt: Sie wollen zurück zu den alten Zeiten der Militärdiktatur. Nyunt Maung Shein, der auch Vizepräsident der Interreligiösen Gruppe ist, warnt jedoch davor, alle buddhistischen Mönche über einen Kamm zu scheren. Die Mehrheit sind gute Mönche, betont der 75-Jährige.
969 ist eine Bewegung extremistisch-nationalistischer Buddhisten. Die Zahl hat in dem Land mit ausgeprägtem Hang zur Numerologie einen hohen Symbolwert. In der buddhistischen Tradition steht 969 für die drei Schätze, die aus den neun Attributen Buddhas, den sechs des Dhamma und den neun des Sangha zusammengesetzt sind.
Die bizarre Botschaft von 969 ist simpel: Muslime haben ein Komplott zur Islamisierung Myanmars geschmiedet. Der für seine direkte Art bekannte Maung Zarni, Fellow an der London School of Economics, ruft in seinem Blog eindringlich auf: Stop 969, Burma's fastest growing neo-Nazi Buddhist nationalist movement.
Langsame Entspannung
Für den UN-Menschenrechtsbeauftragten Tomás Quintana kam die antimuslimische Kampagne nicht überraschend. Die Warnzeichen waren seit der Gewalt in Rakhine im vergangenen Juni zu sehen und die Regierung hat schlicht und einfach nicht genug getan,...dem organisierten und koordinierten Mob, der den Hass anheizt und gewaltsam gegen Muslime vorgeht, den Kampf anzusagen. Bei den blutigen Ausschreitungen im vergangenen Jahr zwischen Buddhisten und islamischen Rohingyas in Rakhine (Arakan) im Westen Myanmars waren mehr als 200 Menschen ums Leben gekommen. Quintana begrüßt jedoch auch die Deutlichkeit, mit der Myanmars Präsident Thein Sein am Gründonnerstag die politischen Opportunisten und religiösen Extremisten verurteilt hat.
Langsam beruhigt sich die Lage. Der 969-Führer Wirathu hat in einem überraschenden Wendemanöver zu Ostern angekündigt, statt Muslimhetze ab sofort für Frieden und Harmonie zwischen den Religionen zu werben. Jetzt müssen Worten nur noch Taten folgen.

