Regierung nimmt Reuters-Journalisten fest

 Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi. Foto: epa/Fred Dufour / Pool
Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi. Foto: epa/Fred Dufour / Pool

RANGUN (dpa) - Myanmar steht seit Monaten in der internationalen Kritik, nachdem das Land gewaltsam gegen die Minderheit der Rohingya vorgegangen war. Eine Recherche zu diesem Thema wurde nun offenbar zwei Journalisten der internationalen Nachrichtenagentur Reuters zum Verhängnis.

Die Regierung von Myanmar hat zwei Journalisten der Nachrichtenagentur Reuters festgenommen. Die beiden einheimischen Mitarbeiter hätten sich mit Polizisten getroffen und von ihnen Dokumente mit Bezug zum Bundesstaat Rakhine erhalten, wie das Informationsministerium des Landes am Mittwoch mitteilte. Das Militär von Myanmar war dort gewaltsam gegen die muslimische Minderheit der Rohingya vorgegangen. Die beiden Polizisten seien ebenfalls festgenommen worden. Allen vieren würden Verstöße nach einem Gesetz zu Staatsgeheimnissen aus dem Jahr 1923 vorgeworfen, wie es hieß.

Beide Männer wurden nach Angaben von Kollegen am Dienstag in Rangun, der ehemaligen Hauptstadt des südostasiatischen Staates, auf Anordnung des Militärs festgesetzt. Laut Ministerium wurden sie am Mittwoch in einem Polizeirevier in einem Vorort von Rangun verhört. In Myanmar ist das Militär auch nach dem Ende der jahrzehntelangen Diktatur noch an der Regierung beteiligt, die inzwischen von Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi geführt wird.

Von Reuters hieß es, dass die beiden Reporter seit Dienstagabend verschwunden seien. «Wir versuchen eindringlich, mehr über die Umstände ihrer Festnahme und ihrer derzeitigen Situation herauszufinden», sagte Reuters' oberster Sprecher Abbe Serphos einem Bericht der Agentur zufolge.

Die US-Botschaft in Myanmar zeigte sich alarmiert. «Wir sind zutiefst besorgt über die hochgradig irregulären Festnahmen von zwei Reuters-Reportern, nachdem sie eingeladen worden waren, in Rangun Polizeibeamte zu treffen», teilte die Botschaft auf ihrer Website mit. «Damit eine Demokratie gedeihen kann, müssen Journalisten in der Lage sein, frei ihrer Arbeit nachzugehen.»

Das Gesetz zu Staatsgeheimnissen, nach dem die Journalisten belangt werden, stammt noch aus Myanmars Kolonialzeit. Es sieht eine Höchststrafe von 14 Jahren Gefängnis vor. Es gab in diesem Jahr in Myanmar bereits mehrere Fälle von Journalisten, die festgenommen und nach drakonischen Kolonialzeit-Gesetzen angeklagt wurden. Aktivisten warnen davor, das Land könne in Sachen Pressefreiheit wieder in vergangenen Zeiten abrutschen. Während der Militärdiktatur gab es in Myanmar jahrzehntelang keine freie Presse.

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